Fr., 27.05.2016

Medien Fanny und die geheimen Väter

Lydia Canetti (Julia Jendroßek) bittet Fanny (Jutta Speidel, re.) um Hilfe.

Lydia Canetti (Julia Jendroßek) bittet Fanny (Jutta Speidel, re.) um Hilfe. Foto: dpa

Eine bekannte Schauspielerin bekommt ein neues TV-Format, und darin spielt sie eine freche Frau um die 60.

Von dpa

Berlin (dpa) - Sie ist um die 60, alleinstehend, wohnt in München und von allerlei Sorgen des Alltags geplagt. So eine Frau steht im Mittelpunkt des Zweiteilers «Fanny», der an diesem Freitag (20.15 Uhr, Das Erste) mit der Folge «Fanny und die geheimen Väter» zu sehen ist. Der zweite Film («Fanny und die gekaufte Frau») folgt am 3. Juni. Ob daraus dann eine Reihe wird, entscheiden die Quoten.

Fanny Steininger (Jutta Speidel) wohnt in einer kunterbunten Wohnung im Münchner Westen. Sie selbst schaut mit ihren farbenfrohen Klamotten auch kunterbunt aus. Fanny hangelt im Grunde immer am Rande der Pleite entlang: Gerade hat sie ihren Job als Zugbegleiterin geschmissen und flüchtet sogar vor einem Pfandeintreiber aus dem Fenster. Doch dann winkt der hochverschuldeten Frau plötzlich eine Erbschaft: Ein gewisser Walter Jeromin, angeblich ihr leiblicher Vater, vermacht ihr 183 000 Euro und ein Landhaus am Ammersee. Ihr Papa, ein ehemaliger Weißwurstkönig, ist aber schon 1969 gestorben.

Egal: Fanny käme das Erbe schon ganz recht, doch ihre Schwestern Ute (Isolde Barth) und Karin (Lena Stolze) sind skeptisch. Einen Haken hat die Sache nämlich: Die Vormundschaft für den vermeintlichen Halbbruder Elias Jeromin (Dennis Mojen), der am Asperger-Syndrom leidet, ist mit dem Erbe verbunden. In der Anwaltskanzlei «Hackenbusch & Söhne» sucht Fanny also Rat und gerät an den schüchternen Tristan Hackenbusch (Johann David Talinski). Nach dem Gespräch beschließt sie, ihren Schwestern vorzugaukeln, die «unmoralische» Erbschaft selbstverständlich abgelehnt zu haben. Und damit beginnen natürlich allerlei Turbulenzen.

So eine Rolle konnte Speidel (62) natürlich nicht ablehnen. Die Fanny ist ja irgendwie schon eine ungewöhnliche Frau, die sich in einer reinen Männerwelt bewegen muss. «Oh ja, und das macht sie ziemlich gut, wie ich finde», sagte Speidel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Sie könnten jetzt sagen, dass die Männer in unserem Film schlecht wegkommen - was meiner Meinung nach gar nicht stimmt. Ich finde, dass die Frauen im TV-Film meistens eher schlecht wegkommen. Nennen Sie mir mal einen Film, wo eine 60-jährige Frau wirklich ihre Frau steht, also tatsächlich unabhängig und freigeistig ist. Ich glaube, das ist ein absolut neues Thema und ein Novum - wenn man sich anschaut, wie wir die Fanny in ihrer nonkonformen Art gestrickt haben.»

Bieder oder gar spießig wirkt die Fanny nun wirklich nicht, eher schon als eine recht umtriebige und skurrile Person kommt sie daher, die wohl eine Art couragierte Pippi Langstrumpf für Erwachsene sein will. Ob das schon eine nonkonformistische Figur ist, sei dahingestellt - zumindest muss sie lernen, endlich Verantwortung für sich und auch für andere zu übernehmen. Jutta Speidel macht das ganz gut - so, als spielte sie sich im Grunde selbst.

Der Film (Regie: Mark Monheim) weist so manche Anleihe an den US-Film «Erin Brockovich» (mit Julia Roberts) auf, kommt jedoch nie wirklich an ihn heran und wirkt an manchen Stellen etwas zu aufgesetzt. Das Thema Erbrecht immerhin ist schon spannend, und es ist hier - neben ein paar trockenen Fakten - recht unterhaltsam umgesetzt. Insgesamt vermag die nette Posse schon zu unterhalten, doch etwas mehr Mut zu richtig frechen Szenen hätte der Komödie schon ganz gut getan.

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