Fr., 13.05.2016

Mode Sex-Appeal für Ökos beim Modegipfel in Kopenhagen

Eva Kruse, Gründerin des Copenhagen Fashion Summit, begrüßt Kronprinzessin Mary.

Eva Kruse, Gründerin des Copenhagen Fashion Summit, begrüßt Kronprinzessin Mary. Foto: Nikolai Linares

Model Amber Valletta, Mary von Dänemark und lauter elegante Leute glänzen auf einem Kopenhagener Modegipfel zum Thema Nachhaltigkeit. Es geht aber auch um die Schattenseiten der Mode.

Von dpa

Kopenhagen (dpa) - «Nachhaltige Mode ist alles Mögliche - nur nicht sexy.» Diesen Satz meinte Vanessa Friedman, Mode-Expertin der «New York Times», nicht als Stilkritik, sondern als Appell für mehr Glamour beim Reden über Ökokleidung.

Genau diesen versprühte der Copenhagen Fashion Summit, der Gipfel, der als wichtigstes Event im Bereich «Grüne Mode» gilt.

Wo in Deutschland bei derartigen Anlässen eher eine etwas sektenhaft wirkende Gemeinde veganer Öko-Aktivisten zusammenkommt, strömten am Donnerstag elegante Magazinredakteurinnen, Top-Manager großer Unternehmen wie Nike oder H&M und mondäne Firmengründer aus der ganzen Welt nach Kopenhagen.

Das frühere Supermodel Amber Valletta, eine engagierte Verfechterin von Nachhaltigkeit, moderierte die Veranstaltung zusammen mit Derek Blasberg, Mode-Autor und Liebling vieler Fashionistas. Zudem hielt auch noch die schicke Kronprinzessin Mary von Dänemark als Schirmherrin die Eröffnungsrede.

«Nachhaltige Kleidung muss schön sein, damit sie akzeptiert wird», sagte Eva Kruse, Leiterin des Dänischen Modeinstituts, der Deutschen Presse-Agentur. Ein Oberteil aus recycelten Plastikflaschen müsse so gut aussehen wie ein neues Luxusteil.

Kruse ist Gründerin des Copenhagen Fashion Summit. 2009 fand er erstmals während der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen statt. «Wir wollten eine markenübergreifende Bewegung schaffen», sagte Kruse. Das scheint ihr gelungen zu sein.

Fast 1300 Teilnehmer verzeichnete die ganztägige Veranstaltung, bei der mehr als 50 Sprecher auf dem Podium zum Thema Innovation mit Verantwortung diskutierten. Flankiert wurde die Veranstaltung von Events wie einem mehrtägigen «Youth Fashion Summit» für Studenten sowie Wettbewerben im Designbereich.

«Die Teilnehmer sind jetzt eher bereit, auch über die Probleme der Mode zu sprechen», konstatierte Kruse. So wurde immer wieder erwähnt, dass die Textilbranche nach der Erdölindustrie der zweitgrößte Umweltverschmutzer im Industriebereich sei - und der zweitgrößte Verbraucher von Frischwasser. Dass sie einen riesigen Müllberg verursache. Oder dass heute fünf mal mehr Kleidung produziert werde als noch vor 10 Jahren - und dies oft unter beschämenden Arbeitsbedingungen in den Fabriken.

Es ging in Kopenhagen ums Ganze, um ernsthafte Versuche, die Mode zu verändern, nicht um Image-Politur. Michael Beutler von der Luxusgruppe Kering (zu der u.a. Gucci gehört) sagte im dpa-Interview, nachhaltiges Engagement sei für Kering kein Feigenblatt. «'Made in Italy' heißt beispielsweise bei uns, dass wir wirklich fast alles regional in Italien fertigen lassen», sagte er. Man lasse nicht wie andere die Teile in Billiglohnländern unter schlechten Bedingungen fertigen und sie in Italien nur zusammennähen.

Eines der wichtigsten Themen des Gipfels war Recycling - immer wieder wird von innovativen Materialien gesprochen, bei denen Stoffe und Garne mehrfach verwertet werden können.

Ausgerechnet H&M, die als Fast-Fashion-Unternehmen eigentlich zu den «Bösen Buben» der Branche zählen müssten, leistet hier Pionierarbeit. «Wir sind uns bewusst, dass wir wertvolle Ressourcen ausbeuten», sagte Anna Gedda, die bei H&M für Nachhaltigkeit verantwortlich ist. «Die Aufgabe ist es, ohne Abfall zu wachsen.» Ziel des schwedischen Unternehmens sei ein geschlossener Kreislauf, bei dem alles Neue aus gebrauchten Textilien entstehe. Schon jetzt gebe es in den H&M-Filialen Container, in denen alte Kleidung der Kunden gesammelt werde.

Der wohl eindrucksvollste Moment war - trotz einer Königlichen Hoheit, einem Supermodel und vielen klugen Visionären - der Auftritt von rund 100 Modestudenten. In bewegenden Worten forderten sie eine radikale Umkehr der Branche. Dass sie die Macher von morgen sein könnten, stimmt optimistisch.

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