Streit um Schulpläne: Krach mit den großen Nachbarn im Münsterland


Sylvia Löhrmann bekommt Post aus dem Münsterland.
Sylvia Löhrmann bekommt Post aus dem Münsterland.
(Foto: dpa)


Düsseldorf/Ascheberg - Aus Nachbarn werden Konkurrenten. Für kleine Gemeinden bietet die Offerte von Schulministerin Sylvia Löhrmann, versuchsweise Haupt- und Realschulen zu einer Gemeinschaftsschule zusammenzuführen, eine willkommene Chance: Trotz sinkender Schülerzahlen behalten sie so eine weiterführende Schule im Ort. Eine schöne Perspektive, die in Ascheberg bald erstmals realisiert werden soll. Auch in Billerbeck gibt es konkrete Pläne, denen sich nicht wenige kleine Gemeinden im Münsterland anschließen würden. Wenn das nicht Stoff für Zoff mit den großen Nachbarn brächte.

Dass die Gemeinschaftsschulen einen gymnasialen Standard einhalten sollen, weckt bei den Bürgermeistern größerer Kommunen die Furcht vor leer stehenden Schulgebäuden. Wenn die Schüler kleinerer Orte erst zur Oberstufe das Gymnasium besuchen, könnte die erforderliche Dreizügigkeit möglicherweise nicht mehr erfüllt werden, mahnen die Bürgermeister. In einem Positionspapier für Ministerin Löhrmann, das unserer Redaktion vorliegt, fordern sie darum einen Vorrang für die Suche nach Kooperationsmöglichkeit zwischen den benachbarten Kommunen.


Ein Streit unter Nachbarn ist nicht beabsichtigt, heißt es aus dem Schulministerium. Löhrmann will aber verhindern, dass Schüler auf lange Busfahrten zum Unterricht geschickt werden müssen. Das Prinzip der kurzen Wege zählt darum mehr als das Ausbleiben von Schulpendlern, sagt eine Sprecherin und schränkt ein: Wenn dadurch Schulen in der Existenz bedroht werden, verschiebt sich diese Gewichtung. Ministerium und Regierungspräsidium prüften deshalb alle Einwände sehr gründlich, um einen Konsens zu erreichen.

Ob der realistisch ist? CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann hat da seine Zweifel. „Vor 40 Jahren haben sie sich gegenseitig die Kühe geklaut, jetzt klauen sie sich die Schüler“, blickt er humorig auf die beiden Nachbargemeinden Billerbeck und Nottuln. Billerbeck möchte eine Gemeinschaftsschule nach Löhrmanns Prinzip einführen und bekommt reichlich Gegenwind. Der regionale Konsens ist keine einfache Sache. Laumann fasst das so zusammen: „Schulpolitik kann man nicht von unten machen.“

Der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Sternberg, fordert überregionale Planungen, mindestens auf Kreisebene. Auf dieser Basis etwa könne festgelegt werden, wie viele Kinder er für die Differenzierung der einzelnen Schulzweige brauche. Und dort seien die Auswirkungen auf die gewachsene Schullandschaft am besten abzuwägen. Sternberg fügt hinzu, das gelte auch für die von der CDU favorisierte Verbundschule.

Das Positionspapier an Löhrmann, gewissermaßen ein Brandbrief, hat auch der Lüdinghauser Bürgermeister unterschrieben. Vielleicht mit der Faust in der Tasche, denn für die Gemeinschaftsschule Ascheberg scheint er gleichzeitig grünes Licht gegeben zu haben.



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