Osterwick. Plötzlich ist er weg. "Taip", ruft Petra Schlüsener. "Na komm, komm hier her." Doch Taip hat seinen eigenen Kopf. Erst nachdem er vor den anderen Hunden einmal hin und her gelaufen ist, hört er auf sein Frauchen und kommt ganz gemächlich zurück. "Ich weiß ja. Du bist ein echter Clown", sagt die Hundeführerin lachend und hockt sich hin, um ihn wieder an die Leine zu nehmen. "Ich habe wirklich keine Ahnung, wie du das wieder geschafft hast. Aber das bist halt du. Ein Spaßvogel im Fellmantel."
Petra Schlüsener trainiert zusammen mit einigen anderen Hundeführern des DVG Rosendahl-Osterwick zweimal die Woche auf dem Hundeplatz in Osterwick. Zum ersten Mal nimmt sie mit ihrem Bearded-Collie-Rüden an dem Agility-Turnier am kommenden Wochenende teil. Die Jahre vorher hatte sie mit ihrem anderen Hund Boomer an Turnieren teilgenommen. Durch seinen Kreuzbandriss ist das aber nicht mehr möglich.
Petra Schlüsener und ihr Hund Taip sind ein Herz und eine Seele. Auch wenn es um die einstündige Fellpflege einmal in der Woche geht, ist er ganz ruhig. (Fotos: Inga Kujas)
Links. Rechts. Wieder wechselt Petra Schlüsener die Seite, als sie strammen Schrittes zum Slalom geht. Dort führt sie ihren rechten Arm probeweise an den bunten Stangen entlang - aber ohne Taip. Denn jetzt ist es erstmal wichtig, sich die Nummerierung der Hindernisse zu merken. Wie beim Turnier ist die Reihenfolge von Mauer, Tunnel und Co. vorgeschrieben.
Das Laufen durch den Tunnel bekommt Taip schon ganz gut hin. Mal gucken wie das auf dem Turnier am Wochenende klappt.
Petra Schlüsener und Taip kennen sich schon lange. Damals, im Jahr 2006, war sie bei seiner Geburt dabei. Und obwohl noch nicht alle Welpen auf der Welt waren, wusste sie, dass er der Richtige ist. "Natürlich gab es Zeiten, in denen ich an dieser Entscheidung gezweifelt habe. Denn von Anfang hat er so einiges angestellt." So musste zum Beispiel das Englischvokabelheft ihres Sohnes dran glauben. "Es war ruhig im Haus und ich traute der Sache nicht. Als ich ihn fand, saß er seelenruhig vor dem Tornister meines Sohnes und knabberte an dem Heft. Ärgerlich war ich nicht. Jeder Welpe macht das wohl mal", erzählt die 44-Jährige rückblickend.
Heute ist ihm so etwas zu anstrengend. Zuhause liegt er nämlich lieber schlafend im Bett. "Ich habe ihn dort schon oft gefunden", sagt sie lachend. "Das ist eigentlich der Platz, an dem man ihn immer finden kann, wenn man gerade nicht weiß, wo er ist." Im Haus müsse man ihn oft ein paar Mal rufen, bis Taip langsam um die Ecke geschlichen kommt. "Zuhause ist er ausgeglichen. Nur auf dem Platz ist er wie ausgewechselt."
Taip ist jetzt an der Reihe. Sofort will er los. "Taip, komm her", ruft sie und führt den Rüden zum Anfang der ersten Hürde. "Sitz - sitz - und los." Blitzschnell springt Taip, läuft durch den Tunnel und zurück durch den Slalom. "Und Zickzack", ruft die Hundeführerin während sie neben ihm joggt. Am letzten Hindernis, Nummer acht, stoppt er, setzt sich und guckt hoch. "Ja ich weiß mein Schatz", sagt sie und wirft einen kleinen weißen Ball weg. Und wieder ist Taip weg - dieses Mal aber nur sehr kurz. Mit dem Ball im Maul setzt sich Taip vor sie und wartet. "Hier hast du dein Leckerli", sagt sie. "Das Spiel am Ende ist seine Belohnung. Er hat Spaß daran und der steht bei uns im Vordergrund."
0 Zum Turnier am Sonntag, (1..8.) sind alle Interessenten willkommen. Los gehts um 9 Uhr. Die Siegerehrung ist um 16 Uhr. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Die Veranstalter bitten bei den Hunden der Gäste um den Impfausweis.