Di., 31.05.2016

Familie Internationale Studie: Cybermobbing ist mögliche Zeitbombe

Kinder und Jugendliche tauschen sich zunehmend über das Smartphone aus. Das Gerät senkt jedoch auch die Hemmschwelle für böse Behauptungen und Kommentare.

Kinder und Jugendliche tauschen sich zunehmend über das Smartphone aus. Das Gerät senkt jedoch auch die Hemmschwelle für böse Behauptungen und Kommentare. Foto: Armin Weigel

Die Opfer von Cybermobbing werden immer jünger. Zugleich geraten auch Erwachsene häufiger in den Fokus von Attacken wie Verleumdung, Beleidigung und Diffamierung im Netz. Wissenschaftler schlagen Alarm - und fordern verstärkte Prävention.

Von dpa

Düsseldorf (dpa) - Cybermobbing wächst sich nach Einschätzung von Experten zunehmend zu einem gesellschaftlichen und politischen Problem aus. Und Kinder sind oft im besonderen Maße davon betroffen.

Das Smartphone habe durch seine ständige Verfügbarkeit die Eintrittsschwelle für Diffamierungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen noch einmal erheblich gesenkt, hieß es bei der Vorstellung einer internationalen Studie in Berlin.

«Cybermobbing droht zur Zeitbombe des Internets zu werden», sagte Catarina Katzer, Leiterin des Instituts für Cyberpsychologie und Medienethik in Köln und Autorin der Studie im Auftrag des Versicherungskonzerns ARAG .

Weder in Deutschland noch international werde der Entwicklung ausreichend Beachtung geschenkt, hieß es. Auch immer mehr Erwachsene würden zu Opfern, so Katzer. Damit werde ein Phänomen aus der Jugendkultur zu einem gesellschaftlichen Problem aller Altersgruppen. Dennoch wirkten die Cyberattacken bei jüngeren Kindern besonders aggressiv und verletzend. Die Angriffe seien im Prinzip endlos und die Opfer hätten in der Regel keine Rückzugsmöglichkeiten. 84 Prozent der befragten Forscher sahen dies als eine «virtuelle Zeitbombe mit unkalkulierbaren Auswirkungen» an.

Einig waren sich die Forscher darin, dass es vor allem um den Opferschutz gehen müsse. Die Aufklärungsarbeit in deutschen Schulen sei unzureichend. Flächendeckend fehlten institutionelle Maßnahmen zur Aufklärung und Prävention. An Haupt- und Gesamtschulen werde am wenigsten dafür getan. In allen untersuchten Ländern sei der Präventionsstatus mangelhaft.

«Wer Kinder vor Cyber-Mobbing schützen will, muss auf Prävention setzen», forderte Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). «Den Kindern muss ein verantwortungsvoller Umgang mit ihren Daten zu Hause vorgelebt und in der Schule beigebracht werden.» Dafür müsse die Infrastruktur an den Schulen durch den Staat bereitgestellt und die Lehrkräfte qualifiziert werden.

Die Initiatoren der Umfrage forderten ein Zehn-Punkte-Programm, in dem unter anderem die Schulen zur Prävention verpflichtet werden und regionale Schulnetzwerke für gemeinsames Handeln eingerichtet werden sollten. Zu den Forderungen gehört auch ein SOS-Button, der verpflichtend auf allen Social-Media-Plattformen bereitgestellt werden solle.

Im internationalen Vergleich hat dem Bericht zufolge Großbritannien hinsichtlich des Präventionsstatus an Schulen am besten abgeschnitten. Zusammen mit den USA führt das Land auch in der Forschung zu Cybermobbing, gefolgt von Norwegen und den Niederlanden. Deutschland landet demnach im Mittelfeld. In der Forschung könne sich Deutschland mit den USA, den Niederlanden und Großbritannien messen, doch bei der Umsetzung hapere es an vielen Stellen.

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