"Auch im kleinen Rahmen was tun"


Etwa 60 Menschen folgen Samstagmittag dem Aufruf zur Mahnwache wegen der Reaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima. Eingeladen hatten dazu Bündnis 90/Die Grüne und Pax Christi. Foto: Marlies Prost
Etwa 60 Menschen folgen Samstagmittag dem Aufruf zur Mahnwache wegen der Reaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima. Eingeladen hatten dazu Bündnis 90/Die Grüne und Pax Christi. Foto: Marlies Prost


Coesfeld. Etwa 60 Menschen folgen am Samstag dem Aufruf zur Atom-Mahnwache auf dem Marktplatz. Um der Opfer in Japan zu gedenken, bilden sie einen Kreis und schweigen zehn Minuten lang andächtig versunken. "So entstand eine Verbundenheit und es war eine ergreifende Atmosphäre", formuliert Teilnehmerin Vogt die Stimmung. Eingeladen haben Bündnis 90/Die Grüne mit Pax Christi.

"Zu Hause werden wir erschlagen von Informationen und Nachrichten. So geschockt findet aber kein Austausch statt, wenn man allein zu Hause vor dem Fernseher sitzt. Es ist wichtig, miteinander zu reden. Diese Katastrophe übersteigt alle Ausmaße und Vorstellungen", so Vogt weiter. Es sei eine Illusion, dass wir nicht betroffen seien, weil die Katastrophe so weit von uns entfernt stattfinde. "Wir sind alle daran beteiligt, auf der Erde ist kein Platz mehr für Atom!"


In kleinen Gruppen unterhalten sich die Teilnehmer und diskutierten. Man merkt ihnen die Betroffenheit an, aber auch den Willen, nicht mehr alles hinzunehmen.

Eine 57-jährige Coesfelderin meint: "Es ist eigentlich schade, dass so wenig Besucher da sind." Sie sei schon immer gegen Atomkraft gewesen. "Ich möchte an die Menschen in Japan denken und hoffe, dass sie die Katastrophe in den Griff bekommen. Und vor allen Dingen hoffe ich, dass nicht noch mehr Atomkraftwerke gebaut werden."

Irgendwo müsse man mit dem Ende der Atomtechnologie anfangen, hieß es. Warum also nicht bei uns. Eine 61-Jährige aus Coesfeld: "Jeder muss jetzt etwas tun, auch wenn es nur im kleinen Rahmen ist." Wir sollten zu Naturstrom übergehen", sagt einer, und trifft damit wohl das allgemeine Meinungsbild.

Kritische Stimmen sind zu hören, dass so wenig junge Teilnehmer gekommen sind. Viele lebten wohl in der Illusion, dass in Deutschland alles sicher sei, so eine Stimme. Immerhin, auch eine 26-Jährige ist dabei. Sie habe früher schon öfter mit einer Jugendgruppe in Ahaus protestiert. Sie berichtet von einer Bekannten aus Japan. "Sie hat ihr Studium in Deutschland beendet und muss nun zurück. Sie hat tierische Angst und weint viel." Einer ihrer Onkel sei einige Tage im Unglücksgebiet verschwunden gewesen, sei aber Gott sei Dank gesund und habe überlebt. Sie kritisiere, dass die Informationspolitik in Japan sehr schlecht sei. Man erfahre nicht die Wahrheit, rede viel und sage nichts.

Die mitgebrachten Kerzen und Plakate beiben vor der Rathaustreppe zurück, um im Laufe des Tages Passanten mit der Botschaft zu erreichen.



20 · 03 · 11





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