Kleines Buch über große Illusionen


Anne Kuhlmeyer in ihrem Garten. Die grüne Oase ist nicht nur ein schöner Ort zum Lesen, hier schreibt die Autorin auch gern. "Illusionen" heißt ihr erstes Büchlein.
Anne Kuhlmeyer in ihrem Garten. Die grüne Oase ist nicht nur ein schöner Ort zum Lesen, hier schreibt die Autorin auch gern. "Illusionen" heißt ihr erstes Büchlein.
(Foto: ude)


-ude- Lette. Anne Kuhlmeyer sitzt im wild-romantischen Naturgarten ihrer Familie in Lette und blättert stolz in ihrem ersten Buch. "Na ja, Büchlein", sagt sie, und aus ihrem selbstironischen Lächeln spricht genau der Sinn fürs Komische und Skurrile, der auch in ihren Geschichten immer wieder aufblitzt. Klein, sehr klein ist das dünne grasgrüne Bändchen "Illusionen", das in einer Miniaturreihe des Testudo-Verlags als Band 9 erschienen ist, und mit 32 Seiten ein solches Federgewicht, dass es passend zur Urlaubszeit in Rucksack und Reisekoffer, Hosen- und Handtasche passt.

Vier Kurzgeschichten hat Anne Kuhlmeyer für ihr erstes eigenes Buch geliefert, nachdem sie schon mehrere Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht hatte. Die Letteranerin, die nach der Wende aus Leipzig ins Münsterland kam, liebt Geschichten. "Es gibt so viele Geschichten, die erzählt werden wollen", sagt Kuhlmeyer. Und sie mag die Menschen, die zu diesen Geschichten gehören, die Figuren, die sie erfindet. Mit den oft gar nicht so schönen Geschichten ganz realer Menschen beschäftigt sie sich beruflich. Die 49-jährige Medizinerin und Fachärztin für Anästhesiologie ist psychotherapeutisch tätig, ihr Schwerpunkt: Psychotraumatologie.


"In jeder Figur steckt immer auch eine Facette vom Autor selbst", weiß die Autorin. Das gilt besonders für die zweite Kurzgeschichte im grasgrünen Büchlein: "Das Ende einer knappen Stunde", die in einer therapeutischen Sitzung spielt. "Aber ich habe die vier Geschichten aus verschiedenen Perspektiven geschrieben und versucht, eine unterschiedliche Sprache zu benutzen, die den Figuren angemessen ist", berichtet Anne Kuhlmeyer vom Schreibprozess. Lange hat sie an den Sätzen gefeilt. "Kurzgeschichten sind es wert, dass man mehr Aufwand treibt", sagt sie und meint die sprachliche Präzision, die Entwicklung der Handlung und die Gestaltung der Charaktere. Leser und Geschichte haben miteinander nicht viel Zeit. Das Wesentliche muss schnell und klar erscheinen. Und noch mehr: Auch auf das, was zwischen den Zeilen steht, kommt es Anne Kuhlmeyer an. Mitdenken ist angebracht. "Aber die Charaktere sind irgendwie abgefahren", lacht sie. Mal wieder skurril.

Was bedeutet das Titelfoto mit dem Schienenstrang, der in die unendliche Weite führt? "Ach", sagt Anne Kuhlmeyer. "Das habe ich in Lette gemacht, unweit vom Hof Wigger. Es steht für die Idee vieler Menschen, dass es irgendwo in der Ferne vielleicht etwas gibt, das hier bei ihnen nicht ist." "Illusionen" eben. Dieser Glaube ist allen Protagonisten in den vier Geschichten gemeinsam.

Im Herbst erscheint Anne Kuhlmeyers erster Kriminalroman zu einem ernsten Thema: häusliche Gewalt. Am zweiten Krimi schreibt sie gerade - auf ihrem rosa Laptop im wild-romantisch-grünen Garten.

0 Anne Kuhlmeyer, "Illusionen", Mini-Testudo Band 9 ISBN 978-3-942024-08-2.



29 · 07 · 10





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