Do., 05.05.2016

EZB EZB: Aus für 500er kein Abschied vom Bargeld

Das Aus für die 500-Euro-Geldscheine bedeutet laut EZB nicht den Anfang vom Ende des Bargelds.

Das Aus für die 500-Euro-Geldscheine bedeutet laut EZB nicht den Anfang vom Ende des Bargelds. Foto: Patrick Seeger

Hamburg/Berlin (dpa) - Das bevorstehende Aus für die 500-Euro-Banknote bedeutet aus Sicht der EZB nicht den Einstieg in die Abschaffung des Bargeldes.

Von dpa

«Wer nun glaubt, dass die Eurozone sich vom Bargeld verabschiedet, irrt», schrieb EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch in einem Gastbeitrag für «Spiegel Online». «Für viele Bürger symbolisiert Bargeld nicht nur Kaufkraft, sondern stellt gedruckte Privatsphäre dar.»

Derweil ist das Ende des 500-Euro-Scheins besiegelt. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) entschied, dass die Ausgabe der größten Euro-Banknote «gegen Ende 2018» eingestellt wird.

Zu diesem Zeitpunkt sollen die überarbeiteten 100- und 200-Euro-Scheine eingeführt sein. Die im Umlauf befindlichen 500er sollen aber gesetzliches Zahlungsmittel bleiben - die Geschäfte müssen sie also weiter akzeptieren - und unbegrenzt umtauschbar sein.

«Der 500-Euro-Schein wird, wie andere Stückelungen der Euro-Banknoten, immer seinen Wert behalten und kann für einen unbegrenzte Zeitraum bei den nationalen Banken des Eurosystems umgetauscht werden», erklärte die EZB. Die anderen Stücklungen vom 5- bis 200 Euro-Schein sollen erhalten bleiben.

Bislang sind etwa 600 Millionen 500er im Umlauf. Zum letzten Mal wurde die größte Euro-Banknote 2014 produziert. Mit der schrittweisen Abschaffung des lilafarbenen Scheins sollen Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit eingedämmt werden. EZB-Präsident Mario Draghi hatte darauf hingewiesen, dass der 500er für kriminelle Zwecke genutzt werde: «Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten.» Die EU-Finanzminister hatten bei einem Treffen in Februar deutlich gemacht, dass sie von der EZB «angemessene Maßnahmen» mit Blick auf den 500-Euro-Schein erwarten.

Ob mit einer Abschaffung der Banknote kriminelle Machenschaften eingedämmt werden können, ist allerdings umstritten. So argumentierte beispielsweise Schattenwirtschafts-Experte Friedrich Schneider von der Universität Linz, Geldwäsche laufe längst weit überwiegend bargeldlos über Scheinfirmen. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte sich zuletzt skeptisch gezeigt. Im EZB-Rat reichte für die Entscheidung eine einfache Mehrheit.

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele begrüßte, dass sich der EZB-Rat klar zum Erhalt der 200- und der 100-Euro-Banknote bekannt habe. «Die zweite Banknotenserie wird zwar von derzeit sieben auf dann sechs Stückelungen reduziert, jedoch bedeutet der Ausgabestopp für die 500-Euro-Banknote keinen Einstieg in die Abschaffung des Bargeldes», sagte Thiele der Deutschen Presse-Agentur. Bargeld bleibe gesetzliches Zahlungsmittel und werde auch künftig eine wichtige Rolle einnehmen bei den täglichen Einkäufen und als Wertaufbewahrungsmittel.

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