NEUENKIRCHEN. Auf den Etiketten unter den Bildern steht nicht „Pinakothek München“ oder „Museum of Modern Art New York“, sondern ganz einfach „Gemeinde Neuenkirchen“. Die neueste Ausstellung der Werke von Josef Hendel, die im Besitz der Gemeinde sind, wurden am Mittwochabend im Foyer der Bezirksregierung Münster am Domplatz eröffnet.
Wie kam es dazu? „Im Oktober 2010 bereisten wir den Kreis Steinfurt als Kultur-Tour auf der Suche nach kulturell besonders engagierten Kommunen“, sagte Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller. „Wir wollten uns ein Bild verschaffen von den Bemühungen der Städte und Gemeinden auf dem Gebiet lokaler Kulturpolitik“. Sie trafen in Neuenkirchen im „Jahr der Fülle“ genau auf die Ausstellung Hendels an acht Standorten.
„Aber auf Neuenkirchen sind wir damals außerdem wegen der großartigen Arbeit gekommen, die Sie dort im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters leisten. Das „Kinder-Theater-Festival“ mit seinem Preis „Thea“ - einer Skulptur von Otmar Alt - hat uns überzeugt“, betonte Feller. Bei dem Treffen in der Villa Hecking hatte sie diese Ausstellung angeregt, die jetzt eröffnet wurde.
Bürgermeister Franz Möllering erinnerte an die Zeit, als Hendel sich ab seinem 86. Lebensjahr zunehmend Gedanken über den Verbleib seiner Kunstwerke über sein Leben hinaus machte und die Gemeinde sich 1991 entschied, alle damals noch in seinem Besitz befindlichen - immer noch etwa 1500 Werke - komplett zu übernehmen.
Als Dank ehrte Möllering am Mittwoch alle, die die Ausstellung ermöglicht hatten. Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller überreichte er einen Hendel-Bildabdruck „Flut du Ebbe“ für ihr Arbeitszimmer. Hans-Peter Boer, verantwortlich für Kulturangelegenheiten bei der Bezirksregierung Münster, stand immer im Hintergrund, auch an diesem Abend. Aber weil er maßgeblich an der Ausstellung beteiligt war, bekam er eine hochprozentige Neuenkirchener Spezialität. Je einen Blumenstrauß bekamen Karin Klennert, die bei der Bezirksregierung die Organisation übernommen hatte, und natürlich Kunsthistorikerin Ute Ewering für die Auswahl der Werke.
Ewering erinnerte an sein Leben und seine besondere Gabe, nicht nur genial zu zeichnen, sondern auch den Sinn hinter dem Kunstwerk zu sehen. Am Beispiel „Magna im Erdmittelpunkt“ zeigt Hendel, dass das Magnetfeld der Erde vom Magma ausgeht und den Vögeln zur Orientierung nutzt. „Es geht Hendel in erster Linie nicht um die Darstellung eines Vogels, sondern um die Darstellung der Naturgesetze“, erklärte Ewering. Der Aussage hinter seinen Werken ist mal politisch, mal physikalisch, mal mathematisch.
Und zum Schluss tauchte noch ein Zeitzeuge auf, der den Kunstinteressierten berichten konnte, wie Josef Hendel überhaupt nach Neuenkirchen kam: Rolf Busch-Matthiesen aus Münster, lange Zeit Kunstlehrer am AJG und am Gymnasium Dionysianum. Als die Hendels noch provisorisch in Borghorst lebten, vermittelte sein Arzt in Burgsteinfurt die Adresse an der Dallwand, wohin sie auch zogen.
Die Ausstellung „Josef Hendel - schwarz auf weiß“ im Foyer der Bezirksregierung Münster am Domplatz ist geöffnet bis zum 17. Februar zu den Öffnungszeiten der Bezirksregierung