Peckedrath schließt Ende März


Stefan Prost ist seit 1999 Geschäftsführer bei Peckedrath. Nun muss er die Schließung des traditionsreichen Ladens an der Letter Straße abwickeln. Foto: ugo
Stefan Prost ist seit 1999 Geschäftsführer bei Peckedrath. Nun muss er die Schließung des traditionsreichen Ladens an der Letter Straße abwickeln. Foto: ugo


Coesfeld. Zwischen Märklin-Eisenbahnen, puscheligen Steiff-Tieren und Dinosauriern aus Kunststoff herrscht zur Mittagszeit gähnende Leere im Spielwarengeschäft Peckedrath. "Früher kamen nach der Schule häufig Kinder und Jugendliche ins Geschäft, doch mit den längeren Unterrichtszeiten bleiben sie inzwischen weg", klagt Geschäftsführer Stefan Prost. Damit beschreibt er ein Problem von vielen, die ihn eine harte Entscheidung treffen ließen. "Wir müssen das Geschäft am 31. März schließen."

Schon seit Wochen fragen sich die Kunden, wie es um den sichtlich angeschlagenen Laden bestellt ist. Rabattaktionen, Umzuggerüchte. Nun ist die Katze aus dem Sack, das Ende einer Ära eingeläutet, die an der Letter Straße im Jahr 1950 begann.


Prost ist anzumerken, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Doch aufgrund der aktuellen Entwicklungen war ihm nach der Spielwarenmesse in Nürnberg klar: das Geschäft hat in dieser Form keine Zukunft mehr. So beginnt morgen der Ausverkauf mit dicken Rabatten, um bis Ende März alles aus den Regalen zu bekommen.

"Den rechten Zeitpunkt für den Schlussstrich" meint Prost in Absprache mit seinen zwölf Mitarbeitern nun gefunden zu haben, die glücklicherweise teilweise schon neue Stellen gefunden oder in Aussicht hätten. Dass sich das Spielwarengeschäft selber zu einem aussterbenden Dinosaurier entwickelt hat, kam freilich nicht über Nacht.

"Wir spüren immer stärker die Auswirkungen des demografischen Wandels", nennt Prost einen der Gründe. Zudem habe sich das Spielverhalten der Kinder geändert, die immer stärker durch elektronische als durch klassische Spiele angezogen würden. "Hinzu kommt die immer stärkere Konkurrenz durch den Internet-Handel." Immer mehr Kunden ließen sich zwar gerne vor Ort beraten, würden dann aber im Internet billiger und auch noch frei Haus einkaufen. "Da können wir einfach nicht mehr mithalten", so der 49-Jährige entmutigt. Da habe auch nicht genutzt, mit Service und Fachwissen gegenzuhalten.

Dass diese Faktoren wichtig sind für den Einzelhandel, weiß Prost als Aktivposten im Stadtmarketing Verein natürlich. Und vor diesem Hintergrund fällt ihm die Entscheidung besonders schwer. "Mit dem Spielwarengeschäft haben wir viele Familien in die Stadt gebracht", ist er sich im Klaren. Doch was im Spielwarenbereich gelte, dürfte auch in anderen Sortimenten zutreffen. "Die Hersteller entscheiden mit den gewählten Vertriebswegen über die Zukunft von Einzelhandelsgeschäften maßgeblich mit." Will sagen: Wenn man dieselbe Ware im Internet oder Kaufhaus auf der grünen Wiese deutlich billiger bekommt, werden die Innenstädte veröden.

Angesprochen auf seine Zukunftspläne will Prost, der seit 1999 Geschäftsführer ist, nicht ausschließen, am hiesigen Standort als Anbieter von Spielwaren in Erscheinung zu treten - in welcher Form auch immer.

Zwar würden immer mehr klassische Spielwarengeschäfte aussterben. "Es gibt aber mit modernen Konzepten durchaus zukunftsfähige Modelle, wie das MuKK in Münster zeigt." Wer künftig das 650 qm große Ladenlokal nutzen wird, ist laut Prost noch offen.

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22 · 02 · 12





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