An der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert zeichneten sich in Münster einschneidende politische Veränderungen und religiöse Unruhen ab. Auslöser waren gravierende wirtschaftliche Probleme nach dem Rückgang des Warenaustausches mit den Handelsmetropolen im Nord- und Ostseeraum und ein Verfall der moralischen Autorität der katholischen Kirche. Dazu machte sich jetzt zusehends Sympathie für die Lehre Martin Luthers breit. Als aber die Reformation im Streit zwischen lutherischem Rat und radikalen Predigern scheiterte, gewannen alsbald die Anhänger der nach Münster strömenden Täuferbewegung die Oberhand.
Diese religiöse Sekte, die ihr Leben streng an dem Vorbild der christlichen Urgemeinde orientieren wollte, daher beispielsweise die Kindertaufe verwarf und die Erwachsenentaufe praktizierte, war in weiten Teilen des damaligen Deutschlands verbreitet. Weil sie Staat, Obrigkeit und die alte Kirche ebenso wie die neue lutherische Lehre ablehnte, sahen sich die Täufer strenger Verfolgung ausgesetzt.