Kein Problem mit der Verfügbarkeit

Feuerwehr mit vollem Einsatz


Voll im Einsatz: Warendorfs Freiwillige Feuerwehr hat oft einen schwierigen Job - wie hier bei einem Unfall auf der B 64.Foto:
Voll im Einsatz: Warendorfs Freiwillige Feuerwehr hat oft einen schwierigen Job - wie hier bei einem Unfall auf der B 64.Foto:
(Tünte)


Warendorf - Im ersten Augenblick bekommt man einen Schreck: Warendorfs Freiwillige Feuerwehr erreicht laut Statistik nur zu 20 Prozent ihre Schutzziele, sagte Bürgermeister Jochen Walter im Rat. Das Problem sei die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte. Da stellt sich die Frage: Ist die Einsatzbereitschaft in Gefahr?

Klare Antwort: „Nein“, sagt Josef Recker, Chef der Freiwilligen Feuerwehr in Warendorf. „Unsere Einsatzfähigkeit ist nicht in Gefahr.“ Denn wenn es ernst wird, so Recker, seien seine Kameraden mit voller Kraft bei der Sache. Die Statistik, die der Bürgermeister genannt habe, vermittle einen falschen Eindruck: „Man muss das differenziert betrachten.“


Grund für die auf den ersten Blick erschreckend niedrige Quote sei eine veränderte Betrachtungsweise der Statistik: Neuerdings werden die Einsätze aufgrund von Brandmeldeanlagen (BMA) mitgezählt. Und die sorgten für ein krummes Bild.

51 mal lösten diese Anlagen eine Alarmierung der Feuerwehr aus - wie sich dann herausstellte war es in 32 Fällen ein Fehlalarm. „Da wurden die Einsätze oft schon bei der Anfahrt wieder abgebrochen, weil klar war, dass es sich um einen Fehlalarm handelt“, rückt Recker die Tatsachen ins rechte Bild. „Die Kameraden merken schon bei der Alarmierung, ob es ernst wird oder ob da mal wieder eine BMA im Spiel ist.“

Die häufigen Fehlalarme sorgen unter den Aktiven der Feuerwehr für viel Frust: Schließlich verlassen sie fluchtartig ihre Arbeitsstelle, um schnell zum Einsatz zu kommen. „Wenn man dann zurückkehrt und es war falscher Alarm, braucht man Selbstbewusstsein, um das vor den Kollegen oder dem Chef zu vertreten.“

Der allgemeinen Motivation sei das nicht sehr dienlich. Deshalb stört Recker auch die recht knappe Mitteilung des Bürgermeisters zur Quote der Schutzziel-Erreichung: „Da hätte man die Zusammenhänge vielleicht etwas ausführlicher erläutern können.“

Die Schutzziele (Schutzziel 1 bedeutet: innerhalb von acht Minuten müssen neun Feuerwehrleute am Einsatzort sein) sind sehr hoch gesteckt. „Und wenn es Echteinsätze sind, dann sind unsere Kameraden sofort voll da - wie elektrisiert.“ Im Ernstfall erreiche die Feuerwehr immer die notwendige Quote, sagt Recker. Da gebe es kein Problem der Verfügbarkeit.

Zudem schlägt die Statistik mit aller Strenge zu: Schutzziel 1 sei schon nicht erreicht, wenn innerhalb der geforderten Zeit nur sieben Feuerwehrleute vor Ort sind. „Aber die handeln natürlich schon aktiv, selbst wenn die restlichen zwei erst in der neunten Minute kommen.“

Recker: „Unsere Kameraden machen oft einen schweren Job, die setzen sich mit aller Kraft ein - zuletzt vor ein paar Tagen bei dem schweren Unfall in Einen.“

Recker verhehlt nicht, dass auch die Stadt eine Menge für die Motivations-Steigerung der Feuerwehrleute tun könnte: „Das ist nicht zuletzt eine Frage der Wertschätzung, die man verspürt.“ Helfen würden kleine Gesten des guten Willens, die es in manchen anderen Kommunen schon gebe: Kilometergeld, Kostenerstattung, Aufwandsentschädigung. Zudem würde Recker es sehr begrüßen, wenn die Stadtverwaltung bei Stellenbesetzungen Mitglieder der Feuerwehr stärker berücksichtigte: „Das könnte die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte erleichtern.“ Und es würde den Erklärungsnotstand mildern, wenn es mal wieder einen Fehlalarm gegeben hat.

VON CHRISTOPH LOWINSKI, WARENDORF


04 · 02 · 12





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