Rom auf Distanz zur EU
Wirtschaftsweiser: Euro-Aus Italiens fatal für Deutschland

Italiens designierte neue Regierung geht auf Distanz zur EU. Ein möglicher Austritt der Italiener aus dem Euro hätte nach Einschätzung eines Wirtschaftsweisen aber auch für Deutschland fatale Folgen.

Freitag, 25.05.2018, 09:04 Uhr

Der designierte italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte spricht in Rom.
Der designierte italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte spricht in Rom. Foto: Alessandro Di Meo

Rom (dpa) - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht in einer möglichen Abkehr Italiens vom Euro großes Gefahrenpotenzial für die deutschen Steuerzahler.

«Für Deutschland wäre ein Austritt Italiens aus der Euro-Zone problematisch, weil dann auch schnell andere Länder folgen könnten», sagte der Ökonom der «Saarbrücker Zeitung» (Freitag) mit Blick auf die Bildung der Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechtspopulistischer Lega in Italien.

Die deutsche Wirtschaft profitiere vom Euro so stark wie kaum eine andere in Europa. Das Argument, der deutsche Steuerzahler könne mit einem Austritt Italiens aus der Euro-Zone viel Geld sparen, führe in die Irre. «Die Folge eines Euro-Crashs wären für Deutschland geringere Unternehmensgewinne, geringere Lohneinkommen und damit immense Steuerausfälle», sagte Bofinger.

Neben einer anti-europäischen Rhetorik hatten auch die Pläne der eurokritischen Koalition für Steuersenkungen, ein Mindesteinkommen und andere teure Vorhaben die EU und die Finanzmärkte beunruhigt. Der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats schrieb in einem «Focus»-Gastbeitrag: «Was sich in Italien anbahnt, ist brandgefährlich und kann zum Endspiel für den Euro zu werden. Die römischen Populisten spielen bewusst mit der Zukunft der Gemeinschaftswährung.» Die Bundesregierung dürfe sich nicht «erpressen lassen» und auch «einer Mithaftung deutscher Sparer durch eine gemeinsame europäische Einlagensicherung» nicht zustimmen.

In Italien sind führende Politiker seit langem der Meinung, dass das geringe Wirtschaftswachstum des Landes auch Schuld eines Spardiktats aus Brüssel ist. Der designierte Ministerpräsident Giuseppe Conte muss derzeit eine Ministerliste zusammenstellen, die dann Staatspräsident Sergio Mattarella abnehmen muss.

Bei der Besetzung des wichtigen Finanzministeriums pocht die rechtspopulistische Lega auf den Euro- und Deutschlandkritiker Paolo Savona. Der Wirtschaftswissenschaftler sei «in der Lage, Italien ins Zentrum der Diskussion in Europa zu rücken», sagte Lega-Chef Matteo Salvini.

Savona hält die Eurozone für eine Konstruktion, die vor allem Deutschland nützt. Er hatte den Euro als «deutschen Käfig» bezeichnet und unter anderem erklärt, Italien müsse auf einen Euro-Ausstieg gefasst sein, wenn das Land dazu gezwungen sei. Allerdings plädierte er nicht für einen Ausstieg aus der Gemeinschaftswährung.

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