Ehemaliges Kasernengelände in Flamschen

Abriss bis zur Rückkehr der Vögel


Entsorgungsmaterial wird gleich getrennt. Uwe Dickmanns (r.) und Alfred Richters vor einem Abrisshaus (oben); unten: Grüne Mitte.
Entsorgungsmaterial wird gleich getrennt. Uwe Dickmanns (r.) und Alfred Richters vor einem Abrisshaus (oben); unten: Grüne Mitte.


Coesfeld. Wumms - die Baggerschaufel knallt gegen die Hauswand. Trümmer. Steine, Schutt. Bald steht auch dieses Kompaniehaus nicht mehr und die Straße wirkt wie leergefegt. Der zweite Bauabschnitt auf dem ehemaligen Kasernengelände in Flamschen läuft - "alles nach Plan", sagt Fachbereichsleiter Uwe Dickmanns. Jetzt, in den Wintermonaten sind die Tiere, die in dem künftigen Industriegebiet Seite an Seite mit Unternehmen existieren sollen, ausgeflogen. Die Vögel in wärmere Länder verschwunden. "Im Artenschutzhaus ist im Moment nicht viel los", erklärt Dickmanns. Die beiden Häuser gehören zu den wenigen, die stehenbleiben. Die Stadt hat, wie berichtet, diese ehemaligen Mannschaftsgebäude entkernt und so umgebaut, dass sich dort Fledermäuse, Schwalben, aber auch Kellertiere und später Schafe wohlfühlen.

Um die Tiere nicht zu stören, wurde der zweite Bauabschnitt mit den Abrissarbeiten zum Winter hin begonnen . - im März muss er abgeschlossen sein, weil dann die Vögel zurückgekommen.


Der Verkauf der Flächen auf dem 55 ha großen Areal läuft nach Angaben der Stadt ausgesprochen positiv. Sprecherin Dorothee Heitz: "Wir hatten einen sehr guten Auftakt." Insgesamt sind nun elf Betriebe angesiedelt und rund 140.000 qm Industriefläche verkauft. 150 Arbeitsplätze sind bislang entstanden. Dass in dem "Industriepark Nord.Westfalen" Unternehmen an sieben Tage in der Woche auch nachts produzieren und Krach machen dürfen, ist eine Besonderheit in der Region. Und das neben Fledermäusen, Schwalben und anderen seltenen Tieren.

Wumms. 22 Gebäude werden es sein, die eine Firma aus Bremen am Ende abgerissen hat. Die Mannschaftshäuser, aber auch eine der Sporthallen ist darunter.


Bald ein Bild aus alten Tagen: Auch diese Mannschaftsgebäude kommen alle weg. Fotos: Viola ter Horst
Bald ein Bild aus alten Tagen: Auch diese Mannschaftsgebäude kommen alle weg. Fotos: Viola ter Horst


Die Sanierungsarbeiten beinhalten nicht nur den Abriss, sondern auch die Entsorgung. "Es wird alles schön sauber getrennt", so Dickmanns. An den Straßenrändern stehen Container. Glas hier, Dämmmaterial dort, Rohre und Metall, Leitungen und Kabel, Fenster und Rahmen. Dann riesige Haufen. Holz neben Blech.

Wumm - wieder knallt ein Stück Hauswand in sich zusammen. Steine, Schutt und andere Naturmaterialien sollen - nach der Trennung und abschließenden Kontrolle auf Schadstoffe - in die "Grüne Mitte" eingearbeitet werden. Jetzt liegt das Mauerwerk auf riesigen Haufen nebeneinander. Die Straße, die mitten hindurch führt, verschwindet später. Nur die Bäume sollen in ihrer reihenförmigen Anordnung daran erinnern, dass hier einmal Bundeswehrfahrzeuge entlangratterten. Statt dessen soll in das elf Hektar große Areal, das als Ausgleichsfläche mitten in dem Industriegebiet zwischen produzierenden Firmen liegt, Heide gesät werden. Und eine Landschaft entstehen, wie sie hier typisch ist und vor der Ansiedlung der Bundeswehr geherrscht hatte. "Bis die Heide angegangen ist, vergehen allerdings ein paar Jahre", sagt Bauleiter Alfred Richters (Stadtentwicklungsgesellschaft). Schafe sollen sich später um die Pflege kümmern - und auch ins Tierhaus einziehen.



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