Mo., 30.05.2016

Medien ARD verfilmt Lebensgeschichte von Luthers Ehefrau

Karoline Schuch als Katharina von Bora und Devid Striesow als Martin Luther in Reinhardsbrunn.

Karoline Schuch als Katharina von Bora und Devid Striesow als Martin Luther in Reinhardsbrunn. Foto: Martin Schutt

Sie war eine entlaufene Nonne, klug, geschäftstüchtig und die Ehefrau von Martin Luther: Katharina von Bora. Ihr Leben an der Seite des Kirchenreformators wird jetzt für die ARD verfilmt.

Von dpa

Reinhardsbrunn (dpa) - Auf den Balken der haushohen Fachwerkfassaden liegt Ende Mai künstlicher Schnee, im grauen Innenhof mit dem Eingangstor hängen nasse Felle. Arbeitsstube, mittelalterliche Küche und eine große gedeckte Tafel sind aufgebaut.

Das sonst so verwahrloste Schloss Reinhardsbrunn im Thüringer Wald dient dieser Tage als Kulisse für das Wittenberger «Schwarze Kloster». Im 16. Jahrhundert lebte dort der Kirchenreformator Martin Luther mit seiner Frau und sechs gemeinsamen Kindern. Unter dem Arbeitstitel «Katharina Luther» wird derzeit in Reinhardsbrunn für die ARD ein historischer Fernsehfilm über das Leben von Luthers Ehefrau gedreht.

Der Streifen soll 2017 zum 500. Jahrestag der Reformation in der ARD gezeigt werden, voraussichtlich im Frühjahr. «Es geht uns dabei weniger um die großen historischen Ereignisse. Wir versuchen sehr emotional aus der Sicht von Katharina die Geschichte der Ehe zu erzählen», sagt MDR-Fernsehfilmchefin Jana Brandt. Unter der Regie von Julia von Heinz («Ich bin dann mal weg») stehen dafür Karoline Schuch (Katharina von Bora) und Devid Striesow (Martin Luther) vor der Kamera. Zuletzt waren sie gemeinsam in der Verfilmung von Hape Kerkelings Bestseller auf der Kinoleinwand zu sehen.

«Es macht wahnsinnig viel Spaß, sich in die Zeit versetzen zu lassen», sagt Striesow über seine Rolle als Luther. Respekt vor der historischen Figur empfinde er als Schauspieler aber nicht: «Sonst hätte ich keine Möglichkeit, etwas auszuprobieren», sagt der 42-jährige bekennende Atheist. Für Karoline Schuch war Katharina von Bora zunächst eine Unbekannte, wie sie freimütig bekennt. «Ich musste erstmal googeln, habe viel gelesen und war im Kloster.»

Katharina von Bora wurde als Kind in einem Kloster abgegeben und kam dort mit Anfang 20 mit Luthers Schriften in Berührung. Sie wagte daraufhin den Schritt ins Ungewisse, entfloh den Klostermauern und verliebte sich in den 16 Jahre älteren, mit Kirchenbann belegten Reformator. Als seine Ehefrau begann sie ein neues Leben, wurde zur angesehenen Wirtschafterin, respektierten Gesprächspartnerin und Mutter.

Regisseurin von Heinz, die Katharina von Bora als moderne Frau sieht, will ihre Arbeit zugleich als feministisches Statement verstanden wissen: «Katharina kann uns auch heute ein Vorbild sein.» Es gebe nicht viele Frauen, deren Namen nach 500 Jahren noch bekannt seien.

«Uns hat interessiert, wie sich zwei Menschen finden, lieben und gegenseitig tragen - in einer Zeit, in der die Welt von Männern und Frauen völlig voneinander getrennt war», beschreibt Produzent Mario Krebs die Intention des Films. So hätten wohl weder Luther noch Katharina bis zu ihrem Kennenlernen Erotik erlebt - beide seien jungfräulich in die Ehe gegangen. Ihre Geschichte wird laut Krebs turbulent, humorvoll und temporeich erzählt. Es gibt aber auch ernste Szenen, etwa wenn Katharina ihren Ehemann nach dem frühen Tod ihrer gemeinsamen Tochter schmerzerfüllt beschwört: «Wir dürfen einander nicht loslassen.»

Das Drehbuch schrieb Christian Schnalke («Die Himmelsleiter»). Gedreht wird bis voraussichtlich 19. Juli - auch in Sachsen-Anhalt und Bayern.

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