Zankapfel Gemeinschaftsschule

Coesfeld. 150 hochinteressierte Schüler im Publikum, vier Diskutanten und zwei Moderatoren auf dem Podium: Das waren die "Zutaten" für die gelungene Veranstaltung "Get ready for Life!" der Bezirksschülervertretung des Kreises Coesfeld. In der Bürgerhalle Coesfeld diskutierten der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Klaus Kaiser, SPD-Landtagsabgeordneter Prof. Dr. Rainer Bovermann sowie die Landtags-Direktkandidaten der Grünen, Norbert Vogelpohl, und der FDP, Henning Höne unter Leitung der Bezirksschülersprecher Louisa Wember und Yannik Fleer neun Wochen vor der Landtagswahl über Schulpolitik. Rege nutzten die Besucher die Gelegenheit, Fragen an die Politiker zu stellen. Einen großen Teil der Debatte nahm die Diskussion über das Für und Wider einer Gemeinschaftsschule ein. Die Kandidaten der SPD und Grünen sprachen sich für eine Gemeinschaftsschule aus. Die entstehenden heterogenen Lerngruppen hätten einen positiven Effekt auf die Lernleistung aller und das Konzept führe zu größerer sozialer Gerechtigkeit. Bovermann: "So bleibt niemand auf der Strecke." Er verwies darauf, dass Deutschland Schlusslicht im europäischen Vergleich sei. Die skandinavischen Länder hätten schon längst Gemeinschaftsschulen eingerichtet. Die Politiker von CDU und FDP lehnten die Gemeinschaftsschule ab, weil sie das individuelle Talent einzelner beschneiden und so die Lernvielfalt einschränken würde.

Für Diskussionsstoff sorgte auch die von der Landesregierung angepeilte Oberstufenreform, die fünf "Mini-Leistungskurse" mit nur vier Wochenstunden vorsieht. Fächer wie Sozialwissenschaften und Geschichte dürfen nicht mehr kombiniert werden. Das führe zu mangelnder politischer Bildung, so Lehrer Werner Völlering. Er verlangte Auskunft darüber, "ob die Regierungsparteien so eine katastrophale Entwicklung befürworten". CDU-Mann Kaiser sagte, dass die Reform noch "Zukunftsmusik" sei, er nähme die Einwände aber ernst.


Aus dem Publikum wurde natürlich auch gezielt nach der Haltung zu Studiengebühren gefragt. Kaiser begrüßte sie, weil so die Studienbedingungen für alle verbessert werden könnten: "Ich zahle gerne die Studiengebühren für meine beiden Töchter!" Bovermann vertrat die gegenteilige Meinung: "Studiengebühren führen dazu, dass einkommensschwache Abiturienten von der Möglichkeit ausgeschlossen werden, zu studieren. Sie sind höchst ungerecht!"

Zum Schluss sollten die Podiumsteilnehmer den Satz "Wenn ich Schulminister bin, werde ich als erstes" vervollständigen. Höne will die Drittel-Parität in der Schulkonferenz wieder einführen, was allerdings im Gegensatz zur FDP-Parteilinie steht. Bovermann und Vogelpohl wollen die Kopfnoten und die Studiengebühren abschaffen. Kaiser will mehr Finanzmittel für die Schulen freischaufeln.



01 · 03 · 10





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