Fr., 02.12.2016

Auf DVD geht's weiter Lindenberg beamt Fans vom Sessel ins Stadion

Udo Lindenberg in Leipzig.

Udo Lindenberg in Leipzig. Foto: Jan Woitas

Sein neues Album gehörte in diesem Jahr zu den meistverkauften in Deutschland, seine Tour füllte im Sommer Stadien - rund um seinen 70. Geburtstag hat Rockmusiker Udo Lindenberg seinen Fans reichlich neues «Udopium» geliefert. Nun legt er nach - und beamt zurück.

Von dpa

Hamburg (dpa)  -  Am Ende liegt das Mikrofon auf der Bühne und die grünen Socken tänzeln davon - für Udo Lindenberg geht's weiter.

Nicht nur «hinterm Horizont», wie der Musiker seit Jahrzehnten singt, oder «hinterm Lebenswerk», wie er seit seinem Comeback sagt und beweist. Sondern auch nach seiner Stadiontour, mit der er in diesem Jahr nach neuem Nummer-eins-Album in den Charts und kurz nach dem 70. Geburtstag noch einmal alles für sich getoppt hat. «So eine Tour dürfte eigentlich nie aufhören», sagt Lindenberg auf der am Freitag veröffentlichten DVD dazu. «Das ist so schön, diese Art zu leben - das müsste eigentlich immer so weitergehen.» 

Die Live-Aufnahmen katapultieren die Fans nicht nur vom Sessel ins Stadion - mit einer Backstage-Doku geht's auch hinter den Kulissen weiter. Rund 300 Leute waren am Start, um die Tour, die ihn zum dritten Mal hintereinander durch Stadien und Hallen führte, auf die Bühne zu bringen. «Die ursprüngliche Idee war ja deutlich kleiner», sagt Konzertveranstalter Roland Temme noch. Doch dann steht da Axel Prahl, «Tatort»-Kommissar und Musiker mit Gastauftritt auf der vergangenen Tour, und zeigt auf die Reihe an Trucks hinterm Stadion: Neun allein für die Bühne, 25 weitere für alles andere, was zum Panik-Universum gehört.

Eine 600 Quadratmeter große LED-Wand, ein Schiff, ein Ufo und ein schwebendes Cello über den Köpfen der Zuschauer, zeitweise 65 Künstler gleichzeitig auf der Bühne und eine Pyroshow, vor der Lindenberg auf seinem Abflug im «Udonauten»-Raumanzug aufpassen musste, nicht, wie er sagt, als «Grillhähnchen» zu enden. «Stärker als die Zeit - Live», in verschiedenen Formaten erhältlich, holt die fast dreistündige Show zurück und liefert zudem eine 45-minütige Tour-Dokumentation sowie als Bonusmaterial Auftritte der beiden vorangegangenen Lindenberg-Konzertreisen.

Insgesamt rund 800 000 Menschen waren nach Angaben der Veranstalter seit 2014 dabei - seitdem der Deutschrockpionier erstmals in seiner Karriere durch Stadien tourte. Immer wieder begleitet von Gastauftritten diverser prominenter Kollegen, von seinen früheren WG-Mitbewohnern Otto Waalkes und Marius Müller-Westernhagen über Adel Tawil, Jan Delay, Eric Burdon, Joahnnes Oerding, Klaus Doldinger, Gentleman und Daniel Wirtz bis hin zu Stefan Raab am Schlagzeug.

Dreh- und Angelpunkt der Filmaufzeichnungen für die DVD ist das Abschlusskonzert der Open-Air-Trilogie in der Leipziger Arena. Auch Schauspieler Prahl trat in jener Show auf - und fand es wie «Ostern, Weihnachten - alles zusammen». Sängerin Stefanie Heinzmann erzählt, noch nie jemanden erlebt zu haben, der «so anti-gestresst, also so im Minusbereich gestresst» sei. Auch Jazztrompeter Till Brönner berichtet über den Panikrocker: «Wenn ihm eins fern ist, dann scheint das die Panik zu sein.» Und für Clueso passen Lindenbergs Alter und Action nicht unter einen Hut: «Udo und die 70 sind für mich nicht so richtig deckungsgleich.»

Für Lindenberg soll es so weitergehen. Die nächsten Tourtermine stehen bereits, mehr als 20 Konzerte will er ab 3. Mai nächsten Jahres geben. Für seinen Freund Helge Schneider nur folgerichtig: «Als Musiker und vor allen Dingen als Rocker und als jemand, der solche Texte macht - da musst du raus, da kannst du dich nicht zur Ruhe setzen.» Und für Lindenberg, kürzlich auf Twitter schon mal totgemeldet und - wie Brönner es formuliert - als über Jahre Totgeglaubter auf der Bühne nun allen eine lange Nase machend, ohnehin die einzig logische Konsequenz: Die Bühne sei sein persönliches Eldorado - «das, was ich am liebsten mache».

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