Gescher. Es war der Tag, der Deutschland und die Welt verändert hat. Am 9. November 1989 fiel die Mauer - ein Weltereignis, das sich ins Gedächtnis der Menschen eingebrannt hat. Mittendrin war ein Gescheraner: Helmut Seifer (64) hat den Mauerfall nicht als TV-Zuschauer miterlebt, sondern als Urlauber in Ost-Berlin. "Das ist wie ein Sechser im Lotto", findet der heutige Rentner und frühere Getränkehändler. Die Leute, entsinnt sich Seifer, seien in jenen Tagen vor 20 Jahren "voller Hoffnung" gewesen.
Reiner Zufall war es, dass Seifer Zeuge dieses Wendepunktes in der deutschen Geschichte wurde. Der Gescheraner wollte sich einige Tage im Ostberliner "Palasthotel" erholen. "Das ging ganz einfach. Man konnte dort anrufen und hat sein Einreisevisum danach per Post bekommen", berichtet Seifer. Mit dem eigenen Pkw habe er sich am 9..11..1989 auf den Weg nach Berlin gemacht. Im Auto hörte er CDs, kein Radio. Abends erreichte er den Grenzübergang Helmstedt - und wunderte sich, dass auf der anderen Seite alles voller Trabis stand, die rüber wollten. "Da habe ich gefragt, was los ist", berichtet Seifer. Die Zöllner hätten von offenen Grenzen berichtet, seien aber völlig ratlos gewesen, wie sie damit umgehen sollten. Seifer zahlte seine 15 Euro Einreisegebühr und fuhr bis zum Palasthotel in Ostberlin. Zu diesem Zeitpunkt war die Stadt bereits in heller Aufruhr - die Grenzübergänge waren offen, Ostberliner drängten in den Westteil der Stadt.