Leitspruch: „Planung ist Optimismus“


Christian Jakob beschäftigt sich seit Monaten mit der Umgestaltung des Niederorts. Ein wichtiger Diskussionspunkt ist die Zukunft der großen Kastanien.Foto:
Christian Jakob beschäftigt sich seit Monaten mit der Umgestaltung des Niederorts. Ein wichtiger Diskussionspunkt ist die Zukunft der großen Kastanien.Foto:
(Peter Beckmann)


Sie haben sich seit Monaten in Sachen Niederort sehr engagiert und unter anderem auch eine Bürgermitteilung durchgeführt. Sind sie sehr enttäuscht über die sehr geringe Resonanz darauf?

Christian Jakob: Ich hätte mir natürlich mehr Beteiligung gewünscht. Aber die Bürger, die sich eingebracht haben, haben dies sehr konstruktiv getan. Das war durchaus erfolgreich. Auch die Gespräche mit den Anliegern fanden in einer sehr angenehmen und konstruktiven Atmosphäre statt. Es wurde von allen sehr positiv wahrgenommen, dass wir auf die Bürger zugegangen sind. Ich denke, dass wir auch künftig im Rahmen des integrierten Handlungskonzeptes so etwas machen werden.


Trotz der mäßigen Resonanz?

Jakob: Ich möchte das gar nicht bewerten. Aber es ist auch für die Bürger ein Stück weit ein Lernprozess, dass von Seiten der Verwaltung diese aktive Beteiligung der Bürger forciert wird.

Nervt es Sie, dass die Grünen jetzt das Ergebnis der Bürgerbefragung anzweifeln?

Jakob: Der Plan von Hillebrand und Welp ist ja nur die Grundlage für die weitere Planung. Was da zum Schluss heraus kommt, ist ja noch offen. Aber wir müssen an irgendeiner Stelle weiter machen, können die Bürgerbeteiligung nicht ewig laufen lassen, bis ein Ergebnis heraus kommt, das allen gefällt. Das wird es sowieso nicht zu 100 Prozent geben. Die Bürgerbeteiligung hat ein Ergebnis ergeben, dass wir der Politik vorgestellt haben. Die Politik hat das so angenommen, damit ist das Ergebnis legitimiert. Und ich kann damit gut leben.

Beschreiben Sie noch einmal die Grundelemente des Plans in zwei, drei Sätzen.

Jakob: Grundlage ist die neue Verkehrsführung im Niederort, die zwei verkehrsfreie Platzkanten schafft, in denen Aktionsflächen entstehen können. Eine Besonderheit des Hillebrandschen Entwurfs ist die Inszenierung der Platzmitte durch die Darstellung des Stadtgebietes mit Hilfe einer Pflasterung durchlaufen mit einem kleinen Emsverlauf. Die Platzmitte ist umstellt von Leuchtkörpern in Form von Stelen. In dieser Platzmitte soll das Spielen stattfinden und rundherum ist Aktionsfläche.

Besonders umstritten ist ja die Tatsache, dass im Plan Hillebrand fast alle Kastanien verschwinden. Glauben Sie nicht, dass es, wenn es so weit ist, zu Protesten kommt?

Jakob: Proteste sind ja ein legitimes demokratisches Mittel. Die Frage ist dann natürlich, wie man damit umgeht. Aber diese Frage muss ich als Stadtplaner nicht beantworten. Doch im Rahmen der Bürgerbeteiligung haben sich nur etwa zehn Prozent dafür ausgesprochen, den Niederort mit seinen Bäumen so zu belassen. Aber das ist grundsätzliche keine Frage von richtig oder falsch. Deswegen helfen da auch Gutachten nicht weiter. Alle Beteiligten müssen sich aber die Frage stellen, ob es legitim ist, viel Geld für die Platzgestaltung auszugeben, in dem Wissen, dass das nur 20 Jahre Bestand hat. Denn laut Gutachten ist die Lebensdauer der Kastanien auf diesen Zeitraum begrenzt. Und deshalb sollte meines Erachtens auch die grundsätzliche Frage geklärt werden, ob denn die drei Bäume im Westen, die im Plan Hillebrand und Welp stehen bleiben sollen, nicht durch junge, vitale Bäume ersetzt werden können.Sie haben eben schon das Thema Geld ins Gespräch gebracht. Für die Umgestaltung des Niederorts wird ja auch ein nicht kleiner Betrag benötigt, der von privater Seite aufgebracht werden soll. Wie optimistisch sind Sie, dass das Geld auch zusammen kommt?

Jakob: Mein Leitspruch ist ,Planung ist Optimismus. Wenn wir in der Verwaltung nicht den Glauben hätten, dass das klappt, hätten wir dieses Projekt gar nicht angestoßen. Natürlich haben wir den Glauben, dass wir entsprechende Mittel von privater Seite akquirieren können.

Haben Sie die Fühler schon ausgestreckt?

Jakob: Daran wird gearbeitet. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir demnächst auch mit Ergebnissen an die Öffentlichkeit gehen können.

Der Niederort ist ja nur ein Projekt im Rahmen des Handlungskonzeptes. Wo sind in der Innenstadt die Stellen, wo etwas passieren muss?

Jakob: Ein ganz entscheidender Punkt sind die Großprojekte - Stichwort Martini-Passage und Rathaus-Carree - also die Ansiedlung großflächiger Einzelhandelsgeschäfte. Das fehlt in der Einkaufswelt in Greven.

Aber darauf hat die Verwaltung ja relativ wenig Einfluss.

Jakob: Mittelbaren Einfluss haben wir schon. Wir - das heißt Politik und Verwaltung - können das schon steuern und diskutieren, welche Einzelhandelskonzepte wir uns vorstellen können. Das momentane Problem ist das der Eigentumsverhältnisse. Die Immobilienbesitzer müssen unter einen Hut gebracht werden. Daran arbeiten wir seit zwei, drei Jahren. Hinzu kommt, dass ein Investor immer gewinnmaximierend planen muss, wir auf der anderen Seite aber für die Stadthygiene im städtebaulichen Sinne verantwortlich sind und dementsprechend Ansprüche haben. Das passt natürlich auch nicht unbedingt immer zueinander. Aber ich bin da sehr positiv gestimmt, dass wir da in Kürze etwas erreichen werden. Das sind ganz wichtige Bausteine für die Stadtentwicklung . . .

. . . und vor allem für die obere Marktstraße.

Jakob: Die Entwicklung geht dort schneller voran, als wir es uns haben vor zwei, drei Jahren vorstellen können. Damals sah es noch nicht so schlecht aus, inzwischen ist das schon weniger schön. Da wäre die Ansiedlung eines großen Einzelhandelsgeschäftes sehr wichtig, um dort wieder Frequenz hereinzubringen. Dann sind auch die kleineren Ladenlokale wieder attraktiv. Diese bestehende Situation ist auch der Grund, warum Greven Mittel zur Städtebauförderung bekommen hat. Uns ist es gelungen zu verdeutlichen, dass wir ein großes Problem bekommen, wenn wir nicht agieren. Noch ist es möglich mit relativ geringen Mitteln die Entwicklung umzukehren. Deswegen haben wir diese Mittel auch bekommen. Die Struktur des Handels ist in Greven nach Schließung des Kaufhauses überwiegend sehr kleinteilig. Auch deswegen ist es dringend nötig, großflächige Einzelhandelsnutzungen zu bekommen. Wichtig ist es, Bewegung in die Sache zu bekommen. Und deswegen ist es wichtig, dass wir mit dem Niederort jetzt durchstarten.



03 · 02 · 12




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