Di., 31.05.2016

Medien Iran gestern, Iran heute

Eine Ölplatform im Iran.

Eine Ölplatform im Iran. Foto: Abedin Taherkenareh

Vor knapp einem Jahr beendete ein historischer Pakt den Atomstreit mit dem Iran. Die Sanktionen gegen das rohstoffreiche Land wurden zum Teil aufgehoben. Arte widmet dem Iran einen Themenabend.

Von dpa

Berlin (dpa) - Tausende Menschen feiern in den Straßen von Teheran. Ihre Augen glänzen hoffnungsfroh, die Arme sind jubelnd gen Himmel gestreckt.

Dieses Bild bot sich vor gut zehn Monaten, als nach mehr als zwölf Jahren der Atomstreit des Irans mit dem Westen beigelegt wurde. Nach einem Verhandlungsmarathon hatten sich die fünf UN-Vetomächte und Deutschland am 14. Juli in Wien auf ein Atomabkommen mit Teheran geeinigt. Dem sich nahenden Jubiläum widmet Arte einen Themenabend. Der deutsch-französische Sender strahlt die Filme «Iran, der Wille zur Großmacht» und «Iran - Atomdeal mit Folgen» an diesem Dienstag (31. Mai) ab 20.15 Uhr aus.

«Wir beginnen nun einen neues Kapitel der Hoffnung», sagte Mohammed Dschawad Sarif nach der Unterzeichnung der Atomdeals. Der Iran ächzte unter den Sanktionsschrauben der UN, der EU und der USA, die sich immer fester zuzogen. So verbot die Europäische Union 2012 zuletzt die Einfuhr von Öl und Gas aus dem Iran. Die Folge: Die Öleinnahmen brachen von rund 118 Milliarden (2011) auf 42 Milliarden US-Dollar (2013) ein. Seit Januar sind die Wirtschaftssanktionen des Westens nun teilweise aufgehoben. «Die Beziehungen zwischen dem Iran und der IAEO treten in eine neue Phase. (...)», kommentierte im Januar der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, Yukiya Amano, die Umsetzung der Verpflichtungen aus der Wiener Vereinbarung.

Nicht alle Hoffnungen des Irans dürften sich erfüllt haben: So nimmt das Land wegen der extrem niedrigen Ölpreise weniger für den so kostbaren Rohstoff ein als erhofft. Weiterhin bleiben einige Sanktionen der USA gegen den Iran bestehen - unter anderem wegen Vorwürfen der Terrorunterstützung, Menschenrechtsverletzungen und Geldwäsche.

Jean-Michel Vecchiet arbeitet in seinem Film «Iran, der Wille zur Großmacht», den Arte um 20.15 Uhr ausstrahlt, im Schnelldurchritt 100 Jahre Geschichte der Atommacht auf. Er steigt mit der Entdeckung des Erdöls im Jahr 1908 ein und endet mit der Atomkrise. Die Geschichtsexkursion geht außerdem den Wurzeln der Konflikte des Irans mit den Mächten des Westens auf den Grund und betrachtet nebenbei, wie sich die Ölwirtschaft entwickelte. Vecchiet porträtiert das komplizierte Schicksal des Landes, das zwischen Tradition und Moderne, Säkularisierung, Religion, Unterwerfung und Unabhängigkeit hin und her geworfen und dabei fast zerrieben wurde.

Neben Zeitzeugen wie dem früheren iranischen Staatspräsidenten, Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, dem ehemaligen Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski, und dem damaligen französischen Außenminister, Hubert Védrine, kommentieren auch Stimmen aus der iranischen Bevölkerung die vergangenen Entwicklungen.

Arte fragt in dem 55-minütigen Film «Iran - Atomdeal mit Folgen», der um 21.50 Uhr ausgestrahlt wird, nach den Auswirkungen des Atomabkommens auf Politik und Alltag. Dazu sprachen die Dokumentarfilmer Vincent de Cointet, Antoine Mariotti und Stéphane Saporito mit Mullahs, Menschenrechtsaktivisten und Bürgern im Iran. Außerdem befragten sie europäische und amerikanische Politiker und Wirtschaftsbosse nach deren Meinung zum Neuanfang in Teheran. Die Dokumentation betrachtet die Veränderungen seit der Unterzeichnung des Atomdeals bis zu den Parlamentswahlen im März 2016, aus der die Reformer siegreich hervorgingen.

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