Di., 03.05.2016

Ausstellungen Bauhaus Dessau zeigt «Große Pläne!»

Blick in die Ausstellung "Große Pläne! Moderne Typen, Fantasten und Erfinder" im Bauhaus in Dessau.

Blick in die Ausstellung "Große Pläne! Moderne Typen, Fantasten und Erfinder" im Bauhaus in Dessau. Foto: Hendrik Schmidt

Knapp hundert Jahre nach seinem Entstehen ist das Bauhaus ein Fall fürs Museum. Gleich drei neue Museen entstehen in Weimar, Berlin und Dessau. In Sachsen-Anhalt soll aber erst einmal die Moderne lebendig werden.

Von dpa

Dessau-Roßlau (dpa) - Die einen malen in Magdeburg Häuser bunt an, andere wollen mit Raketen hoch hinaus, die Pädagogik wird reformiert, in der Altmark wirbt ein Naturapostel für gesunden Lebensstil - und im Bauhaus Dessau sind neues Wohnen, Leben und Arbeiten das Ziel.

Welche Visionen Gestalter, Techniker, Architekten und Künstler vor knapp 100 Jahren auf dem heutigen Gebiet von Sachsen-Anhalt hatten, zeigt eine neue Ausstellung im Bauhaus Dessau. Sie soll der Auftakt sein für das Bauhaus-Jubiläum 2019 - zur Gründung vor hundert Jahren.

Die Schau «Große Pläne!» ist nach der Eröffnung am Dienstag von Mittwoch an bis Januar 2017 zu sehen. Sie soll für das Bauhaus zugleich die Wende hin zu einem Ausstellungshaus werden - bislang kommen die Besucher vor allem wegen der Architektur. Zum Jubiläum soll das neue, 25 Millionen Euro teure Bauhaus-Museum im Dessauer Stadtpark fertig sein.

«Das Bauhaus ist international beachtet als Ort der Avantgarde, jetzt wollen wir zeigen, dass es auch regionale Netzwerke gab», sagt die Direktorin der Stiftung Bauhaus, Claudia Perren. Erzählt wird die Geschichte der Angewandten Moderne in Sachsen-Anhalt 1919-1933 anhand einer Reihe von «Modernen Typen, Fantasten und Erfindern» - so der lange Titel der Ausstellung «Große Pläne!».

Den Besucher erwartet ein Rundgang, beginnend mit der reichen Industriegeschichte der Region mit Chemie, Elektrochemie und Flugzeugbau - die wirtschaftliche Basis für die Fantasten. «Das heutige Sachsen-Anhalt war ein Gebiet zwischen preußischem Fleiß und Weimarer Schöngeisttum», sagen die Kuratoren Janek Müller und Torsten Blume. Es waren Geld und politischer Wille da, um das Bauhaus von Weimar nach Dessau zu holen. «Die Ausstellung zielt ab auf die Menschen, die Typen, ihre Euphorie und ihr Wirken», erläutert Kurator Blume.

Dazu zählt Bruno Taut (1880-1938), Architekt und Magdeburger Stadtbaurat, dem es um Farben, Glas und das Licht ging. Muffige und triste Arbeitersiedlungen wollte er mit intensiven Farben menschenfreundlicher gestalten. Erschwingliche Mietwohnungen und helle Bauten gehörten zu seiner visionären Stadtplanung. Oder der Astronom und Raketen-Auto-Pionier Max Valier (1895-1930): Er träumte von der Reise zum Mond und war einer der Wegbereiter der Raketentechnik. Er konstruierte erste Raketenflugzeuge und -autos und kam bei einem Versuch ums Leben.

«Insgesamt haben wir rund 100 Protagonisten recherchiert», sagt Bauhaus-Chefin Perren. Nur ein kleiner Teil hat es in die Ausstellung geschafft. Darunter ist neben viele Künstlern auch Gustav Nagel (1874-1952) aus Arendsee, den die Kuratoren als Naturapostel und Tempelwächter beschreiben. Der religiöse Wanderprediger setzte sich für Abhärtung durch Winterbaden, Barfußgehen und gesunde Ernährung ein. Er schuf aber auch eine neue Rechtschreibung

Eine Antwort darauf, was «modern» ist oder «die Moderne» ausmacht, wollen die Kuratoren von «Große Pläne!» nicht geben. «Es geht um die Gestaltung des Industriezeitalters.» Blume und Müller bezeichnen ihre Ausstellung vielmehr als Präsentations-Laboratorium, eine erste Sortierung des Materials. Es soll auch keine rein historische Schau sein, sondern ein Modell der Moderne. Neben Bildern, Fotografien, Modellen bieten Hörstationen fiktive Gespräche mit den historischen Hauptpersonen.

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