Stolpersteine für Geschwister Leffmann und Rosenberg
In Riga verliert sich die Spur
Bereiten die Stolperstein-Verlegung vor: vorne (v. l.) Wilma Richter, Christian Elsner, Annemarie Enninghorst, Maria Tönne, Ulla Holldack, Heinrich Hellmann, Margret Schulze Stentrup, Paula Rose, Beate Osthues, Klaus Aßhoff und Angelika Sturm (hintere Reihe, v. l.). Foto: (Brocker)
Freckenhorst - Gespräche, die unter die Haut gehen, hat in den vergangenen Wochen Christian Elsner, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und Mitglied des Arbeitskreises „Stolpersteine in Freckenhorst“, geführt. Um die für den 1. März geplante Verlegung vier weiterer Stolpersteine für die Geschwister Rosenberg und Leffmann vorzubereiten, führte der Pädagoge Gespräche mit Zeitzeugen, die die Schwestern Ida und Hedwig Rosenberg gekannt haben.
Dem 77-jährigen Clemens Averhoff und der heute in der Eifel lebenden Marlies Kramer, Jahrgang 1929, seien vor allem die Bilder des in der Reichspogromnacht zerstörten Mobiliars der Geschwister Rosenberg, die im Haus Hindenburgplatz 13, heute Stiftsmarkt 13 (Friseursalon Mieslinger), zu Hause waren, in Erinnerung. „Geht Kinder, geht, Ihr könnt uns nicht mehr helfen“ - diese Worte habe die damals im Gebäude der heutigen öffentlichen Bücherei wohnende Marlies Kramer noch im Ohr, wenn sie an die vor ihren zerstörten Habseligkeiten stehenden einstigen Nachbarinnen denke.
„Die Rosenbergs sind nach der Pogromnacht zu Leffmanns gezogen“, hat Arbeitskreis-Mitglied Heinrich Hellmann recherchiert. Das Haus an der Ecke Warendorfer Straße, Dechaneistraße, in dem die Geschwister Alma und Siegfried Leffmann und die Geschwister Rosenberg dann gemeinsam wohnten - heute befindet sich hier eine Brachfläche - sei für die Freckenhorster fortan das „Judenhaus“ gewesen.
Bis zu jenem Tag im Dezember 1941, da die kleine Notgemeinschaft über Warendorf und Münster nach Riga deportiert wurde, wo sich ihre Spur verliert. „Am 15. Dezember 1941 sind sie in Riga angekommen“, weiß Hellmann. Historischen Quellen hat er entnommen, dass die Leffmanns nachweislich seit 1739 in Freckenhorst lebten, dass das Familienoberhaupt, ein Handelsmann, als „Tierheilkundiger“ galt und dass Alma Leffmanns uneheliche Tochter nach dem Krieg bis zu ihrem Tod 2001 in Warendorf wohnte.
Recherchen, Zeitzeugengespräche und Fotos sollen einfließen in ein Gedenkblatt, das der Arbeitskreis anlässlich der Stolpersteinverlegung gestalten wird und das im Dezember in der Villa ten Hompel in Münster verlesen und anschließend dort archiviert werden soll.
Auch die Recherchen, die Annemarie Enninghorst, Vertreterin des Katholischen Bildungswerkes im Arbeitskreis, im Kreisarchiv angestellt hat, werden in dieses Gedenkblatt einfließen, mit dessen Hilfe nachfolgende Generationen an das Schicksal der Deportierten erinnert werden sollen. In der jüngsten Arbeitskreis-Sitzung berichtete sie, dass Hedwig Sara Rosenberg, geboren am 26. Mai 1893, und Ida Sara Rosenberg, geboren am 7. März 1889, Töchter von Nathan und Bella Rosenberg waren. Neben einer im Alter von 13 Monaten verstorbenen Schwester hätten die beiden einen Bruder gehabt. Paul Rosenberg, geboren am 28. Juli 1898, sei nach Argentinien emigriert und Anfang der 1960er- Jahre nach Deutschland zurückgekehrt. 1962 sei er in Reinbek bei Hamburg gestorben.
Enninghorsts Recherchen zufolge hatten Hedwig und Ida Rosenberg ihrem Bruder über Paraguay nach Argentinien folgen wollen, doch die geplante Ausreise habe aus nicht näher erläuterten Gründen niemals stattgefunden. Stattdessen sei das Hab und Gut der Schwestern, die in der Pogromnacht auf nackten Füßen, von ihren Häschern getrieben, über Glassplitter laufen mussten, versteigert worden.
Wo und wie die Geschwister Leffmann und die Rosenberg-Schwestern umgekommen sind, die Bernhard Arndt und Tönne Deitert, damals als Soldaten im Osten, in Riga noch einmal gesehen hatten, ist ungewiss. In die Stolpersteine gravierte Fragezeichen stehen für diese Ungewissheit.
In das Pflaster vor dem Haus Stiftsmarkt 13 und des Bürgersteigs in Höhe des Grundstücks Horstmann, Warendorfer Straße, Dechaneistraße, wird der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am 1. März um 14 und um 14.30 Uhr die Stolpersteine einlassen.
Anschließend lädt der Arbeitskreis, der weitere Zeitzeugen sucht, die sich mit Wilma Richter, ' 447 61, in Verbindung setzen sollten, zum Kaffee in die Bücherei St. Bonifatius ein.