Handwerklich fest im Sattel


Wiebke Uppenkamp, hier mit ihrem Chef Karl-Heinz Mertens, freut sich über ihren Sieg beim Bundeswettbewerb im Handwerk Fahrzeug-Sattlerei.
Wiebke Uppenkamp, hier mit ihrem Chef Karl-Heinz Mertens, freut sich über ihren Sieg beim Bundeswettbewerb im Handwerk Fahrzeug-Sattlerei.
(Foto: Ulla Wolanewitz)


Billerbeck/Münster. Ein Praktikum lieferte die Initialzündung. Der richtige Ausbildungsplatz, Fleiß, Geduld und Liebe zum Detail machten Wiebke Uppenkamp jetzt zur Bundessiegerin im Handwerk Fahrzeug-Sattlerei. "Ich bin nicht der Computertyp", gesteht die 22-Jährige, die ihren Beruf in der Auto- und Möbelpolsterei Karl-Heinz Mertens in Münster erlernte. Im Schülerpraktikum schnupperte sie beim Industrie-Designer Paul Budde in Münster Werkstattluft, wobei sich die Nepomuk-Gymnasiastin vielmehr von der Modellbauabteilung als von gestalterischen Möglichkeiten am Bildschirm faszinieren ließ. "Ich habe Fahrzeugteile in Kunststoff nachgebaut und dabei Gefallen an handwerklichen Herausforderungen gefunden." Stunden verbrachte sie in der elterlichen Garage in Billerbeck, schraubte mit Begeisterung an ihrem Seat Ibiza herum, reparierte Bremsen und Radlager, und dann "brachte mich ein Freund auf die Idee, mal nach einem Ausbildungsplatz bei Mertens zu fragen."

Der Juniorchef - selbst Meister seines Fachs - ließ sich vom handwerklichen Geschick der jungen Abiturientin schnell überzeugen und nahm sie unter Vertrag. Sie besuchte den Blockunterricht in der Berufsschule in Herford, die einzige in NRW, die angehenden Sattlern theoretischen Hintergrund vermittelt. Da Wiebke Uppenkamp nach zweieinhalb Jahren die beste Gesellenprüfung ablegte, machte sie das gleichzeitig zur Kammer- und auch zur Landessiegerin. Im Bundeswettbewerb gab es dann allerdings doch zwei Kontrahentinnen, gegen die es sich durchzusetzen galt. Aber auch das gelang ihr mit Bravour.


Nebenbei legte sie die Prüfung zur Betriebsassistentin an der Handwerkskammer Münster ab. Von den Fächern wie Rechnungswesen, BWL und Wirtschaftsenglisch ließ sie sich richtig fordern. "Das war gut, denn der normale Berufsschulunterricht bringt den Kopf nicht unbedingt zum Rauchen", sagt die junge Frau.

Bezüge an Autositzen und -verkleidungen, Turngeräten und Praxisliegen reparieren und auswechseln machen den größten Anteil ihres Schaffens aus. Sie erinnert sich gerne an den BMW Z1, der mit Alcantara ausgestattet wurde oder an den Hummer. Der gelbe Geländewagen, der mit seinen stattlichen Maßen die Werkstatt bis unter die Decke ausfüllte, war wohl der echte Hammer in ihrem bisherigen Werkstattalltag. Der Kunde ließ ihn komplett mit gelbem Leder ausstatten. Gelb? "Ja", schwärmt die Fachfrau. "Da, wo es hinpasst, sieht´s total klasse aus". Gerne lassen sich PS-Freaks die Sitzbank ihres Hobels auch mit Schlangenhaut-, Strauß- oder Rochenimitat veredeln. Momentan arbeitet sie neben einem weinroten 2/20er BMW, Baujahr 1952, den ihr erfahrener Kollege Peter Lübke in den Fittichen hat. Der Oldtimer bekommt ein neues Cabrioverdeck und eine komplette Innenausstattung. Der Altgeselle ist sogar im doppelten Sinne ihr Kollege, alldieweil er sich bereits vor 31 Jahren den Titel des Bundessiegers sicherte. "Unter dem tun wir es eben nicht", bemerkt Juniorchef Karl-Heinz Mertens stolz. Ob es schon ein neues Projekt gibt, auf der Ideenliste der jungen Billerbeckerin, die inzwischen ihren Wohnsitz nach Münster verlegt hat? "Ideen? Jede Menge", meit Uppenkamp und fügt schmunzelnd hinzu: "Aber jetzt sind erst mal die Küchenstühle bei meinen Eltern an der Reihe."



20 · 12 · 09





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