So., 24.09.2017

Kim antwortet mit Drohungen USA schicken Bomber und Beschimpfungen Richtung Nordkorea

US-Bomber vom Typ B-1B Lancer.

US-Bomber vom Typ B-1B Lancer. Foto: Airman 1st Class Jacob Skovo

Die USA lassen Bomber gen Nordkorea aufsteigen. Das ostasiatische Land erklärt, an einem Raketenangriff auf die Vereinigten Staaten führe jetzt kein Weg mehr vorbei. Auch der verbale Schlagabtausch zwischen Washington und Pjöngjang heizt sich weiter auf.

Von dpa

Seoul/Washington (dpa) - Nach der Entsendung mehrerer Langstreckenbomber und Kampfjets der USA in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea werden die Verbalattacken zwischen beiden Ländern heftiger.

US-Präsident Donald Trump verhöhnte den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un am Samstagabend erneut als «Raketenmann» und konterte damit jüngste Angriffsdrohungen aus Pjöngjang. Trotz der Sorge um Nordkoreas Atomprogramm lehnen zwei Drittel der US-Amerikaner einer Umfrage zufolge einen Präventivschlag gegen Nordkorea ab. Dessen Führung mobilisierte Zehntausende Bürger in Pjöngjang zu einer Kundgebung gegen die USA. 

«Ich habe gerade den Außenminister von Nordkorea bei der UN sprechen hören. Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiederholt, werden sie nicht mehr lange hier sein!», schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Er hatte Kim bereits am Dienstag bei seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen als «Raketenmann auf einer selbstmörderischen Mission» bezeichnet.

Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho hatte in seiner Rede bei der UN-Generaldebatte offen mit einem Raketenangriff seines Landes auf die USA gedroht. Ein «Besuch der Raketen im gesamten US-Festland ist unvermeidlich geworden», sagte er. Sein Land werde «erbarmungslose, präventive Schritte» ergreifen, wenn die USA versuchten, das Hauptquartier in Pjöngjang oder das Militär Nordkoreas zu «köpfen».

Es sei das erste Mal in diesem Jahrhundert, dass amerikanische Kampfflugzeuge oder Bomber so weit nördlich der entmilitarisierten Zone vor der nordkoreanischen Küste geflogen seien, teilte das Pentagon zu den von der Pazifikinsel Guam entsandten Bombern des Typs B-1B mit. Das unterstreiche, wie ernst die USA das «verwegene Verhalten» Pjöngjangs nähmen.

«Die Mission ist eine Demonstration amerikanischer Entschlossenheit und eine klare Botschaft, dass der Präsident (Donald Trump) viele militärische Optionen hat, jeder Bedrohung zu begegnen», hieß es weiter. 

Von den gut 1000 Befragten hätten 72 Prozent geantwortet, dass sie eher der Führung des US-Militärs als Präsident Trump vertrauten, mit dem Nordkorea-Konflikt verantwortungsvoll umzugehen, berichtete die US-Zeitung «Washington Post» nach einer gemeinsamen Umfrage mit dem TV-Sender ABC. Vergleichsweise wenige 37 Prozent setzen dabei auf Trump. 

Lediglich acht Prozent der Befragten trauen Nordkoreas Machthaber ein verantwortungsvolles Handeln zu. Die Umfrage fand zwischen dem 18. und dem 21. September statt und fiel damit zeitlich zusammen mit der Rede Trumps vor den Vereinten Nationen.

Nach Einschätzung der russischen Regierung haben die Raketen- und Atomtests Nordkoreas und bereits eine abschreckende Wirkung. «Die Amerikaner werden Nordkorea nicht angreifen, weil sie genau wissen, dass diese eine Atombombe haben», sagte Außenminister Sergej Lawrow dem russischen Fernsehsender NTW am Sonntag. Sollten die USA dennoch angreifen, könne dies zu einer völlig unvorhersehbaren Lage führen, warnte der Chefdiplomat. 

In seiner Ansprache konterte Nordkoreas Außenminister die harte Rhetorik Trumps mit ähnlich scharfen Tönen. «Niemand außer Trump selbst ist auf einer selbstmörderischen Mission», sagte Ri, der damit Trumps Angriff auf Kim Jong Un zitierte. Nordkorea befinde sich auf dem Weg zu einer Nuklearmacht und handle dabei auch «verantwortlich.»

Diesen Status und die Fähigkeit eines atomaren Angriffs müsse sich das kommunistisch regierte Land von keinem anderen Staat bescheinigen lassen. «Unser letztes Ziel ist, mit den USA eine Machtbalance herzustellen», sagte Ri, der die jüngsten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats mit verschärften Sanktionen gegen Nordkorea als «ungerecht» kritisierte.

Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA über die Raketen- und Nukleartests von Pjöngjang hatte sich am Freitag weiter zugespitzt. Als Reaktion auf kriegerische Töne von Trump vor der UN-Vollversammlung erklärte Kim Jong Un: «Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen .»

Bei der Kundgebung auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang hätten sich am Samstag mehr als 100 000 Menschen aus allen Gesellschaftsschichten «in dem vollen Geist versammelt, die Feinde auszulöschen», berichteten die Staatsmedien am Sonntag. 

Alle Parteimitglieder und Bürger von Pjöngjang seien entschlossen, «die US-Imperialisten, den eingeschworenen Feind, vollständig von der Erde zu beseitigen», rief demnach der Vizevorsitzende des Stadtkomitees der herrschenden Arbeiterpartei, Choe Hak Chol, als einer von mehreren Rednern der Menge zu. Solche Massenkundgebungen sind in Nordkorea nicht unüblich, um die Unterstützung der Bürger für die Politik der Regierung zu demonstrieren.

Am Samstag hatte ein Erdbeben in der Nähe des Atomtestgeländes in Nordkorea die Befürchtung ausgelöst, das Land könnte möglicherweise einen neue Waffentest unternommen haben. Südkoreanische Experten erklärten jedoch, es habe sich um ein «natürliches Beben» der Stärke 3,2 gehandelt, nicht um einen Atomtest. Die norwegische Erdbebenwarte Norsar sagte ebenfalls, die bisher ausgewerteten seismischen Signale sprächen eher für ein Nachbeben oder einen Felseinsturz als Folge des jüngsten Tests vom 3. September.

  • Warum ein Krieg mit Nordkorea so gefährlich wäre
  • Wasserstoffbombe über dem Pazifik: Welche Folgen hätte das?
  • Trumps Rede vor den Vereinten Nationen im Wortlaut
  • «Raketenmann», «Hundegekläff», «geisteskranker US-Greis»

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Trotz der Sorge um Nordkoreas Atomprogramm lehnen zwei Drittel der US-Amerikaner einer Umfrage zufolge einen Präventivschlag gegen Nordkorea ab.

72 Prozent der gut 1000 Befragten vertrauen zudem eher auf die Führung des US-Militärs als auf Präsident Donald Trump, mit dem Konflikt verantwortungsvoll umzugehen, wie die US-Zeitung «The Washington Post» nach einer gemeinsamen Umfrage mit dem TV-Sender ABC berichtete. Vergleichsweise wenige 37 Prozent setzen dabei auf Trump.

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