Münster - Es war 14 Uhr am Samstag, als Benno Fritzen, Chef der münsterischen Feuerwehr, ein erstes Fazit ziehen konnte: Das Ziel der Übung ist erreicht - unsere Konzepte lassen sich umsetzen.
Fritzen und auch seine Mitstreiter bei Polizei, Rettungsdiensten, Bundespolizei und technischem Hilfswerk hoffen, dass das am Samstag bei der in Münster größten Katastrophenübung aller Zeiten erprobte Konzept niemals bei einem realen Unglück umgesetzt werden muss.
Die rund um die Bahngleise zwischen Hauptbahnhof und Alfred-Krupp-Weg simulierte Katastrophe war jedenfalls so realitätsnah, dass sich viele Menschen in Münster ernstlich Sorgen machten. Hunderte von Rettungswagen jagten durch die Stadt, die meisten zum Universitätsklinikum. Die Lippstädter Straße und die Abfahrt von der Umgehungsstraße Richtung Halle Münsterland war gesperrt, am Industrieweg parkten endlose Kolonnen von Einsatz- und Rettungsfahrzeugen.
Der Unfall, den sich die Planer der Großübung mit 2000 Beteiligten ausgedacht hatten, war eine Verkettung höchst tragischer und dramatischer Umstände: Durch umgestürzte Bäume kommt ein Regionalzug bei Tempo 100 zum Entgleisen. Eine Achse des Zuges löst sich und stürzt von einer Eisenbahnbrücke auf den darunter liegenden Industrieweg - genau auf ein Auto, das mit einem weiteren Wagen kollidiert. Hier gibt es laut Plan die ersten Toten und Verletzten.
Bis die ersten Opfer aus dem Zug geborgen werden können, müssen etliche Bäume gefällt werden, viel Buschwerk muss gerodet werden. Außerdem steht die Oberleitung unter Strom. Die Zuginsassen - 50 professionelle Darsteller, die die Schwerverletzen sehr überzeugend mimten, und rund 200 Fachhochschüler der Polizei - trommeln derweil hilferufend panisch gegen die Scheiben.
Gegen Nachmittag stand für die 950 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst fest, dass es gelungen war, die "Schwerverletzten" schnell in Krankenhäuser zu bringen. "Die Zusammenarbeit der vielen Gruppen von meist ehrenamtlichen Rettungssanitätern hat geklappt", so Benno Fritzen, der sich gleichwohl wünscht: In der Wirklichkeit könnte die Koordination noch ein bisschen schneller gehen.
Apropos Wirklichkeit: Bei der Übung des Katastrophenfalls gab es auch ein richtiges Unglück. Ein Rettungswagen stieß am Kardinal-von-Galen-Ring mit mehreren Autos zusammen. Drei Menschen wurden dabei leicht verletzt.