So., 29.05.2016

Musik Bergfahrt eines Raddampfers als Klangerlebnis

Das «Sweat of the Sun»-Ensemble auf der Probebühne.

Das «Sweat of the Sun»-Ensemble auf der Probebühne. Foto: Franz Kimmel

Mit der Uraufführung der Oper «Sweat of the Sun» nach Werner Herzogs «Fitzcarraldo» ist die Biennale in München in eine neue Ära aufgebrochen. Wohin die Reise unter dem Komponistenduo Ott/Tsangaris gehen soll, hat sich dabei noch nicht angedeutet.

Von dpa

München (dpa) - Das Urwaldepos «Fitzcarraldo» von Werner Herzog war in jeder Hinsicht eine Wahnsinnstat. Nicht nur die Handlung selbst, in der ein exzentrischer Gummibaron mitten im Amazonasdschungel ein Opernhaus zu bauen gedenkt, sondern auch der von zahlreichen Pannen und Unterbrechungen begleitete Dreh.

Mit einem Hauptdarsteller (Klaus Kinski), der immer am Rand des Irrsinns entlang taumelte. Und natürlich jenem berühmten Raddampfer, der für den Film über einen Berghang gezogen wird. Eine atemberaubende Sequenz, die seither zur deutschen Kinogeschichte gehört.

Daraus eine Oper zu machen, liegt gar nicht so fern, zumal Herzog die turbulenten und mitunter hochgefährlichen Dreharbeiten in einem eigene Dokumentarfilm und einem Buch mit autobiografischen Skizzen festgehalten hat. Dieses Buch namens «Eroberung des Nutzlosen» war Grundlage der Oper «Sweat of the Sun» des irischen Komponisten David Fennessy, die am Samstag zur Eröffnung der «Münchener Biennale» in der Muffathalle nahe des Gasteig-Kulturzentrums uraufgeführt wurde.

Fennessys 75-minütige Partitur wurde vom Münchner Kammerorchester unter Alexander Liebreich mit beträchtlichem technisch-akustischen Aufwand aus der Taufe gehoben. Die Musik schafft drückend-bedrohliche Urwaldatmosphäre, versucht die wahnwitzige Bergfahrt des Dampfers lautmalerisch nachzuzeichnen. Das Orchester klingt bei diesem sich wiederholenden Motiv wie die Turbinen eines startenden Düsenjets. Und die Stromschnellen, in denen das von den Indianern losgebundene Schiff schließlich fast zu versinken droht, klingen wie die Posaunen von Jericho.

Ansonsten viel gestaltete Leere, drohende Stille, unterbrochen von Gesprächs- und Gesangsfetzen des siebenköpfigen Darstellerteams, knarzenden Streichereinwürfen, wuchtigen Paukenschlägen. Gegen Ende schweben von der Decke zwei balkenförmige Aluminiumharfen ein, denen Musiker mit Geigenbögen zirpende Geräusche entlocken. Ruhig geführte Kantilenen steuerte die Sopranistin Susann Vent-Wunderlich bei.

Szenisch bot diese Uraufführung das, was man sich von solchen mit eher geringem Aufwand gestalteten Musiktheaterperformances erwarten kann: Videoprojektionen aus «Fitzcarraldo» und Herzogs dazugehörenden Doku «Mein liebster Feind», im Publikum verstreutes Instrumentarium, durchlässige Grenzen zwischen Bühne und Auditorium, eine Bühnenkamera, die allerdings vorzeitig den Geist aufgab. Das Orchester war zunächst in der Saalmitte platziert und wurde dann, auf rollenden Podesten, an den Rand geschoben.

Die Uraufführung wurde positiv, wenn auch nicht begeistert aufgenommenen. Nach dem Schlussapplaus des ersten Abends blieb allerdings zunächst unklar, wohin die neuen Biennale-Leiter Daniel Ott und Manos Tsangaris das bis zum 9. Juni andauernde Festival führen wollen.

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