-pb- Darfeld. "Darf ich bitte einen von diesen kleinen, weißen Steinen vom Grabstein meiner Familie Humberg für meine Mutter nach England mitnehmen", fragt Sally Koch sichtlich bewegt mit Tränen in den Augen. Eigentlich ist der Ort, an dem sie steht, ein friedlicher Anblick: Denn der jüdische Friedhof in der Darfelder Bauerschaft Oberdarfeld liegt an diesem Nachmittag von Sonnenstrahlen überflutet in einem sattem Grün. Weiße Steine leuchten von den Grabmälern und sind Zeugnis freundlicher Besuche. Doch bei der jungen Frau aus England nahe der Stadt Rugby löst dieser Anblick zwiespältige Gefühle - Freude und Trauer - aus.
Sally Koch ist eine der wenigen Nachfahren der Familie Humberg aus Darfeld. Ihre Großmutter war Johanna Humberg, die 1908 als Tochter des jüdischen Viehhändlers Adolf Humberg und dessen Ehefrau Julia Rosenthal in Darfeld zur Welt kam. Die Familie lebte zunächst am Kirchplatz (heute Nikolauskirchplatz) und später in der Bauerschaft Hennewich. Johanna Humberg heiratete um 1932 Leo Meyer. 1936 zog das junge Paar zunächst nach Salzkotten. Während Leo Meyer in die Mühlen des Naziregimes geriet und ins KZ Buchenwald verschleppt wurde, gelang Johanna Humberg gemeinsam mit der dreijährigen Tochter Helga drei Jahre später die Flucht nach England. Wie ein Wunder mutet es an, dass Leo Meyer aus dem KZ Buchenwald flüchten und der Familie nach England folgen konnte. 1943 wurde dann die Tochter Nanette, Sallys Mutter, in Wales geboren.