Süßwasser aus Nebel gewonnen


In den Bergen um Lima gewinnen Anne Lummerich und Dr. Kai Tiedemann Süßwasser aus Nebel.
In den Bergen um Lima gewinnen Anne Lummerich und Dr. Kai Tiedemann Süßwasser aus Nebel.
(Foto: -ml-)


-ml- Münster-Angelmodde. Ein Raunen geht durch die Mitgliederversammlung des Fördervereins Lateinamerika: Auf einem Video schöpft die Biologin Anne Lummerich Wasser aus der Sammelrinne eines so genannten Nebelfängers - 600 Liter Süßwasser hat das rund 30 Quadratmeter große aufgeständerte Kunststoffnetz innerhalb nur eines Tages aus der feuchten Luft der Wüsten Lomas in Peru gefiltert. Das verblüfft.

Nachdem bei Schwester Katharina in El Alto (Peru) ein Krankenwagen durch den Förderverein mitfinanziert werden konnte, sucht der Verein zur Förderung von Selbsthilfegruppen in Lateinamerika ein neues Projekt, welches unterstützt werden könne. Dr. Kai Tiedemann und Anne Lummerich waren persönlich erschienen, um ihr Projekt „Grüne Wüste“ als eines von dreien vorzustellen.


Einst sei die heutige „Mondlandschaft“ der Lomas noch bewaldet gewesen, berichteten sie. Die Bäume fielen jedoch der expandierenden peruanischen Hauptstadt Lima zum Opfer.

So begann ein Teufelskreis: „Ohne Bäume funktioniert das ganze System nicht mehr“, sagt Lummerich. An ihnen regnete sich der Küstennebel des kalten Humboldtstromes ab. Heute kann sich der Nebel an immer weniger Hindernissen niederschlagen und die Lomas trocknen mehr und mehr aus.

In einem vom Global Exploration Fund der National Geographic und Bayer geförderten Pilotvorhaben entwickelten die beiden Biologen traditionelle Nebelfänger weiter; sie sollen Wasser zur Aufzucht neu gepflanzter Bäume auskämmen. Sobald diese Bäume groß genug sind, übernehmen wieder sie die Aufgabe der Nebelfänger und füllen Auffangbecken. Mit diesem Wasser können die Dorfbewohner kleine Gemüsefelder versorgen. So hätten vor allem alleinstehende Mütter auf lange Sicht ein Einkommen. Auch können dann immer neue Bäume gepflanzt werden - ein Selbstläufer.

Das Projekt ist vor allem ein soziales, denn das Problem mit den Nebelfängern ist ihre Nachhaltigkeit. Sie müssen stetig instand gehalten werden. Deswegen werden die Dorfbewohner in den Bau der Auffangbecken eingebunden. „Die Bevölkerung hat da mittlerweile so viel Arbeit rein gesteckt, dass es ihr nicht egal ist, was mit den Anlagen geschieht“, so Tiedemann. Endgültige Entscheidungen über die Unterstützung eines Projektes fielen an diesem Abend noch nicht.



17 · 11 · 08





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