Vor 30 Jahren fand das erste Galerie-Konzert statt

Wenn die Standuhr neunmal bimmelt


30 Jahre für die Galeriekonzerte aktiv: Dr. Reinhold Schoppmann, Vorsitzender des Kammermusikkreises.Foto:
30 Jahre für die Galeriekonzerte aktiv: Dr. Reinhold Schoppmann, Vorsitzender des Kammermusikkreises.Foto:
(Lowinski)


Warendorf - Tante Ide aus Milte ist schuld: Denn die spendierte seiner Mutter ein Klavier. Da war Reinhold Schoppmann ein zarter Knabe von sieben Jahren - und bekam fortan Unterricht am Piano. Einer seiner Lehrer war der frühere VHS-Chef Hubert Witte. „Der war sehr streng.“ Und erfolgreich: Er pflanzte Reinhold Schoppmann, der heute seine Brötchen als Zahnarzt verdient, die Liebe zur Musik ein. Eine tiefe Liebe, wie man sehr schnell spürt. „Dafür bin ich ihm bis heute dankbar.“

Von dieser Liebe profitiert seit Jahren ein breites Warendorfer Publikum: Schoppmann ist Gründer und Ideengeber der so genannten „Galerie-Konzerte“. Die feiern in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag und bereichern Jahr für Jahr das Warendorfer Musikleben. Am 5. Februar geht im Sophiensaal bereits das 118. Konzert über die Bühne.


Bei aller Freude an der Musik, der Job als Konzertorganisator war Schoppmann nicht in die Wiege gelegt. Der wurde ihm ein Stück weit aufgedrängt - wieder von einer Frau. Irgendwann 1981 hatte er für einen Freundeskreis aus seiner katholischen Studentenverbindung einen musikalischen Abend auf die Beine gestellt. Unter den Zuhörern war auch Eugenie Haunhorst, die Ehrenringträgerin der Stadt. Und die drängte ihn jedes Mal, wenn er ihr im Städtchen über den Weg lief: „So etwas müsste man öfter mal machen.“ Schoppmann wollte eigentlich nicht, kapitulierte aber, als Haunhorst drohte, mit ihm kein Wort mehr zu reden.

Das war die Geburtsstunde der Konzertreihe: Am 14. Februar 1982 gastierte das Trio Rameau in der „Harmonie“ - auch vom Namen her ein passender Ort für das Ereignis. Dort hatte die Galerie Buck & Deimel ihre Geschäftsräume - das erklärt den Titel: „Galeriekonzert“.

Bei Buck & Deimel gab es einen alten Broadwood-Flügel, die Antiquitäten im Verkaufsraum wurden an die Seite geräumt. Zur Premiere kamen rund 90 musikbegeisterte Warendorfer.

Der Veranstaltungsort hatte allerdings auch seine Tücken. Bei einem Auftritt von Peter Rösel aus Dresden begann plötzlich eine der alten Standuhren die Stunde zu schlagen, neunmal - und das auch noch mit Verspätung. Schoppmann hatte vergessen, das gute Stück anzuhalten. Rösel nahm es mit Humor. Es hat seiner Freundschaft zu Schoppmann nicht geschadet.

1982 gründete sich der Kammermusikkreis, der hinter den Konzerten steht. Schoppmann, der von Anbeginn Vorsitzender des Vereins ist, holte sich einige Mitstreiter ins Boot. Zum Beispiel seinen alten Musiklehrer Hubert Witte und dessen Frau Isabella, das Ehepaar Ilse und Ludger Riebel, Torsten Brand, der heute in Frankreis lebt. Aktuell dabei sind Dr. Adalbert und Ulrike Gabel, Klaus Wiese oder Hein-Eugen und Ricarda Nass.

Einer, der über die ersten Galeriekonzerte schrieb, war Thomas Bellut - damals Volontär bei den Westfälischen Nachrichten, heute designierter ZDF-Intendant. Man sieht: In Warendorf beginnen Karrieren.

Karriere hat auch die Konzertreihe gemacht: Sehr schnell sprach sich die tolle Atmosphäre in der Musikszene herum. Selbst große Namen stehen seither auf den Programm-Listen: Pianist Peter Rösel, das Nomos-Quartett, Bob van Asperen - die Reihe ließe sich fortsetzen. Mit dem Umzug 1985 in den Sophiensaal änderte sich die Farbe der Programmhefte und es gab mehr Platz. Ansonsten blieb alles beim Alten - Name und Niveau.

Warum kommen so bekannte Leute für relativ „kleines Geld“ aufs platte Land nach Warendorf? Schoppmann ist sich sicher: „Die freuen sich einfach über ein gutes Publikum. Dafür sind selbst große Stars dankbar.“ Und dann gehört noch die familiäre Betreuung der Musiker dazu. Nach dem Konzert geht es nicht in irgendein anonymes Hotelzimmer, da setzt man sich bei Schoppmanns oder einem der anderen Mitstreiter im Wohnzimmer zu einem Glas Wein zusammen.

Die persönlichen Kontakte, die manchmal zu richtigen Freundschaften wurden, machen die besondere Qualität aus. Musiker, die einmal in Warendorf aufgetreten sind, kommen in der Regel sehr gerne wieder.

Nur so konnte es über all die Jahre gelingen, ohne Zuschüsse oder Sponsoren über die Runden zu kommen: „Die Konzerte finanzieren sich einzig und allein über die Eintritte und Spenden“, ist Schoppmann stolz. „Das ist unser Geschenk an die Stadt Warendorf.“

VON CHRISTOPH LOWINSKI, WARENDORF


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