Di., 24.10.2017

Tv-Tipp Das Gift der Mafia

«Betreten verboten!» - Die Mafia benutzt das Mittelmeer als Deponie für allerhand Abfälle, die größtenteils stark giftig sind.

«Betreten verboten!» - Die Mafia benutzt das Mittelmeer als Deponie für allerhand Abfälle, die größtenteils stark giftig sind. Foto: Christian Gramstadt

Soviel ist bekannt: Die Mafia ist sehr mächtig in Italien. Wie weit das im Süden des Landes gehen kann, zeigt nun eine Dokumentation auf Arte.

Von dpa

Berlin (dpa) - Reggio Calabria ist die größte Stadt in Kalabrien. Diese Provinz ist ein schöner Landstrich mit viel Küste und einigen Bergen, im Süden von Italien gelegen - an der Spitze des Stiefels, kurz vor Sizilien.

Doch die Postkartenidylle trügt - seit den 1980er Jahren wird hier im Meer viel Müll entsorgt, darunter auch angereichertes Uran. Die Mafia benutzt das Mittelmeer als Deponie für allerhand Abfälle, die größtenteils stark giftig sind - da spielen Fischfang und Tourismus so gut wie keine Rolle. Um diese üblen Machenschaften geht es in der Dokumentation «Das Gift der Mafia», die am Dienstag (20.15 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

1989 wurden im Ort Santa Domenica Talao in der Provinz Cosenza gut 60 Tonnen Krankenhausmüll entdeckt, die illegal in einem Firmenofen verbrannt werden sollten. Außerdem sollen über 100 Schiffe mit unterschiedlichen Sorten von Giftmüll an Bord vor der italienischen Küste versenkt worden sein - darunter die «Rosso». Lange Zeit wurde darüber eisern geschwiegen, und die Beamten in den Behörden schauten lieber weg, weil sie selbst von der Mafia abhängig sind, oder weil sie schlicht um ihr Leben fürchten. Aussteiger, die mit der Polizei kollaborieren, gibt es kaum. Und so konnte die 'Nrangheta - wie die Mafia hier genannt wird - nach Belieben schalten und walten. Doch in jüngster Zeit intensivieren kalabrische Staatsanwälte und die Parlamentarische Anti-Ökomafia-Kommission in Rom ihre Ermittlungen im illegalen Müllgeschäft.

Der deutsch-italienische Journalist Sandro Mattioli macht sich in Deutschland, Frankreich und Italien auf Recherche, gemeinsam mit den Filmemachern Christian Gramstadt und Patrizia Venditti. Bei ihrer investigativen und verdienstvollen Spurensuche kommen der unkenntlich gemachte Ex-Mafioso Francesco Fonti und ein ebenso nicht zu erkennender Schifffahrtsexperte zu Wort. Ein Physiker und diverse Aktivisten berichten von furchtbaren Umweltgiften, die bei vielen Menschen schwere Erkrankungen bis hin zu tödlichem Krebs auslösen. Auch Ermittler, Experten, Gewerkschaftler und Informanten äußern sich. Federico Cafiero de Raho, der Generalstaatsanwalt Kalabriens, zeigt sich als unerschrockener Ermittler und sagt: «Die Mafia hier hat eine ganz andere Dimension».

Sein Kollege, der Staatsanwalt Francesco Neri, kann das bestätigen. Er ist sich sicher, «dass ganze Schiffe versenkt wurden» - er wurde kaltgestellt wie einige andere, die zu viel herausgefunden hatten. Der Journalist Michele Albanese hat das auch, schreibt aber eisern weiter - trotz der gültigen Devise in Italien: «Nur wer schweigt, der bleibt». Der Ex-Präsident der «Anti-Mafia-Kommission» und Autor des Buches «Porto Franco», Francesco Forgione, sagt: «Ich möchte betonen, dass der giftige Müll, den die Mafia entsorgt hat, aus Nordeuropa stammt. Dort macht man sich, auch um Kosten einzusparen, zu willigen Handlangern der Mafiosi bei uns. Es ist also pure Heuchelei im Spiel, denn es wird somit zu einem Problem für ganz Europa.»

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