"Jugendliche sind dankbar"


Auslandsfreiwilligendienst in Bolivien: Der 20-jährige Gescheraner Janek Cordes ist von Land und Leuten fasziniert und hofft auf Unterstützung aus der Heimat für das "Helping Hands Projekt" in La Paz. Foto: privat
Auslandsfreiwilligendienst in Bolivien: Der 20-jährige Gescheraner Janek Cordes ist von Land und Leuten fasziniert und hofft auf Unterstützung aus der Heimat für das "Helping Hands Projekt" in La Paz. Foto: privat


Gescher. Schon früh stand für Janek Cordes fest, dass er nach dem Abitur ins Ausland gehen würde. Der 20-jährige Gescheraner bewarb sich für den Auslandsfreiwilligendienst und ist in La Paz (Bolivien) gelandet. Dort arbeitet er seit September 2011 im "Helping Hands Project", das Jugendlichen Schule oder Studium ermöglicht. Im Interview berichtet Cordes über sein Leben und seine Arbeit in Bolivien.

Wie muss man sich La Paz vorstellen?


Cordes: Auf den ersten Blick: beeindruckend, ungewöhnlich, dreckig, ungemütlich und chaotisch. Auf den zweiten Blick: beeindruckend, ungewöhnlich, wunderschön, vielfältig und liebevoll.

Was machen Sie in La Paz?

Cordes: Ich arbeite im "Helping Hands Projekt", das sich um Jugendliche kümmert, die ohne finanzielle Mittel nicht weiter lernen oder studieren könnten. Dabei unterstützen wir gleichzeitig ein staatlich geführtes Jugendheim, das direkt an unserem Büro liegt. Wir geben ihnen die Möglichkeit, ein Studium anzufangen. Hier helfen uns vor allem Spenden und der Verkauf von Armbändern, die die Studenten selbst anfertigen.

Ist die Höhenluft in La Paz ein Problem?

Cordes: Bislang habe ich keine gesundheitlichen Probleme. Man merkt aber eindeutig, dass es hier in 4000 Metern Höhe etwas anderes ist, Sport zu treiben oder auch nur zur Arbeit zu laufen. Aber auch Bolivianer schnaufen schon mal, wenn es bergauf geht.

Was sind Ihre Aufgaben im Projekt?

Cordes: Ich helfe im Projekt, indem ich z.B. Texte übersetze, mich um die Internetarbeit kümmere oder auch mal Botengänge mache. Unsere Internetseite ist nun auch auf Deutsch verfügbar. Hier findet man alle Informationen über unser Projekt. Außerdem gebe ich Nachhilfe in Englisch oder Computernutzung. Ich mache aber genauso viel Freizeitgestaltung mit den Schülern und Studenten, z.B. Sport oder Ausflüge.

Wie gefällt Ihnen das Projekt?

Cordes: Ich halte unglaublich viel von diesem Projekt, da ich jeden Tag selber miterlebe, wie dankbar die Jugendlichen über eine solche Chance sind. Hier wird nicht über das Lernpensum gemeckert, sondern es wird als Chance gesehen, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Außerdem geht es sehr familiär und locker zu. Ich bewundere besondere Linda, die Projektgründerin, und Janneth, die Sekretärin, die sehr gut organisiert sind.

Was ist das Besondere an Bolivien?

Cordes: Die unglaubliche Vielfalt in Natur und Kultur und natürlich die Menschen. So kann man in drei Stunden von La Paz, das aufgrund der Höhe eher kahl und kühl ist, in die Yungas fahren. Hier herrschen tropisches Klima, die Hänge sind grün bewachsen, und es gibt alle möglichen Früchte. An der Bevölkerung fasziniert mich die Mischung aus 32 verschiedene Ethnien.

Was fehlt Ihnen in La Paz?

Cordes: Eigentlich nichts.

Und uneigentlich?

Cordes: Die Familie - und guter Käse.

Was hat Sie an den dortigen Verhältnissen überrascht?

Cordes: Der unglaubliche Verkehr und die Fahrkünste mancher Leute. Die Vielfalt an Handarbeit und deren günstiger Preis. Die Herzlichkeit der Leute, besonders der Kinder und vor allem auch der Jugendlichen in meinem Projekt.

Gibt es auch Dinge, die Sie stören?

Cordes: Wenn ich von Verkäufern als vermeintlicher Tourist mit Englisch angesprochen werde. Oder wenn ich mitbekomme, wie sich die Mittel- und Oberschicht versucht abzugrenzen, indem sie sich an westlichen Standards orientiert. Da dreht sich dann alles um "schöne" Golfresorts und Tennisklubs.

Was erleichtert Ihnen das Leben in der Fremde?

Cordes: Ein tolles Projekt, in dem ich mich heimisch fühle, gute Freunde hier wie in Deutschland und Skype, um mit der Familie und Freunden im Kontakt zu bleiben.

Wann kehren Sie nach Gescher zurück und was haben Sie in der Zukunft vor?

Cordes: Ich werde Gescher wahrscheinlich Anfang September wieder zu Gesicht bekommen. Danach werde ich studieren und hoffe, auch in Zukunft so bereichernde Auslandserfahrungen sammeln zu können wie zurzeit. | .www.helpinghands-bolivia.org; www.betterplace.org/de/projects/7921-helping-hands-projekt



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