Ex-OB Tillmann ist jetzt Professor

„Ich habe Lampenfieber“


Über die Krise der Kommunen referierte gestern Abend der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann in der Aula des Schlosses.Foto:
Über die Krise der Kommunen referierte gestern Abend der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann in der Aula des Schlosses.Foto:
(Matthias Ahlke)


Münster - Beim Blick in die Runde konnte sich die Uni-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles einen schmunzelnd-süffisanten Seitenhieb nicht verkneifen: „Antrittsvorlesungen sind seit dem 20. Jahrhundert zum gesellschaftlichen Ereignis degeneriert.“

Mit dem „Ereignis“ jedenfalls hatte Nelles Recht. Denn als der neue Honorarprofessor und Politikwissenschaftler Berthold Tillmann seine Antrittsvorlesung zur Finanzkrise der Kommunen hielt, war die Dichte der politischen und akademischen Prominenz in der Aula des Uni-Schlosses außergewöhnlich hoch. Oder wie es Nelles ausdrückte: „Nahezu die gesamte Öffentlichkeit ist der Einladung gefolgt.“


Trotz seiner zehnjährigen Amtszeit als Oberbürgerbürgermeister gestand Tillmann im Angesicht des illustren Auditoriums: „Ich habe Lampenfieber.“ Denn erstmalig stand er vor der Aufgabe, nicht als Politiker über politische Vorgänge reden zu müssen, sondern als Wissenschaftler.

Und dass es bei Tillmanns Ernennung zum Honorarprofessor nicht einfach um die Ehrung eines aus dem Amt geschiedenen Oberbürgermeisters geht, machte der zuständige Dekan des Fachbereiches Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Volker Gehrau, deutlich: Zwei externe Gutachter hätten die wissenschaftliche Biografie und wissenschaftlichen Arbeiten Tillmanns überprüft, bevor der Titel „Honorarprofessor“ fällig war. Ein Titel übrigens, für den sich Tillmann nichts kaufen kann. „Honorarprofessor zu sein, ist ein Ehrenamt“, so Gehrau.

Mit der Finanzkrise der Städte und Gemeinden hat sich Tillmann nahezu 20 Jahre beschäftigt - erst als Kämmerer, dann als Verwaltungschef. Entsprechend leicht wäre es für ihn gewesen, voll in die Krisenkerbe zu hauen.

Tillmann tat es aber nicht. Vielmehr analysierte er das hoch komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen den staatlichen Ebenen: Bund, Länder und Kommunen.

Im Laufe der Jahre, so seine Kritik, habe sich eine gefährliche Arbeitsteilung ergeben: Bund und Land als „Regelungsebene“, Städte und Gemeinden aus „Ausführungsebene“.

Kontinuierlich seien speziell die Länder dabei, die „Kommunen als Filialen des Staates“ zu instrumentalisieren, so Tillmann. Die kommunale Selbstverwaltung bleibe dabei auf der Strecke.

VON KLAUS BAUMEISTER, MÜNSTER


26 · 01 · 12





AZ-KONTAKTE
Abonnements
(0 25 41) 92 11 39
Anzeigen
(0 25 41) 92 11 32
Redaktion
(0 25 41) 92 11 51
AZ-Pressehaus
Rosenstr. 2, 48653 Coesfeld, (0 25 41) 921-0
Billerbecker Anzeiger
Lange Str. 8, 48727 Billerbeck, (0 25 43) 23 14-0
Gescherer Zeitung
Kirchplatz 2, 48712 Gescher, (0 25 42) 93 04-0


MÜNSTERLAND
SPORTMELDUNGEN
MELDUNGEN AUS NRW


© Allgemeine Zeitung - Alle Rechte vorbehalten 2012

Impressum | Datenschutz | AGB | Sitemap
Media-Daten | Netiquette