Di., 18.10.2016

Medien Alles inklusive

Stefanie von Poser (l-r), Nadja Uhl mit Filmhund Dr. Freund, Hannelore Elsner, Regisseurin Doris Dörrie, Schauspielerin Natalia Avelon und Hinnerk Schönemann 2014 bei der Premiere.

Stefanie von Poser (l-r), Nadja Uhl mit Filmhund Dr. Freund, Hannelore Elsner, Regisseurin Doris Dörrie, Schauspielerin Natalia Avelon und Hinnerk Schönemann 2014 bei der Premiere. Foto: Ursula Düren

Mit dem Kultfilm «Männer» wurde Regisseurin Doris Dörrie berühmt, «Alles inklusive» blieb nach dem Kinostart 2014 nicht so sehr im Gedächtnis haften, ist aber sehr unterhaltsam.

Von dpa

München (dpa) - Regisseurin Doris Dörrie hat sich mit einem Titel einen Ruf erarbeitet, den andere Kollegen ihres Fachs auch mit Dutzenden Werken nicht erreichen: Mit «Männer» schaffte Dörrie in den achtziger Jahren ihren Durchbruch.

Vor gut zwei Jahren legte sie mit «Alles inklusive» eine neue Beziehungskomödie auf, die zwar nicht so einen Nachhall hatte wie «Männer», aber durchaus sehenswert ist. Im Ersten ist der Film an diesem Dienstag (22.45 Uhr) als Free-TV-Premiere zu sehen.

«Alles inklusive» basiert auf ihrem gleichnamigen Buch, das Dörrie 2011 auf den Markt gebracht hat. Sie erzählt darin vor allem die Geschichte von Ex-Hippie Ingrid (Hannelore Elsner) und ihrer Tochter mit dem albernen Namen Apple (Nadja Uhl).

Während die Mutter sich in einem Hotelbunker in Torremolinos, dem Hippie-Paradies ihrer Jugend, von einer Hüft-OP erholt, weil die Reha zu teuer wäre, kämpft Apple in München mit ihrem Hund Dr. Sigmund Freud, ihrer Neigung zu fiesen Männern und vor allem mit sich selbst. Weil sie mit ihrer barbusigen Mutter damals in Torremolinos in einem Zelt lebte und nie das kennengelernt hat, was gemeinhin als Familie verstanden wird, ist sie schon ihr Leben lang verzweifelt auf der Suche nach Sicherheit und Stabilität.

«Was mich an dieser Geschichte interessiert hat, ist der Umgang dieser beiden Generationen miteinander, der Hippie-Generation und der Tochter-Generation», sagte Regisseurin Dörrie 2014 im Interview der Nachrichtenagentur dpa in München. «Die wollte ich zusammenbringen - und weil ich zu keiner der beiden gehöre, erlaubt mir das vielleicht einen etwas objektiveren Blick.»

Diesen scharfen, gleichzeitig aber auch liebevollen Blick richtet Dörrie nicht nur auf die Hippie-Generation und deren elterliche Fähigkeiten - sondern auch auf das Phänomen des All-inclusive-Tourismus. Gedreht wurde unter anderem direkt in einem Hotel in Torremolinos - mit echten Touristen als Statisten. Ingrid trifft dort auf den singenden und fußpflegenden Transvestiten Tim/Tina (Hinnerk Schönemann) und den Krankenpfleger Helmut («Tatort»-Kommissar Axel Prahl), der vor allem auf der Suche nach einem Urlaubs-Techtelmechtel ist.

Obwohl Dörrie sehr humorvoll von den Gepflogenheiten und Absurditäten des Lebens im Hotelbunker erzählt, tut sie das alles andere als despektierlich. «Helmut ist jemand, der zu Hause ein kompliziertes, sehr anstrengendes Leben mit einer pflegebedürftigen Mutter hat und dann diese sieben oder zehn Tage All-inclusive-Urlaub hat. Darüber die Nase zu rümpfen, über seinen dicken Bauch, seine Badehose oder seine bemüht gute Laune - das finde ich unmöglich», sagt Dörrie.

Der Film beginnt als Komödie, die mit glänzenden Beobachtungen vor allem unterhält - langsam, fast unmerklich aber wandelt er sich zu einer melancholischen, tragischen und nachdenklich stimmenden Familiengeschichte. Dabei gelingt Dörrie ein kleines Kunststück: Der Wandel geschieht völlig ohne Bruch. Ein «Drahtseilakt» sei das gewesen, sagt die Regisseurin. «Alle raten einem davon ab, diese Mischung zu versuchen, aber ich möchte die Dinge einfach so ambivalent, so komisch und auf der anderen Seite so melancholisch erzählen, wie sie nun mal wirklich sind.»

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