"Wie ein schlechter Film"


Andrea Schlagheck (l.) mit einer Kollegin aus Bocholt.
Andrea Schlagheck (l.) mit einer Kollegin aus Bocholt.


Coesfeld (dp). Ihr Gesamteindruck von der Costa Concordia sei wirklich gut gewesen, sagt Andrea Schlagheck. "Hätte damals einer gesagt, das Schiff geht in sechs Jahren unter, das hätte keiner geglaubt." Damals, zum Halbfinale der Fußball-WM 2006, war die gebürtige Coesfelderin und Mitinhaberin des gleichnamigen Reisebüros zur Einführungsfahrt auf dem am Freitag havarierten Kreuzfahrtschiff zu Gast. "Ein sehr schönes, sehr großes Schiff", sei das gewesen.

Die zweitägige Fahrt, zu der vor allem Reisebüromitarbeiter und Journalisten eingeladen waren, um einen Eindruck von dem Ozeanriesen zu bekommen, startete ebenfalls in Civitavecchia. Doch so nah ans Ufer, wie bei der Unglücksfahrt, sei der Kapitän nie gefahren. "Ich verstehe das auch jetzt nicht", sagt die 53-Jährige, "Felsen wachsen ja nicht neu, wie Pickel im Gesicht. Die sind doch alle auf Seekarten eingezeichnet." Wie ein schlechter Film sei das gewesen, als sie die Bilder des beschädigten Schiffes am Samstag im Fernsehen sah. Dass der Kapitän schon vor den Passagieren von Bord ging, "das spricht schon für sich".



Gemeinsam waren sie im Sommer 2006 auf der Costa Concordia. Hier eine Außenansicht mit Rettungsbooten.
Gemeinsam waren sie im Sommer 2006 auf der Costa Concordia. Hier eine Außenansicht mit Rettungsbooten.


Bei den Kunden ist das Schiffsunglück bisher kein großes Thema. "Gerade heute morgen hatte ich schon wieder zwei Aida Buchungen." Zwar sei kurz die Bemerkung gefallen, dass das mit dem Untergang schon ein bisschen komisch sei - an den Urlaubsplänen änderte sich deshalb aber nichts.

Auch Schlagheck-Geschäftsführer Heinz Brokamp musste noch keine besorgten Nachfragen von Reisenden beantworten. "Zum Glück war von uns auch niemand auf dem Schiff." Er erklärt, wie eine Notsituation geprobt wird: "Sobald ein Schiff ausläuft, muss eine Seenotrettungsübung mit allen Passagieren durchgeführt werden. Wer denkt, ich kann mich davor drücken, wird aufgerufen. Das ist Vorschrift und muss bei jeder Kreuzfahrt gemacht werden."



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