Sa., 28.05.2016

Spielwaren Mehr als nur Verpackung: Spielgeräte aus Pappe

Der Karton-Künstler Boris Schimanski entwirft Bausätze für Spielzeug aus Pappe.

Der Karton-Künstler Boris Schimanski entwirft Bausätze für Spielzeug aus Pappe. Foto: Ingo Wagner

Ein Kickertisch, so leicht, dass man ihn auch zum See mitnehmen kann? Oder ein Märchenschloss für Kinder, das diese selbst bemalen können? Spielgeräte aus Pappe wollen genau das bieten. Und versuchen, selbst in Sachen Haltbarkeit nicht hintenan zu stehen.

Von dpa

Braunschweig (dpa) - Schon Wochen vor der Fußball-Europameisterschaft wird in der Produktionshalle von Kickpack in Braunschweig schwer geschuftet. Die Kartons stapeln sich bis zur Decke.

Dazwischen stehen fünf Studenten. Sie falten und verpacken. Und falten und verpacken, bis «Kartoni» fertig ist. Der Kicker ist das erste von mittlerweile drei Produkten des Braunschweiger Startups Kickpack - und vor der EM auch das gefragteste. «Die Anfragen kommen jetzt besonders oft», erklärt Moritz Tetzlaff, einer der Gründer des Unternehmens.

Das Besondere an seinem Kickertisch: Er ist so groß wie ein normaler Kneipenkicker, weil er aber aus Pappe gebaut wurde, wiegt er nur wenige Kilo. Nur die Stangen sind aus Holz. 70 bis 80 Prozent des Kickers sind deshalb recycelbar, meint Tetzlaff. Der Kicker lässt sich schnell aufbauen und gut transportieren.

«Wir dachten schon immer, es wäre cool, ein eigenes Produkt zu haben», sagt der Kommunikationsdesigner. Was er und sein Mitgründer aber auch dachten: Wenn schon ein eigenes Produkt, dann ein nachhaltiges. Und so setzten sie bei ihrem Start 2013 auf einen, wie Tetzlaff findet, bislang verkanten Werkstoff: «Die Wirtschaft sieht in der Pappe nur die Verpackung - und sie lebt ja auch davon, dass die Leute sie wegwerfen. Aber Pappe ist mehr.» Kickpack hat mittlerweile auch eine Tischtennisplatte und einen VW-Bulli für Kinder im Angebot - ebenfalls aus Pappe.

Auch immer mehr andere Hersteller von Spielwaren setzen auf das Material. «Wir haben da einen Nerv getroffen», meint Boris Schimanski. Der Verpackungsentwickler und Comiczeichner aus Bremen baut in seinem Unternehmen Calafant aus Karton unter anderem Häuser, Burgen und Schiffe für Kinder. Genau wie Kickpack vertreibt er seine Produkte weltweit. «Das Bewusstsein der Leute hat sich verändert», sagt der 51-Jährige. Auf dem Markt gebe es deshalb mittlerweile immer mehr Mitanbieter.

Für den Deutschen Verband der Spielwarenindustrie ist das Papp-Spielzeug Ausdruck davon, wie vielfältig der Markt geworden ist. «Wir bilden die Welt da draußen ab», sagt Geschäftsführer Ulrich Brobeil, «und auch die Welt ist vielfältiger geworden». Hinzu käme das gestiegene ökologische Bewusstsein der Käufer. Dennoch werde der Hauptumsatz noch immer mit Plastikspielzeug gemacht, sagt Brobeil.

Das Hauptargument gegen die Pappe kennen sowohl Tetzlaff als auch Schimanski: Die Haltbarkeit. «Aber wie lange muss ein Spielzeug halten?», fragt Schimanski. «Doch nur, solange Interesse besteht.» Die Leute hätten heute kaum noch Lust, Dinge ewig zu lagern. Falls doch, seien die faltbaren Produkte dafür gut geeignet.

Um den Kickertisch stabiler zu machen, arbeitet Kickpack gemeinsam mit Nanoforschern der Uni Kiel daran, die Pappe zu beschichten, ohne dass die Nachhaltigkeit des Produkts dadurch beeinträchtig wird. «Wir testen eine ökologisch abbaubare Besprühung», erklärt Tetzlaff.

Dann geht er in einen kleinen Raum, in dem die Spielerfiguren lagern. Wer einen Kicker kauft, hat die Wahl zwischen verschiedenen Figuren. Viele der EM-Mannschaften stehen zur Auswahl, aber auch andere Figuren. Die deutsche Nationalmannschaft gegen die Nonnen etwa sei eine erstaunlich beliebte Kombination, sagt er. Und die Bierdusche für den Gewinner sollte der Kicker dann demnächst auch aushalten.

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