Die Zahl der Einbürgerungen ist in ganz Deutschland seit Jahren rückläufig. Wechselten im Kreis Steinfurt 2001 noch 707 Menschen ihre Staatsbürgerschaft, waren es im vergangenen Jahr gerade 315 - eine Entwicklung, der die Kreisverwaltung nicht länger tatenlos zusehen möchte. Am Montagabend hatte der Kreis daher in Zusammenarbeit mit dem Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche in Ibbenbüren zu einer Informationsveranstaltung mit dem Thema „Einbürgerung im Kreis Steinfurt“ in die Ibbenbürener Schauburg eingeladen.
„Ich habe die Situation von Ausländern auf vielerlei Art kennengelernt“, sagte Ibbenbürens Bürgermeister Heinz Steingröver, der den Reigen der Redner eröffnete. Ihnen ablehnend zu begegnen, zeuge von mangelndem Selbstbewusstsein. Stattdessen müsse man auf die Leute zugehen, und sie einladen, mitzumachen. „Deutschland hat viel zu bieten“, erklärte er. „Es kann nicht sein, dass ein Teil der Bevölkerung komplett ausgeschlossen wird.“
Landrat Thomas Kubendorff ist Schirmherr der Kreisinitiative. „Wir möchten, dass die Zahl der Einbürgerungen wieder nach oben geht“, sagte er. „Wir wollen in erster Linie informieren.“ Zudem sei es wichtig, dem Thema in der öffentlichen Diskussion wieder einen Raum zu geben.
Die Ausländerbehörde ist in der Kreisverwaltung dem Ordnungsamt angegliedert. Während Ordnungsamtsleiterin Gerda Kaumanns durch den Abend führte, präsentierte Thomas Ostholthoff, der die Ausländerbehörde leitet, seinen Arbeitsbereich.
„Ich möchte der Einwanderungsbehörde im Kreis ein Gesicht geben“, erklärte er. Denn die Angst vor Behörden sei häufig mit ein Grund, warum sich viele Menschen gegen eine Einbürgerung entschieden. Weitere Hürden seien die Voraussetzungen, die ein Ausländer erfüllen müsse. Die hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. So müsse ein Ausländer vor der Einbürgerung zwar nicht mehr so lange in Deutschland leben, wie noch vor einigen Jahren, dafür seien die Sprachanforderungen aber ebenso wie die Kosten deutlich gestiegen. Das Verfahren sei kompliziert und langwierig. „Unser Ziel, die Zahlen zu steigern, ist ehrgeizig“, räumte Ostholthoff ein. Daher werde der Kreis demnächst seine Homepage mit Infos zu dem Thema anreichern. „Probieren Sie uns doch einfach mal aus“, lautete seine ermutigende Botschaft zum Schluss.
Kenan Araz, Leiter des Aktionsbüros Einbürgerung beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in Bochum, erläuterte abschließend die Voraussetzungen für eine Einbürgerung, aber auch bürokratische Hürden und kulturelle Hemmnisse, die die Menschen auf dem Weg zur deutschen Staatsangehörigkeit überwinden müssten.