Billerbeck. Mit scharfer Schere beschneidet Winfried Rusch seine Kletterrose „Bobby James“. Die alten abgefrorenen Triebe müssen raus. „Dieser Winter hat dem Garten ganz schön zugesetzt“, berichtet der 64-jährige Billerbecker, während er sich einem anderen Phänomen zuwendet: eingerollten Blättern an den Rosen. Die rühren von einem Insekt her, dass sich als Larve über die Knospen hermacht. „Spritzen will ich nicht“, sagt der Gartenbesitzer - „das würde ja auch allen Nützlingen schaden.“ Er setzt lieber darauf, dass die Meisen sich des Problems annehmen. Was die übrig lassen, erledigt er selbst. Per Handarbeit. „Jeden Tag gehe ich durch den Garten und knipse eingerollte Blätter ab.“ Er rollt ein weißlich eingesponnenes Blatt auf. Es ist leider schon leer. Die Larve hat sich schon auf den Weg gemacht.
Aber das ist nicht allzu schlimm - in seinem naturnahen Garten ist viel Platz für allerlei Getier, ob freundlich oder feindlich. Und natürlich auch für Menschen. Rusch lädt nämlich regelmäßig nicht nur Freunde ein, die Pracht seiner vielen hundert Rosenbüsche in unzähligen Arten zu bewundern, sondern auch Fremde. Einmal im Jahr öffnet er seinen Garten für jedermann - nunmehr seit zehn Jahren. Aus seiner Initiative ist eine richtige westfalenweite Bewegung geworden. „Mit drei offenen Gärten sind wir angefangen“, erinnert er sich bei einem Plausch auf der Terrasse. Ein mit Steinen ausgelegter Bachlauf schlängelt sich daran vorbei. Das Wasser rauscht hinab in einen kleinen Teich. Nebenan blühen die ersten wilden Rosen. Reinweiß. Mit gelben Staubgefäßen. Die Natur ist schon weit in diesem Jahr. „Ich hoffe, dass auch am 7. Juni noch was blüht“, sagt er mit Blick auf den gewaltigen Schuss, den die Gewächse dank des Regens in den letzten Wochen bei ihm gemacht haben.