Mo., 23.05.2016

Fernsehen Die letzten Gigolos

Tanzen bis ins hohe Alter.

Tanzen bis ins hohe Alter. Foto: epa efe Cezaro De Luca

Elegant, kultiviert und charmant sind «Die letzten Gigolos». Die Dokumentation porträtiert Männer im fortgeschrittenen Alter, die als Tanzpartner auf Kreuzfahrtschiffen anheuern. Ein Film über Lebensfreude, Sinnsuche und Vergänglichkeit.

Von dpa

München (dpa) - Gute Unterhaltung beim festlichen Dinner, der Spaziergang beim Landgang und ein flotter Tanz beim Galaabend an Bord - auf Kreuzfahrtschiffen kümmern sich «Gentlemen Hosts» um das Vergnügen allein reisender Frauen.

In der Dokumentation «Die letzten Gigolos» erzählen zwei Eintänzer von ihren Erlebnissen an Bord. Das ZDF zeigt den Film zu später Stunde (23.55 Uhr) am Montag, 23. Mai. Der Regisseur Stephan Bergmann gewährt mit seinem sehenswerten Debüt Einblick in die Welt wohlhabender Senioren und ihre Suche nach einem Lebenssinn im Alter.

«Meine erste Aufgabe ist es, Kavalier zu sein», sagt Peter Nemela. Und diese Aufgabe erfüllt er formvollendet. Galant überreicht er den Damen an Bord zur Begrüßung rote Rosen und stimmt die Gruppe der Singles mit einem Glas Sekt auf die Reise ein. Gemeinsam mit seinem Kollegen Heinz Löffelbein hat ihn die Reederei als Tanz- und Gesprächspartner gebucht. Gepflegtes Auftreten sei das Wichtigste, sagt Nemela. Dazu die richtige Balance zwischen Offenheit und Zurückhaltung.

Wie sieht es aus mit der Liebe an Bord? «Grundsätzlich ist nichts verboten. Nur manches ist nicht erlaubt. Das ist ein Unterschied», sagt Witwer Nemela und schmunzelt. Die Distanz solle aber gewahrt bleiben. Die allein reisenden Senioren wollen eine gute Zeit haben, tanzen, vielleicht flirten. Die Aufgabe halte ihn jung, er müsse auf sich achten, sich fit halten, sagt Nemela. Zudem reise er gern. Auf der Suche nach einer neuen Partnerin sei er nicht.

Der Film spürt den Beweggründen der Hosts nach und zeigt, wie die Bordgesellschaft auf sie reagiert. Die Gruppe der allein reisenden Senioren besteht überwiegend aus Frauen - und die freuen sich über gute Tänzer. Eine der Damen, ebenfalls verwitwet, sieht einen großen Vorteil an Schiffsreisen: Als Frau im Hotel abends alleine an die Bar zu gehen und mit Männern zu sprechen, habe etwas Anrüchiges, sagt sie. Auf dem Schiff sei es selbstverständlich, sich abends zu treffen.

Die Dokumentation zeigt, dass neben Reiselust immer auch das Alleinsein eine Rolle spielt. Und das bedeutet nicht nur Freiheit, Unabhängigkeit, Flexibilität, sondern auch Einsamkeit und Sinnsuche. Mit Mitte 60 sind viele Pensionäre noch rüstig und gesund. Was tun mit den letzten 20, 25 Jahren? Es klingt trostlos, wenn ein ehemaliger Anwalt über den Ruhestand sagt: «Seitdem vertrödele ich meine Zeit. Das macht das Leben nicht aus. Sie leben in dem Bewusstsein, dass Sie nichts mehr tun, was bedeutsam ist. Jetzt mache ich halt gar nichts.»

Dem Regisseur gelingt es, die Atmosphäre an Bord und die Stimmung der Reisenden einzufangen, ohne dabei voyeuristisch zu sein. Möglich machen das auch die vier Protagonisten Peter Nemela, Heinz Löffelbein, Bärbel Schlömer und Barbara Maierhofer, die freimütig erzählen. Nemela bringt es auf den Punkt: «Wenn man zuhause rumsitzt, ist es tödlich. Dann stirbt man auch früher.»

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