Osterwick. Von Nizza nach Paris, von Paris der Liebe willen nach Münster und von Münster nach Rosendahl - das Publikum quittiert Jean-Claude Séférians augenzwinkernde Aufzählung seiner Lebensstationen mit schmunzelndem Applaus. Und amüsiert sich köstlich bei seiner Interpretation der "deutsch französischen Leidenschaft", einem frech-fröhlichen Chanson über die bunt-polyglotte Liebe zwischen dem gallischen Hahn und dem deutschen Huhn, die sich fürs weitere Leben zusammentun.
Dank seinem "Huhn", Ehefrau Christiane Rieger-Séférian, die ihn nicht nur nach Münster gelockt hat, sondern ihn auch charmant und schwungvoll am Klavier begleitet, können die zahlreichen Konzertbesucher jetzt ein Stückchen Frankreich mitten in der Sporthalle in Osterwick erleben.
Ebenso wichtig wie "L´Amour" sei die Freundschaft, betont der Chansonier und stellt als Freund den dritten im Bunde vor, den aus Polen stammenden Akkordeonspieler Piotr Rangno, der mit einer brillanten Spieltechnik seinem Instrument eine ungeheure Vielfalt an Klangfarben entlockt und damit viel zu der dichten Atmosphäre dieses Abends beiträgt.
In seinem Programm "La crème de la crème" hat Séférian Lieder zusammengestellt, die sein "Leben begleitet haben", eine mitreißende Mischung des "Savoir Vivre", der französischen Lebenslust und Melancholie. Getragen von seiner rauchigen Stimme, warm wie das Mittelmeer im Sommer, übermitteln die frechen, sehnsuchtsvollen Melodien ein breites Spektrum an Gefühlen und Stimmungen, die mitnehmen auf eine Reise voller Erinnerungen - an die Jugend, den vergangenen Urlaub, romantische Tête-â-têtes. Als Einstimmung auf das jeweilige Chanson erzählt Séférian kurze Anekdoten. So habe seine Mutter ihm als Schlaflied immer "Paris canaille" vorgesungen, als temperamentvolles Lied über Paris. Es ist das Gegenteil eines Schlafliedes - alle Füße wippen im Takt mit. Und mit dem melancholischen Herbstlied "Les feuilles mortes" (Die toten Blätter) habe sie seinen Vater geangelt.
Fühlt sich das Publikum bei vielen Ohrwürmern schon zum Mitsummen verlockt, darf es bei Edith Piafs "Padam" als Chor mithelfen und auch bei seiner eigenen Komposition "J´ai chanté" lernt es schnell den Refrain. Wen wundert´s, schließlich besteht ja eine intensive deutsch-französische Partnerschaft mit Entrammes. Überhaupt die Politik. Eine kleine Spitze gegen Sarkozys Roma-Politik kann sich Séférian nicht verkneifen: George Moustaki ist halber Ägypter, Charles Aznavour, wie er selbst, armenischer Herkunft: "Ohne sie hätten wir viele tolle Lieder nicht!" Der Applaus des Publikums gibt ihm recht und erst nach drei Zugaben, begleitet von stehenden Ovationen, dürfen die drei Künstler gehen.