„Euro-Rebell“ Frank Schäffler in Riesenbeck

„Euro = Europa = Frieden“ gilt nicht mehr


Drei gegen den Euro-Rettungsschirm: Prof. Ulrich van Suntum, Frank Schäffler und Philipp Vorndran (v.l.).Foto:
Drei gegen den Euro-Rettungsschirm: Prof. Ulrich van Suntum, Frank Schäffler und Philipp Vorndran (v.l.).Foto:
(Achim Giersberg)


Hörstel/Kreis Steinfurt - Ja, er habe bei der Bundestagswahl FDP gewählt, bekannte Philipp Vorndran, Kapitalmarktexperte beim Kölner Vermögensverwalter „Flossbach von Storch AG“. Aber: „Heute würde ich am liebsten meine Stimme wieder aus der Urne herausholen“ gestand er, um schnell hinzuzufügen „wenn es nicht Frank Schäffler und seinen Sachverstand gäbe.“

Der so gepriesene und als „Euro-Rebell“ bekannt gewordene FDP-Bundestagsabgeordnete war zweifellos das Zugpferd einer Veranstaltung, zu der die FDP Hörstel am Montagabend nach Riesenbeck eingeladen hatte. „Euro-Rettungsschirme: Sonne oder Regen?“ war der Abend überschrieben, zu dem gut 100 Gäste ins Hotel Stratmann gekommen waren.


Um es vorwegzunehmen: Schäffler, Vorndran und als Dritter im Bunde Prof. Dr. Ulrich van Suntum, Professor am Institut für Siedlungs- und Wohnungswesen der Uni Münster, halten vom ESM-Rettungsschirm gar nichts - statt „Regen“ würden sie wohl eher von einer Sintflut sprechen.

Doch der Reihe nach: Vorndran hinterfragte, ob die immer wieder propagierte Gleichung Euro=Europa=Frieden „auch nur ansatzweise“ so stimme. Vielmehr sei der Euro heute der Spaltpilz, der die Spannungen zwischen den Völkern wieder anziehen lasse. Für Griechenland sei ein „Haircut“, also ein teilweiser Schuldenerlass, unvermeidlich; im Gegenzug sollte das Land freiwillig aus der Euro-Zone austreten, riet er. Auch Portugal, Spanien und Irland, so seine Prognose, würden den Euro aufgeben müssen, und erst ein „Kern-Euro“, eventuell mit Polen und Tschechien, werde stabil. Auch für Italien sah der Experte schwarz.

Im Endeffekt werde es wohl darauf hinauslaufen, dass die Staaten sich über eine höhere Inflation entschulden werden. Das werde in ein bis zwei Jahren auch in den Köpfen der Wähler ankommen - eine Partei, die das thematisiere, könne 15 Prozent der Stimmen holen, sagte er und sah dabei Schäffler an.

Der warnte vor dem ESM, der den Weg in die galoppierende Inflation ebene. Die Alternative sei die Rückbesinnung auf Rechtsstaatlichkeit und marktwirtschaftliche Prinzipien, was gerade einer liberalen Partei gut zu Gesicht stünde. „Auch eine Bank muss pleite gehen können, sonst schafft man Zombie-Institute“, meinte er. Instrumente wie Schuldenbremsen und der ESM würden nicht funktionieren. Im Gegenteil: Der Rettungsschirm verhindere Reformen und ernste Sparbemühungen.

Das sah auch Prof. van Suntum so. Die Staaten, so seine Prophezeihung, würden sich das fehlende Geld nicht über die Inflation sondern direkt von den Bürger holen: Transaktionssteuer, Reichensteuer, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer seien die Stichworte. Auch er warnte vor dem demokratisch nicht legitimierten unumkehrbaren ESM-Schirm: „Wir haften mit unserem gesamten Wohlstand für die Schulden anderer Länder.“

Aus dem Publikum gab es für solche Positionen reichlich Beifall. Die FDP-Kreis-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Claudia Bögel jedoch rührte keine Hand: Die offizielle Position der FDP zu Europa und Euro ist schließlich eine ganz andere.

VON ACHIM GIERSBERG, STEINFURT


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