Reformation und Täuferzeit


Der Anführer der Täuferbewegung, Jan van Leiden.
Der Anführer der Täuferbewegung, Jan van Leiden.


An der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert zeichneten sich in Münster einschneidende politische Veränderungen und religiöse Unruhen ab. Auslöser waren gravierende wirtschaftliche Probleme nach dem Rückgang des Warenaustausches mit den Handelsmetropolen im Nord- und Ostseeraum und ein Verfall der moralischen Autorität der katholischen Kirche. Dazu machte sich jetzt zusehends Sympathie für die Lehre Martin Luthers breit. Als aber die Reformation im Streit zwischen lutherischem Rat und radikalen Predigern scheiterte, gewannen alsbald die Anhänger der nach Münster strömenden Täuferbewegung die Oberhand.

Diese religiöse Sekte, die ihr Leben streng an dem Vorbild der christlichen Urgemeinde orientieren wollte, daher beispielsweise die Kindertaufe verwarf und die Erwachsenentaufe praktizierte, war in weiten Teilen des damaligen Deutschlands verbreitet. Weil sie Staat, Obrigkeit und die alte Kirche ebenso wie die neue lutherische Lehre ablehnte, sahen sich die Täufer strenger Verfolgung ausgesetzt.


Sie ergriffen nur in Münster die Macht. Einer ihrer Anführer, der sich stärker am Alten Testament orientierte, war Jan Bockelson, nach seinem Herkunftsort auch Jan van Leiden genannt. Binnen eines Jahres war er vom fanatischen „Täufer“ zum „König des neuen Jerusalem“ in Münster aufgestiegen. Seine unumschränkte Herrschaft trug bald groteske und grausame Züge. Nicht so sehr die Zerstörung sakraler Kunstwerke, die Abschaffung des Geldes oder die Einführung der Vielweiberei als vielmehr das eigenhändige brutale Vorgehen gegen Abtrünnige prägten sein bedrückendes Regiment. Jan van Leiden zur Seite stand sein „Rat“, Bernd Krechtinck, und sein „Statthalter“ Bernd Knipperdollinck.

Das Täuferreich in Münster, das im Februar 1534 seinen Anfang nahm, brach im Juni des darauf folgenden Jahres in einem Blutbad zusammen. Deren Anführer wurden gefangen genommen und 1536 zum Tode verurteilt. Zur Abschreckung steckte man ihre Leichen in drei Käfige, die noch heute an der Lambertikirche hängen. Zwar wurde die alte Kirchenverfassung wiederhergestellt, doch erst die Jesuiten setzten das katholische Bekenntnis wieder durch. Sie ließen sich im Jahre 1588 in Münster nieder und errichteten hier eine ihrer größten Ordensniederlassungen in Deutschland.

VON BERND HAUNFELDER, MÜNSTER


03 · 01 · 08



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