Macht und Intrige


Der atlantische Warlord Jabbadoor schwört dem Gott Poseidon ab und verbündet sich mit dem finestern Dämon Belzebub. Die großen Themen in dem Atlantis-Musical heißen Macht, Unterdrückung und Intrige.Fotos: Edler/Wemhoff
Der atlantische Warlord Jabbadoor schwört dem Gott Poseidon ab und verbündet sich mit dem finestern Dämon Belzebub. Die großen Themen in dem Atlantis-Musical heißen Macht, Unterdrückung und Intrige.Fotos: Edler/Wemhoff


Warendorf. Das passende Stück für ein Schultheater zu finden, ist nicht leicht, und die Suche selbst kann manchmal epische Züge annehmen. Das Gymnasium Laurentianum musste lange nach einem geeigneten Musical suchen und fand - Atlantis in Dänemark. Gestern Abend war Generalprobe im Theater am Wall, und am Mittwochabend um 20 Uhr feiert das Lau-Musical seine Premiere.

Es ist eine echte, zumindest deutschlandweite Premiere, die das Publikum im Paul-Schallück-Saal in Warendorf erwartet. „Eine richtige Uraufführung, das hatten wir im Rahmen eines Schultheaters noch nie“, sagt André Auer vom TaW, der die Aufführungen als Regie-Assistent begleiten wird. Doch wie kam es überhaupt zur „Entdeckung“ von Atlantis?



An Bord eines der vielen atlantischen Kriegsschiffe fürchten die Seemänner und Soldaten um ihr Leben. Generalprobe für das Lau-Musical Atlantis gestern Abend.
An Bord eines der vielen atlantischen Kriegsschiffe fürchten die Seemänner und Soldaten um ihr Leben. Generalprobe für das Lau-Musical Atlantis gestern Abend.


Die Kriterien, die das Stück erfüllen sollte, schränkten die Auswahl von vornherein ein. „Es sollte den Kindern gefallen, spielbar sein und dem Publikum gute Unterhaltung bieten“, erklärt Auer. Zudem musste es auf das Rohmaterial passen, also Gelegenheit für den Einsatz von Chören, Solisten und Tänzern geben. „Die Stückauswahl wird dann ganz klein, zumal man in vielen Fällen die Rechte nicht mehr so einfach bekommt“, meint der musikalische Leiter Reinhard Tauzt.


André Auer, die Darsteller Carsten Wolfering und Monika Mulder, Marlis Ermer, Reinhard Tautzt und Dr. Winfried Grohe (v.l.) fiebern der Premiere entgegen.
André Auer, die Darsteller Carsten Wolfering und Monika Mulder, Marlis Ermer, Reinhard Tautzt und Dr. Winfried Grohe (v.l.) fiebern der Premiere entgegen.


Fündig wurden die Organisatoren dann doch eines Nachts, und zwar auf einer dänischen Internetseite. Atlantis hieß das Stück, uraufgeführt 1993 in Kopenhagen. Der Text stammt aus der Feder von Thomas Hog und Sune Svanekier, die Musik schrieb Peter Spies.

„Den Namen des Komponisten hatte ich noch nie gehört“, erinnert sich Auer. Doch das, was die Webseite an Hörproben zu bieten hatte, gefiel nicht nur ihm. Die Veranstalter nahmen via E-Mail direkten Kontakt mit dem Komponisten auf und bekamen Musik-Dateien und weiteres Material in dänischer und englischer Sprache zugesandt. Einen Haken hatte die Sache jedoch. Der Text des Musicals war bis dahin nicht ins Deutsche übersetzt. Das bedeutete: „Wir würden das selber machen müssen. Das hat uns schon etwas geschockt“, so Auer. Glücklicherweise nahmen die dänischen Urheber doch noch Kontakt mit einem deutschen Theaterverlag auf, der eine Übersetzung lieferte.

Neben dem Faktor Originalität hat Atlantis auch inhaltlich einiges zu bieten. Den antiken Mythos von der untergegangenen Insel mit einer Märchengeschichte vereinend, erzählt Atlantis von einer Gesellschaft auf dem Gipfel der Macht. Zugleich haben jedoch Betrug und Habgier Besitz von den Menschen ergriffen. Dr. Winfried Grohe, seit 1998 zuständig für die Inszenierungen der Schulmusicals, spricht von einem „sehr dramatischen Sujet“. Die in den früheren Stücken vorhanden, komödiantischen Szenen zur Auflockerung fielen weg: „Es gibt keinen Clown in diesem Stück“. Die großen Themen heißen Macht, Unterdrückung, Intrige.

Gleichzeitig sei Atlantis auch ein unterhaltsames Musical. Lyrische Momente wechseln sich mit dramatischen Szenen ab, viele Chor- und Tanzszenen sollen das Stück vor „martialischer Einseitigkeit“ bewahren.

Insgesamt sind 120 Mitwirkende auf der Bühne an dem Stück beteiligt, hinzu kommen 31 Musiker im Orchestergraben. 192 Scheinwerfer, Bildprojektionen und eine Drehbühne sorgen für spektakuläre Effekte.

Für die Premiere am Mittwoch gibt es noch Karten. Vorverkauf ist heute und Mittwoch von 16 bis 18 Uhr im Theater am Wall.

Weitere Aufführungen: 29., 30. und 31. August, außerdem am 2., 3., 5. und 6. September, jeweils 20 Uhr.

VON SEBASTIAN WEMHOFF


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