Coesfeld. Schwarz ist die Farbe, die am Wochenende in der Fabrik vorherrscht. Schwarze Haare, schwarze Kleidung, schwarze Szene waren ein Muss bei der ersten Gothic-Messe, der Gothika 2009 in den Hallen der Diskothek. Dabei wird den Szene-Anhängern von Verkaufsständen über Modeschauen bis hin zu Konzerten alles geboten, was das schwarze Herz begehrt.
Ein Blick auf den Parkplatz zeigt, dass die Besucher aus ganz Deutschland angereist sind: Gera, Frankfurt am Main, Leipzig oder Steinfurt. So wie Markus Bröker. „Vor 20 Jahren, als die Szene richtig geboomt hat, war das hier ja einer der größten Anlaufpunkte“, erinnert er sich zurück. „Das letzte Mal war ich vor sieben Jahren hier und hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal hierher komme“. Das Angebot - auch wenn es klein ist - gefällt ihm: „Das ist gut gemacht, die Modeschauen kann man sich gut angucken. Persönlich würde ich damit allerdings nicht herumlaufen“. Piercings, das habe es in den Anfangsjahren nicht gegeben. „Hauptsächlich bin ich aber auch wegen der Musik hier“. „Die Krupps“, eine der Ursprungsbands der Gothic-Szene aus den 80er Jahren, begeistert am Sonntagabend die Zuschauer und ist für viele der Hauptmagnet. Doch daneben gibt es auch viele weitere kulturelle Highlights - nicht nur für Anhänger der Szene.
„Ich bin schizophren und es geht mir allen gut“, heißt das neue Buch des Coesfelder Autor Dirk Bernemann („Ich hab die Unschuld kotzen sehen“). In bester Poetry-Slam-Manier liest er aus seinem Werk vor und hat mit seinen Geschichten über klischeehafte Mutter-Tochter-Probleme und Beatles-singende-Regenwürmer die Lacher auf seiner Seite. „Die Lesung war wirklich sehr cool“, findet auch Dirk Ludwig. „Die Messe bietet eine gute Auswahl und es gibt viel zu gucken“, ist der Bocholter sichtlich angetan. Viel zu gucken gibt es dabei nicht nur auf der Bühne. In mittelalterlichen Kostümen oder hautengen Corsagen zieht auch mancher Besucher die Blicke auf sich.
Als weitere Hingucker entpuppen sich „Ferox Ignis“, die beweisen, dass man - entgegen dem alten Sprichwort - sehr wohl mit Feuer spielen kann. Sie ernten, Feuer spuckend, jede Menge Applaus. Sehens- und vor allem hörenswert ist auch die Band „Pornophonique“, die ihre Musik als „Gameboy meets Lagerfeuer“ bezeichnet. Nur mit einem alten Gameboy und einer Gitarre bewaffnet, spielen die beiden Jungs eigene Titeln, aber auch Cover-Versionen von AC/DC oder Britney Spears. „Genial was die damit anstellen können“, kommentiert fasziniert ein Besucher.
Auch wenn das Ausstellungszelt zeitweise etwas leer wirkt, Veranstalter Markus Wesollek ist zufrieden: „Coesfeld ist noch attraktiv, um ein solches Event zu veranstalten“. Etwas kritischer sieht es der Verkäufer am Stand von Black View Porzellan. „Es wäre ein gutes Event, wenn die Idee die Massen ergreifen würde. Wir haben eine gute Location, die Atmosphäre und die Einkaufsmöglichkeiten sind super, es sind nur zu wenige Besucher“, stellt dieser fest und teilt damit die Meinung von Jörg, Verkäufer am Devil Girls Stand: „Das ist alles gut organisiert, da ist es natürlich schade, dass so wenig los ist“. Wesollek jedoch sagt: „Mehrere Verkäufer haben mir erzählt, dass sie sogar mehr verkauft haben, als auf manch einem Festival“.