Di., 20.06.2017

TV-Tipp Wir Monster

Paul (Mehdi Nebbou) findet Sarah (Janina Fautz) am Abgrund einer Talsperre. Von ihrer Freundin keine Spur.

Paul (Mehdi Nebbou) findet Sarah (Janina Fautz) am Abgrund einer Talsperre. Von ihrer Freundin keine Spur. Foto: Martin Valentin Menke

Was tun, wenn das eigene Kind etwas Schreckliches verbrochen haben soll? Eltern sind zu so manchem in der Lage. «Wir Monster» ist Familiendrama und Thriller in einem.

Von dpa

Berlin (dpa) - Sarah durchlebt gerade eine schwierige Phase. Sie ist in der Pubertät und macht ihren getrennt lebenden Eltern recht wenig Freude. Auf dem Weg ins Ferienlager zofft sie sich auf der Rückbank des Autos mit ihrer Freundin Charlie. Da war die gerade erst eingestiegen. Natürlich geht es um Jungs.

So weit, so normal. Doch was in den nächsten Minuten passiert, stellt alles auf den Kopf. «Wir Monster» zeigt an diesem Dienstag (22.45 Uhr) im Ersten, wozu Eltern fähig sind, wenn es um das Wohlergehen ihres Kindes geht - und dass das Schicksal unberechenbar ist.

Vater Paul (Mehdi Nebbou) macht erstmal einen Zwischenstopp auf einem Waldparkplatz und vertritt sich die Beine, während die beiden Mädchen scheinbar nur kurz verschwinden. Als sie auch nach geraumer Zeit nicht wieder auftauchen, macht sich der Musiker (französischer Akzent, Dreitagebart und die Zigaretten immer in Reichweite) doch Sorgen und begibt sich auf die Suche nach den Teenagern. Seine Annahme, es handele sich um einen blöden Streich, weicht blitzschnell blankem Entsetzen, als er seine Tochter Sarah (Janina Fautz) auf einer nahe gelegenen Talsperre erblickt, dem Abgrund ganz nah. Von Freundin Charlie (Marie Bendig) keine Spur. Nur ihr Rucksack schwimmt unten im Stausee.

Was ist passiert? Ganz offensichtlich ist die Freundin in die Tiefe gestürzt. «Ich hab sie geschubst», gesteht Sarah dem aufgewühlten Vater, der eigentlich drauf und dran war, das Unglück der Polizei zu melden. Es dauert etwas, bis er realisiert, welche Folgen eine Aussage seiner Tochter im Präsidium haben würde. Dann wird ihm klar: «Wir müssen uns genau absprechen.» Er schwört sie ein: Nach außen muss es ein Unfall bleiben, niemand darf die Wahrheit erfahren.

Doch die Tochter hat ganz andere Probleme: Das Handy ist nass geworden und funktioniert nicht mehr. Außerdem: «Ich dachte, wir machen mal wieder was zusammen.» Denn Sarah ist abwechselnd bei ihm und bei der getrennt von ihm lebenden Mutter Christine (Ulrike C. Tscharre) und die Trennung macht ihr verständlicherweise arg zu schaffen.

Weil die Fahrt ins Ferienlager nicht wie geplant geklappt hat, meldet sich die Mutter, die eigentlich mit ihrem neuen Partner unterwegs ist, und erfährt so nach und nach, was geschah. Die nun notgedrungen wieder vereinten Eltern versuchen, ihre Tochter zu schützen und «den Unfall» zu vertuschen. Komischerweise zeigt Sarah aber praktisch keinerlei Gewissensbisse und macht so weiter wie zuvor - auch in der Ablehnung der neuen Freundin ihres Vaters.

Regisseur Sebastian Ko, der bereits bei der viel beachteten Kölner «Tatort»-Folge «Wacht am Rhein» Regie führte, erzählt in «Wir Monster» ein wendungsreiches und spannendes Familiendrama mit Eltern und einer Tochter im Ausnahmezustand.

In dem Film, der 2015 auf dem Festival in Toronto lief und Anfang des Jahres bereits bei Arte zu sehen war, geht es auch um geplatzte Träume, missglückte Kommunikation und verdrängte Wahrheiten. Dabei vermeidet Ko den erhobenen Zeigefinger und nimmt die Zuschauer stattdessen mit auf eine filmische Achterbahnfahrt, die so manche Überraschung parat hat - vor allem als sich der Vater der verschwundenen Charlie auf die verzweifelte Suche nach seiner Tochter begibt.

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