Grüner Koloss in Recke dient als Pufferspeicher


Grüner Koloss: Der große Wasserspeicher fasst 140 000 Liter.
Grüner Koloss: Der große Wasserspeicher fasst 140 000 Liter.
(Foto: Jan-Herm Janßen)


Recke. Bauarbeiter und Fußballer teilen sich derzeit den Trainingsplatz zwischen Schulzentrum und alter Kläranlage am Wulferkamp in Recke. Denn dort werden im Auftrag der Öko-Energie Recke die Leitungen für die künftige Nahwärmeversorgung des Recker Schul-Zentrums verlegt. Doch alle Beteiligten kommen gut miteinander aus, da sich die tiefen Gräben nur entlang des weitgehend ungenutzten Sportplatzrandes auftun und der Erdaushub auch nur dort aufgehäuft wird, wie sich am Mittwochnachmittag zwei der Teilhaber der Öko-Energie Recke, Florenz Beckemeyer und Norbert Verfarth, zusammen mit Geschäftsführer Franz Lührmann beim Ortstermin mit unserer Zeitung überzeugten.

Dabei wird selbst der Rasen quasi mit Samthandschuhen angefasst: Der Grasbewuchs wird nicht schnöde weggebuddelt, sondern sorgfältig geschält, zur Seite gelegt und nach Abschluss der Arbeiten wieder eingesetzt. Die Warmwasserleitung wird unter der Gesamtleitung der Recker Firma Busemeier in Zusammenarbeit mit der Recker Firma Lüttmann verlegt und verbindet das Gelände der alten Kläranlage mit der Heizungszentrale der Fürstenbergschule, erläutert Lührmann. „Parallel dazu läuft die Starkstromverkabelung.“ Denn auf dem Kläranlagen-Gelände werden künftig zwei Blockheizkraftwerke das von der Biogasanlage im Industriegebiet angelieferte Gas verbrennen und damit Wasser erwärmen, das wiederum für wohlige Wärme der mehr als 1000 Schüler und Lehrer sorgt.



Franz Lührmann (stehend, v.r.), Norbert Verfarth und Florenz Beckemeyer sind bei ihrem Rundgang mit dem Arbeitsfortschritt auf dem Sportplatzgelände sehr zufrieden.
Franz Lührmann (stehend, v.r.), Norbert Verfarth und Florenz Beckemeyer sind bei ihrem Rundgang mit dem Arbeitsfortschritt auf dem Sportplatzgelände sehr zufrieden.


Die Gasleitung von der Biogasanlage bis zur alten Kläranlage liegt bereits vollständig, erläutern Lührmann, Beckemeyer und Verfarth. Für die rund 1,4 Kilometer lange Strecke am Wulferkamp habe man vorhandene Leitungstrassen genutzt, auf Äckern aber auch im Horizontal-Lenkbohrverfahren gearbeitet. Für diese ohne größere Wühlarbeiten auskommende Arbeit waren die Spezialisten der Firma Beermann aus Riesenbeck angerückt.

Nun geht es mit Hochdruck in Richtung Schulzentrum weiter. Im Auftrag von Busemeier verlegen Guido Harmsen und Peter Steinke von der Firma RWT Jagdt Rohr- und Wärmetechnik aus Bochum in Zusammenarbeit mit Lüttmann die Leitungsrohre und verschweißen sie. Zum Einsatz kommen dabei sogenannte Kunststoffmantelrohre, das sind gedämmte PVC-Rohre mit einem Außendurchmesser von 25 Zentimetern, in deren Innern ein 15 Zentimeter dickes Stahlrohr liegt. „Wir haben den Warmwasserleitungs-Querschnitt gegenüber der ursprünglichen Planung erhöht, damit wir mehr Wärmemenge auf einmal rüberschieben und dadurch die Spitzenlasten und Ausfallzeiten möglichst ohne Zukauf von fossiler Energie überbrücken können“, sagt Lührmann. Parallel zu den Wärmeleitungsrohren verlege man auch Leerrohre, die das Unternehmen für moderne Lichtwellenleiterkabel nutzen wolle, aber auch der Gemeinde anbiete. Und noch eine Änderung gibt es: „Im Gegensatz zu den ursprünglichen Planungen haben wir jetzt doch bereits einen Wärmepufferspeicher installiert“, zeigt Lührmann auf einen grünen Tank, der auf dem Kläranlagen-Gelände steht. Der Koloss mit einem Fassungsvermögen von 140 000 Litern dient ebenfalls der kontinuierlichen Warmwasserversorgung.

Die Arbeiten auf und am Kläranlagen-Gelände seien bislang reibungslos vonstatten gegangen, so die Ökostrom-Unternehmer. „Da haben wir sehr gute Unterstützung durch die Gemeinde bekommen. Sonst wäre es nicht so schnell gegangen.“ Sehr zufrieden sind sie auch mit der Zusammenarbeit mit der RWE. Von dort erhalte man eine Menge Rückenwind und technische sowie rechtliche Unterstützung, freuen sie sich.

Wie Beckemeyer sagte, habe sich die Öko-Energie auch schon mit ausreichend Energiematerial für die bevorstehende neue Versorgungsaufgabe eingedeckt. Nur die beiden schallisolierten Blockheizkraftwerke (BHKW) fehlen noch. Diese wolle die Firma General Electrics Jenbacher Anfang November liefern und dann voraussichtlich in der ersten Dezemberwoche in Betrieb nehmen, so Lührmann. Die Blockheizkraftwerke verfügten über eine Maximalleistung von 624 Kilowatt elektrisch und maximal 650 Kilowatt thermisch. Bei den Anlagen würden die zulässigen Immissionswerte der TA Lärm sowohl nachts, als auch tagsüber „ganz deutlich unterschritten“, wie der Öko-Energie-Geschäftsführer betont. „Wir garantieren, dass die nächste Wohnbebauung nicht durch Lärm belästigt wird.“

VON JAN-HERM JANSSEN, IBBENBÜREN


15 · 10 · 08





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