"Auch meine Großmutter hat hier gespielt"


Auf ihrer Spurensuche wurden die 39-jährige Engländerin und ihre Familie am Heimat- und Bürgerhaus "Bahnhof Darfeld" vom Vorsitzenden des Darfelder Heimatvereines, Rolf van Deenen (r.), herzlich empfangen.
Auf ihrer Spurensuche wurden die 39-jährige Engländerin und ihre Familie am Heimat- und Bürgerhaus "Bahnhof Darfeld" vom Vorsitzenden des Darfelder Heimatvereines, Rolf van Deenen (r.), herzlich empfangen.
(Foto: Peter Brüggemann)


Rosendahl. In einer der letzten Ausgaben berichteten wir über die Engländerin Sally Koch, die sich auf Spurensuche nach ihren jüdischen Vorfahren, der Familie Humberg in Darfeld, befand.

Über das Schicksal der Familie Humberg war allerdings zuvor sehr wenig bekannt. Durch den Kontakt zu Sally Koch konnten jedoch wesentliche Lücken gefüllt werden. "Das Einzelschicksal veranschaulicht die Verbrechen der NS-Zeit emotional sehr viel tiefgehender als es jede Statistik des Grauens leisten kann. Deshalb ist dieses Forschungsfeld so ungemein wichtig", beschreibt Roters ihre Rolle. Gemeinsam mit ihr und ihrer Familie, ihrem aus Deutschland stammenden Ehemann Michael und den beiden kleinen Töchtern Hannah und Milly, begab sich Sally nun auf die Spurensuche in Darfeld.


Am Heimat- und Bürgerhaus "Bahnhof Darfeld" wurde die 39-Jährige vom Vorsitzenden des Darfelder Heimatvereines, Rolf van Deenen, herzlich empfangen. Seine Erläuterungen zur Geschichte des ehemaligen Bahnhofes stießen auf großes Interesse. Denn auch für die im Viehhandel tätige Familie Humberg dürfte der Bahnhof wegen der von dort täglich abgehenden Viehtransporte von besonderer Bedeutung gewesen sein.

Wenig später konnte sich Sally Koch selbst davon überzeugen, dass auch das ehemalige Wohnhaus der Familie Humberg noch am heutigen Nikolausplatz steht. Im Schatten der Kirche ist die alte Kirchplatzbebauung bis heute erhalten. Offensichtlich nicht ganz so beeindruckt sind Hannah und Milly. Denn die Kinder jagen den ersten herabfallenden Herbstblättern hinterher. "Vermutlich hat auch meine Großmutter wie heute meine Kinder hier gespielt", lächelt Sally.

Die wichtigste Station der Zeitreise ist für die Gäste dann der jüdische Friedhof in Oberdarfeld, wo ihre Vorfahren die letzte Ruhe fanden. Dort ruhen Sallys Urgroßeltern Simon und Bertha Humberg. Sie starben 1910 beziehungsweise 1926 und damit noch vor dem Beginn der Naziherrschaft. An das Ehepaar erinnert bis heute ein gut erhaltener Grabstein. Ihre Kinder und Enkelkinder hingegen wurden verjagt, verfolgt, deportiert und umgebracht. Keiner von ihnen kehrte zurück nach Darfeld. Auch ihre Gräber hätte Sally gerne besucht.



29 · 08 · 10





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