Tolle Hommage an ein Kultstück

Was tut sich da im Treppenhaus: Bernhard Tramsen (Franz Potthoff, links) und Meta Boldt (Marita Schwaer).
Was tut sich da im Treppenhaus: Bernhard Tramsen (Franz Potthoff, links) und Meta Boldt (Marita Schwaer).


Darfeld. Ja, ja, die gute Meta Boldt. Natürlich ist sie nicht neugierig. "Mich soll der Schlag treffen, wenn ich auch nur ein Wort mitbekommen habe", versichert sie. "Man will ja nicht als Quatschtante gelten." Sie sagt`s und hat das Ohr schon wieder am Schlüsselloch. Ebenso frech wie unterhaltsam kommt die "Kwaterie in`t" Treppenhus daher, mit der die Spielschar Darfeld eine tolle Premiere feierte.

Ein Kultstück, das seit Jahrzehnten als "Tratsch im Treppenhaus" aus dem Ohnesorg-Theater bekannt ist. "Bei Marita Schwaer und Marlies Bertels hat es die Liebe zum Volkstheater geweckt und den Wunsch, einmal so eine Rolle wie Heidi Kabel zu spielen", weiß Regisseur Heinz Schwering. Kein Wunder also, dass die beiden Darfelder Originale zwei Hauptrollen spielen: Marita "Stövi" Schwaer verkörpert die Meta Boldt, die sich immer und überall einmischt, Marlies Bertels spielt ihre Nachbarin Hanne Knoop - hilfreich, aber auch resolut und unerschrocken. Beide eine perfekte Besetzung.


Und noch einer läuft zu Höchstform auf: Jans Mesenbrock darf seinem Vorbild Henry Vahl alle Ehre machen in der Rolle des erst grantigen, später liebenswerten Nachbarn, den Steuerinspektor a..D. Ewald Brummer. Wie er im dritten Akt ordentlich beschwipst mit Marlies Bertels durch das Treppenhaus stolziert, zählt zu den absoluten Höhepunkten des Stückes. "Auch der Herbst hat noch mal warme Tage", stellt Hanne beglückt fest.


Stimmung pur nach dem Stiftungsfest des Karnickel-Zuchtvereins: Ewald Brummer alias Jans Mesenbrock (links) und Hanne Knoop (Marlies Bertels) haben ihren Spaß.
Stimmung pur nach dem Stiftungsfest des Karnickel-Zuchtvereins: Ewald Brummer alias Jans Mesenbrock (links) und Hanne Knoop (Marlies Bertels) haben ihren Spaß.
(Fotos: fw)


Was Ewald Brummer und Hanne Knoop verbindet: Sie haben beide verbotenerweise einen Untermieter aufgenommen - Ewald seinen Neffen Dieter (René Schürmann bei seiner Premiere ebenso draufgängerisch wie souverän), Hanne die von zu Hause ausgebüxte Heike Seefeld (Julia Mühlenkamp mit ganz viel Charme). Das ruft Hausbesitzer Bernhard Tramsen auf den Plan: Franz Potthoff verkörpert hervorragend den liebestollen Metzger, denn nicht nur ihm hat Heike gehörig den Kopf verdreht. Vervollständigt wird das Team vom souverän aufspielenden Uli Gövert, der Heikes Vater darstellt, und von Youngster Lennart Potthoff in seiner ersten Rolle als Bäckerjunge.

Ein starkes Stück, das Heinz Schwering mit Unterstützung von Karin Monse (Souffleuse) und Margret Scheipers (Kostüme) auf die Bühne gebracht hat - die übrigens von Bernd Feldmann und seinem Team wie ein echtes Treppenhaus gestaltet ist. Und nicht nur das: "Weil das Ohnesorg-Theater früher im Fernsehen noch in schwarz-weiß lief, haben wir das als Hommage an das große Vorbild aufgegriffen", lächelt Heinz Schwering. Nur einige wenige Kleinigkeiten stechen in besonderen Momenten heraus......

Wer das sehen und zum Beispiel miterleben möchte, wie die Einladung zum Stiftungsfest des Karnickel-Zuchtvereins den Hausfrieden maßgeblich beeinflussen kann, der sollte sich schleunigst eine der Restkarten für die Aufführungen sichern. Denn: Selbst sehen ist viel besser als sich alles nur erzählen lassen - man will ja nicht als Tratschtante gelten.


01 · 03 · 10



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