Zweiter Münsterlandtag steht ganz im Zeichen der Kulturwirtschaft

Moderator Götz Alsmann begrüßte den scheidenden NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.
(Foto: Jürgen Peperhowe)
Bocholt - Mittwoch Berlin, Bundespräsidentenwahl; Donnerstag dann Bocholt, Münsterlandtag: Nur noch wenige Tage ist er im Amt, und wer ihn in den vergangenen Tagen und Wochen gesehen hat, der sah einen niedergeschlagenen, einen fast verhärmten Ministerpräsidenten.
Donnerstagabend war das anders. Rüttgers scherzte, Rüttgers lachte, Rüttgers lobte, das Münsterland zum Beispiel als „eine großartige Region, einen Teil des Landes Nordrhein-Westfalen mit viel Charme und Kraft“. Und irgendwie klang es aus dem Mund des Rheinländers ehrlich gemeint.
Das Münsterland zeigt sich von seiner Schokoladenseite: Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek hatte einst die Idee, alle zwei Jahre einen solchen Tag zu veranstalten. Der Gedanke dahinter: Sich im immer lauter werdenden Konzert der Regionen zu positionieren, auch jenseits der eigenen Grenzen auf die Attraktivität, Vielfalt und Besonderheiten des Münsterlandes aufmerksam zu machen. Das war das eine.

Berichteten über ihr kulturelles Schaffen (v.l.): Skater-Ikone Titus Dittmann, Saskia Zierenberg (Musik Produktiv) und Wolfgang Hölker (Grafiker, Chef von Coppenrath und Hölker). Es moderierte Göls Alsmann.Foto:
(Jürgen Peperhowe)
Hinzu kam aber noch ein zweiter, ein anderer Gedanke, der eher auf die Binnenwirkung zielt. Der nämlich, den Menschen, die hier leben, die Bedeutung ihrer Region, das Pfund, das das Münsterland nun einmal ist, ins Bewusstsein zu rücken. Ihnen „deutlich zu machen, dass das Münsterland äußerst attraktiv ist“, sagte Heinrich-Georg Krumme von Münsterland e.V.. Der Verein hatte die Veranstaltung organisiert.
Der Auftakt vor zwei Jahren in Coesfeld, er stand im Zeichen der Wirtschaft. Gestern nun, die Neuauflage im Städtischen Bühnenhaus Bocholt, mit einem thematischen Akzent auf der Kulturwirtschaft.
Lektion eins am Donnerstag: Kultur ist nicht nur - mal leichte, mal schwere - Unterhaltung. All das, was sich unter dem unscharfen Begriff zusammenfassen lässt, ist immer auch Standortfaktor und damit letztlich Wirtschaft. Kultur drückt (s)einer Region (s)einen Stempel auf, stärkt sie, prägt sie, gibt ihr letztlich so etwas wie eine Kontur. Und lässt sich mitunter wunderbar leicht und amüsant thematisieren. Dafür sorgte in Bocholt Götz Alsmann als Moderator.
Hatte der Ministerpräsident zu Beginn des Abends die Bedeutung der Kultur für das Land betont - „Investitionen in die Kultur sind trotz leerer Kassen richtig und wichtig“ -, war es später an der Skater-Ikone Titus Dittmann, Wolfgang Hölker, dem Grafiker, Galeristen und Chef der Verlage Coppenrath und Hölker, sowie der Geschäftsführerin von Musik Produktiv, Saskia Zierenberg, anhand des jeweils eigenen Tuns sozusagen Best- Practice-Beispiele aus dem weiten Feld des regionalen kulturellen Schaffens zu präsentieren.
Kultur für die Ohren: Dafür sorgten am Abend die Geigerin Suyoen Kim sowie das Sinfonieorchester der Städtischen Bühnen Münster. Kultur für alle Sinne: Die hatten einige der Gäste im Laufe des Tages während zweier Sternfahrten erlebt; so hatten sie beispielsweise das „Kaktus Kulturforum“ in Beckum besucht, das Künstlerdorf in Schöppingen, das Kulturhaus Kloster Gravenhorst und natürlich das Gronauer Rock 'n' Popmuseum - alles herausragende Kultureinrichtungen in der Region. Kultur kann aber auch kulinarisch sein. Wie, das erlebten die 500 Gäste beim Empfang. Köstlich.