Fr., 09.02.2018

Museum Wilhelm Busch Der Affe in uns - Tiere in Karikaturen

Pressesprecherin Annette Langhorst (l) und Direktorin Gisela Vetter-Liebenow mit «Selfie-Masken» in der Ausstellung «Zahme Viecher & wilde Bestien» im Museum Wilhelm Busch.

Pressesprecherin Annette Langhorst (l) und Direktorin Gisela Vetter-Liebenow mit «Selfie-Masken» in der Ausstellung «Zahme Viecher & wilde Bestien» im Museum Wilhelm Busch. Foto: Julian Stratenschulte

Der spätere britische König Georg IV. wurde als fetter Wal dargestellt. Mit tierischen Vergleichen ergossen satirische Zeichner schon vor 200 Jahren ihren Spott über politische Herrscher. Bis zur Gegenwart beliebt sind auch Katzen- und Schweine-Bilder.

Von dpa

Hannover (dpa) - Die Krake Russland, verliebte Schweine oder eine eitle Mandrill-Dame: Das Museum Wilhelm Busch zeigt von Samstag an in der Ausstellung «Zahme Viecher & wilde Bestien» Karikaturen mit Tieren vom Jahr 1800 bis zur Gegenwart. Die Bandbreite reicht von humorvollen Betrachtungen geliebter Haustiere über Wappentiere bis hin zur Verspottung von Politikern.

Die 220 Werke von namhaften Künstlern wie Wilhelm Busch, Tomi Ungerer oder Rudi Hurzlmeier stammen alle aus der mehr als 40 000 Blätter umfassenden eigenen Museumssammlung.

«Häufig wird uns darin ein Spiegel vorgehalten», sagte Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow am Freitag. Von Tomi Ungerer etwa ist eine Mandrill-Dame mit Lippenstift und einem Stöckelschuh zu sehen, die sich eitel lächelnd im Handspiegel betrachtet. Als Titelbild wählten die Ausstellungsmacher eine imposante rot-weiß gestreifte Katze, die eine lächelnde Maus wie ein Kuscheltier in den Pfoten hält. «Für Marianne» (1971) stammt vom Schriftsteller Günter Kunert, der dem Museum vor fünf Jahren sein gesamtes bildkünstlerisches Werk geschenkt hat. «Katzen sind wie die Karikatur eigensinnig und widerständig», sagte Vetter-Liebenow.

Die Besucher können im Museum auch Selfies mit tierischen Masken machen, die den charakterstarken Tieren der Künstler nachempfunden sind. Von Wilhelm Buschs Werken ist eine Collage zu sehen. Fipps, der bösartige Affe, ist dabei, aber auch weniger bekannte Tier-Zeichnungen des Meisters der Bildergeschichte wie ein Nilpferd.

In den Karikaturen aus dem 19. Jahrhundert verdeutlichen Tiere oft politische Macht und Ohnmacht. Ein Blatt aus dem französischen Magazin «Perroquet» von 1877/78 zeigt eine Landkarte: Russland vereinnahmt als Krake mit seinen Fangarmen unter anderem Polen, die Türkei und Persien. Deutschland wehrt sich. Der damalige Prinzregent und spätere britische König Georg IV. wird als von Günstlingen umschwärmter fetter, hilfloser Wal dargestellt.

Ein Kapitel beschäftigt sich mit der Ausgrenzung des Fremden. So beäugt in Ronald Searles «The Square Egg» (1966) eine Schar Vögel argwöhnisch einen abseits stehenden Artgenossen, der ein quadratisches Ei gelegt hat.

«Zahme Viecher & wilde Bestien» läuft bis zum 21. Mai. Eine zweite Ausstellung präsentiert parallel politische Karikaturen des 2001 gestorbenen Fritz Wolf, der in diesem Mai 100 Jahre alt geworden wäre.

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