Nächtliche Güterzüge, die auf der Trasse der Tecklenburger Nordbahn durch Büren rollten, sorgten 2005 für Anwohnerproteste. Foto: (Egmont Seiler)
Lotte/Tecklenburger Land - Die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personenverkehr scheint fraglicher denn je. Denn was alternative Streckenführungen an Büren vorbei betrifft, ist nach Prüfung durch ein Ingenieurbüro jetzt klar: Wenn es überhaupt wieder einen Personenverkehr auf der Schiene gibt, dann auf der alten Trasse am Strotheweg. Alles andere wäre zu teuer.
Das jedenfalls ist nach Auskunft von Bürgermeister Rainer Lammers der Tenor eines Schreibens des Zweckverbandes Münsterland (ZVM). Dessen Geschäftsführer Michael Geuckler hatte - wie berichtet - im vergangenen Frühjahr zugesagt, dass die beiden Streckenalternativen über den Bürener Berg zur Atterstraße oder über eine Abzweigung kurz hinter der Kläranlage entlang des Sonnenkamps und des Wersener Damms zur bestehenden Bahnlinie geprüft werde.
Das ist inzwischen geschehen. Ergebnis: Beides würde über einen Kilometer Gleisneubau erforderlich machen, wäre technisch höchst schwierig und demnach aus Kostengründen nicht durchführbar. „Sie sind zu der Erkenntnis gekommen, dass die alternativen Streckenführungen nicht tragbar sind“, fasste Lammers zusammen.
Wie ZVM-Diplom-Ingenieur Markus Rümke auf Nachfrage erläuterte, käme die kürzest mögliche Schienenverbindung, nämlich von der Nordbahntrasse zur Hauptstrecke Rheine-Osnabrück im Süden Bürens, wegen der Bebauung des Zwischenbereichs mit Gewerbe nicht infrage. Man habe sich bei der Untersuchung der Kosten-Nutzen-Relation deshalb auf die alternative Streckenführung nördlich von Büren nach Halen über die Nordwestbahnstrecke Osnabrück- Bremen konzentriert. Doch dort einen Anschluss zu schaffen, würde „über zehn Millionen Euro zusätzlich“ kosten, so der Ingenieur. „Aus unserer Sicht ist deshalb die bestehende Trassenführung das Sinnvollste.“
Da die Gemeinde Lotte als Anliegerkommune der Tecklenburger Nordbahn jährlich 4200 Euro Beitrag zur Streckenunterhaltung zahlt, die Trasse in Büren zurzeit aber nur noch für den Güterverkehr des Betonwerks Rekers in Spelle genutzt wird, gibt es Überlegungen, die 2004 getroffene Vereinbarung zur Abdeckung von Fehlbeträgen der Nordbahn zu kündigen (WN berichteten). Die Nachbarkommune Westerkappeln hatte bereits 2007 die Vereinbarung gekündigt.Deren Hintergrund war, den Erhalt der Gleisanbindung als Maßnahme der Wirtschaftsförderung des Kreises abzusichern. Die Schienenanbindung von Betrieben und Gewerbegebieten sollte nicht leichtfertig aufgegeben werden. Der Westerkappelner Anteil wurde Ende 2007 vom Kreis Steinfurt übernommen.
Bis 2009 war die Gemeinde Lotte noch Gesellschafter der RVM, hat dann aber ihre Anteile an den Kreis verkauft. Zwar ist die Haushaltssituation in Lotte besser als in Westerkappeln, aber auch angespannt - will sagen: Die Finanzen sind ausgereizt.
Deshalb hatte die Lotter Gemeindeverwaltung dem Haupt- und Finanzausschuss empfohlen, die Vereinbarung zu kündigen, zumal seit Langem kein Anschlussnehmer in Lotte mehr von der Tecklenburger Nordbahn bedient wird.
Die Beratung darüber wurde jedoch zurückgestellt, weil sich Vertreter der Gemeinden Wallenhorst und Lotte sowie von Kreis Steinfurt, RVM (Regionalverkehr Münsterland) und Stadtwerken Osnabrück demnächst in Lotte an einen Tisch setzen wollen, um über den Halener Bahnhof und einen möglichen Verkehrsverbund aus Buslinie Wersen-Halen-Hollage und Nordwestbahn zu reden. Dieses Gespräch werde am Montag, 27. Februar, stattfinden, sagte Lammers.
Darin werde es also um drei zwar verschiedene, aber im weitesten Sinne doch zusammenhängende Themen gehen: die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zwischen Hollage, Halen und Wersen und mögliche Förderungen und Beteiligungen, den Zuschuss der Gemeinde Lotte zum Erhalt der Schienenverbindung der Nordbahn sowie die Situation und Entwicklung der Bahn in Büren.
Da die Strecke dort unmittelbar neben dem ohnehin engen Strotheweg verläuft und auf einer Seite die Grundstücke der Anwohner direkt ans Gleisbett grenzen, hatte es in Büren vor einigen Jahren massive Bürgerproteste gegen die Lärmbelästigung durch nächtliche Güterzüge gegeben.
Nach einer öffentlichen Podiumsdiskussion gelang der entscheidende Durchbruch: RVM-Prokurist Manfred Ries kündigte an, in Gesprächen mit der Deutschen Bahn und dem Speller Betonwerk auf eine Fahrplanänderung hinzuarbeiten, die dann auch tatsächlich umgesetzt wurde.
Ob rumpelnde, pfeifende Güterzüge oder moderne, leise Personenzüge - die Bürener selbst sind überwiegend gegen eine Wiederbelebung des Schienenverkehrs auf der jetzigen Trasse. Die schnelle Bahnverbindung zwischen Rheine, Hörstel, Hopsten, Recke, Mettingen, Westerkappeln, Lotte und Osnabrück - ökologisch ja durchaus sinnvoll und von Landrat Thomas Kubendorff eindeutig erwünscht - dürfte aber wohl zumindest vorerst vom Tisch sein.