Willkommen im Paradies


Im Naturgarten von Winfried Rusch mit seinen hunderten von Rosen gibt es immer etwas zu tun: Mit der Schere schneidet er wintertrockene Triebe heraus. Alles wird herausgeputzt für Sonntag, den 7. Juni. Dann lädt er wieder zum Schautag ein.
Im Naturgarten von Winfried Rusch mit seinen hunderten von Rosen gibt es immer etwas zu tun: Mit der Schere schneidet er wintertrockene Triebe heraus. Alles wird herausgeputzt für Sonntag, den 7. Juni. Dann lädt er wieder zum Schautag ein.
(Foto: ds)


Billerbeck. Mit scharfer Schere beschneidet Winfried Rusch seine Kletterrose „Bobby James“. Die alten abgefrorenen Triebe müssen raus. „Dieser Winter hat dem Garten ganz schön zugesetzt“, berichtet der 64-jährige Billerbecker, während er sich einem anderen Phänomen zuwendet: eingerollten Blättern an den Rosen. Die rühren von einem Insekt her, dass sich als Larve über die Knospen hermacht. „Spritzen will ich nicht“, sagt der Gartenbesitzer - „das würde ja auch allen Nützlingen schaden.“ Er setzt lieber darauf, dass die Meisen sich des Problems annehmen. Was die übrig lassen, erledigt er selbst. Per Handarbeit. „Jeden Tag gehe ich durch den Garten und knipse eingerollte Blätter ab.“ Er rollt ein weißlich eingesponnenes Blatt auf. Es ist leider schon leer. Die Larve hat sich schon auf den Weg gemacht.

Aber das ist nicht allzu schlimm - in seinem naturnahen Garten ist viel Platz für allerlei Getier, ob freundlich oder feindlich. Und natürlich auch für Menschen. Rusch lädt nämlich regelmäßig nicht nur Freunde ein, die Pracht seiner vielen hundert Rosenbüsche in unzähligen Arten zu bewundern, sondern auch Fremde. Einmal im Jahr öffnet er seinen Garten für jedermann - nunmehr seit zehn Jahren. Aus seiner Initiative ist eine richtige westfalenweite Bewegung geworden. „Mit drei offenen Gärten sind wir angefangen“, erinnert er sich bei einem Plausch auf der Terrasse. Ein mit Steinen ausgelegter Bachlauf schlängelt sich daran vorbei. Das Wasser rauscht hinab in einen kleinen Teich. Nebenan blühen die ersten wilden Rosen. Reinweiß. Mit gelben Staubgefäßen. Die Natur ist schon weit in diesem Jahr. „Ich hoffe, dass auch am 7. Juni noch was blüht“, sagt er mit Blick auf den gewaltigen Schuss, den die Gewächse dank des Regens in den letzten Wochen bei ihm gemacht haben.


Am 7. Juni öffnet der „Gartenverrückte“ sein Paradies wieder für die Allgemeinheit - wie die meisten teilnehmenden Gärten aus hiesigen Breiten. 19 Gartenbesitzer aus dem Kreis Coesfeld machen mit. Schwerpunkte sind Dülmen (5), Billerbeck (4), Holtwick (3), Nottuln (3) Lüdinghausen (2), Nordkirchen (1) und Coesfeld (1). Westfalenweit sind diesmal im gesamten Aktionszeitraum, der von Mai bis November reicht, sogar 77 Gärten dabei. Das sind noch einmal elf mehr als im bisherigen Rekordjahr 2008. Im Gegensatz zu früher, wo man eine Broschüre erwerben konnte und damit dann in allen Gärten freien Eintritt hatte, läuft die Aktion jetzt dezentral. Die Broschüre (Auflage: 6000 Stück) gibt es noch. Sie enthält alle Adressen der teilnehmenden Gärten und die Termine, wann sie geöffnet sind. Sie liegt an vielen Stellen (Gartencenter, öffentliche Verwaltungen) kostenlos zur Mitnahme aus, kann aber auch bei Winfried Rusch, Lindenstraße 6, 48727 Billerbeck, schriftlich angefordert werden. Es muss lediglich ein mit 1,45 frankierter und an sich selbst adressierter DIN-A-5-Umschlag beigefügt werden.

Die Eintritte regelt jeder Gartenbesitzer selbst. Viele Gärten sind kostenlos zu besuchen. Andere nehmen eine kleine Spende - für die „Gartenkasse“ oder auch für wohltätige Zwecke. Rusch nimmt einen Euro und bietet in seinem Rosengarten diesmal auch Kaffee und Kuchen an. Mit dem Erlös unterstützt er die Initiative eines Havixbecker Vereins, der ein Krankenhaus in Nord-Indien unterstützt. Eine dicke Hummel schwirrt herbei, wälzt sich genussvoll im Nektar der weißen Wildrose. Für tierische Besucher ist der „Tisch“ bei Rusch offenbar schon jetzt reichhaltig gedeckt. . .



13 · 05 · 09





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