Gescher. Noch können Autofahrer über die Armlandstraße in die westliche Innenstadt gelangen. Von Mai bis Oktober ist das nicht so: Dann gilt die saisonale Teilsperrung zwischen Eisdiele und Glashaus. Das Stadtmarketing hat jetzt beantragt, diese 2001 eingeführte Sperrung zu überprüfen und aufzuheben. Ziel ist eine bessere Erreichbarkeit der Innenstadt. Stadtmarketing-Geschäftsführer Franz van Üüm: "Viele auswärtige Besucher und Kunden finden die schmalen Zufahrten von der Elionore-Stein-Straße und von der Marienstraße nicht. Das ist ein Problem."
Im März entscheidet der Bauausschuss über die Fortführung der Innenstadtsanierung. In diesem Zusammenhang soll laut Antrag auch über Veränderungen bei der Verkehrsregelung gesprochen werden. Die saisonale Sperrung habe in den letzten Jahren vermehrt zu Unmut im Handel, aber auch bei Auswärtigen geführt. "Die Navigationsgeräte können auf diese saisonale Sperrung nicht reagieren; Gäste, Kunden und Anlieferer stehen regelmäßig vor dem Poller", heißt es. Geschers City verliere dadurch an Attraktivität, zumal das gesperrte Straßenstück als Fußgängerzone keine Bedeutung habe.
Das Stadtmarketing verweist auf das Beispiel Stadtlohn, das seine Innenstadt nach negativen Erfahrungen wieder geöffnet habe und nur noch abends/nachts auf eine Sperrung mittels automatischer Poller setze. Eine ähnliche Lösung - keine Durchfahrt nach Schließung der Geschäfte - kann sich van Üüm mit Blick auf die Außengastronomie auch für Gescher vorstellen. "Das könnte dann ganzjährig gelten", so van Üüm.
Aus Sicht der Kaufmannschaft sei die Sperrung der Armlandstraße kontraproduktiv, begrüßt Clemens Kösters, Geschäftsinhaber am Kirchplatz, den Stadtmarketing-Vorstoß. Das Einkaufsverhalten der Menschen habe sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Vor diesem Hintergrund sei die gute Erreichbarkeit der Innenstadt ein ganz wichtiger Faktor. Vor eine Neuregelung sollten Verwaltung und Anlieger miteinander sprechen.
Von dieser Seite kommen bereits Gegenargumente. "Die Leute sind mit der Sperrung im Sommer sehr zufrieden", sagt Roberto Dal-Cin, Inhaber des Eiscafés Venecia. Ab Mai könnten die Gäste in Ruhe draußen sitzen, Kinder dürften herumlaufen, Touristen vom Glockenmuseum bummelten ungestört durch diesen Teil der Stadt. Ohne Sperrung drehten Autofahrer hier wieder ihre "Show"-Runden.
Auch Silke Klein-Günnewick vom Glashaus kann einer Aufhebung der Sperrung nicht viel abgewinnen. "Das hat sich bewährt", sagte sie gestern. Parkplätze drumherum gebe es genug. Für das Glashaus sei die Sperrung weniger wichtig, weil es über eine Terrasse verfüge.